Andrej Kramarić zählt seit Jahren zu den konstantesten Offensivspielern der Bundesliga. Der kroatische Nationalspieler prägt die TSG Hoffenheim inzwischen seit einem Jahrzehnt und hat sich dort einen besonderen Status erarbeitet, die monrose.de berichtet mit t-online.de.
Trotz zahlreicher Angebote großer Vereine blieb er dem Klub treu. Rückblickend stellt sich jedoch die Frage, ob diese Loyalität ihn um eine noch größere Karriere gebracht hat. Genau darüber spricht Kramarić nun ungewöhnlich offen.
In einem aktuellen Interview blickt der Angreifer auf seine Laufbahn zurück und nennt erstmals einen Verein, bei dem er heute Zweifel verspürt. Es geht um den FC Bayern München, den deutschen Rekordmeister. Kramarić räumt ein, dass ein Wechsel nach München möglicherweise die richtige Entscheidung gewesen wäre. Diese Aussage sorgt für Aufmerksamkeit, da der Stürmer jahrelang als Symbolfigur Hoffenheims galt. Seine Worte zeigen eine nachdenkliche Seite eines routinierten Profis.
Gleichzeitig macht Kramarić deutlich, dass es sich nicht um Verbitterung handelt. Vielmehr beschreibt er eine nüchterne Analyse seiner Karriere. Er habe viele Angebote bewusst ausgeschlagen. Doch der FC Bayern sei der einzige Klub, bei dem er heute innehalte und über das „Was wäre wenn“ nachdenke. Diese Offenheit ist ungewöhnlich in einer Branche, die oft von glatten Aussagen geprägt ist.
Zehn Jahre Hoffenheim und eine außergewöhnliche Bilanz
Seit Anfang 2016 steht Andrej Kramarić bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag. In dieser Zeit absolvierte er mehr als 340 Pflichtspiele und erzielte dabei 147 Tore. Diese Zahlen machen ihn zu einem der erfolgreichsten Spieler der Vereinsgeschichte. Kaum ein anderer Profi prägte den Klub sportlich so nachhaltig. Kramarić wurde zum Gesicht einer ganzen Ära.
Seine Bedeutung ging dabei weit über Tore hinaus. Er übernahm Verantwortung, führte jüngere Spieler und war in entscheidenden Momenten zur Stelle. Hoffenheim entwickelte sich in dieser Phase zu einem etablierten Bundesligisten. Auch internationale Auftritte wurden möglich. Kramarić war dabei stets der zentrale Faktor im Offensivspiel.
Gerade diese Rolle wäre ihm bei einem Wechsel zu einem Spitzenklub wohl nicht in gleichem Maße zuteilgeworden. Das ist ein Punkt, den der Kroate selbst betont. In Hoffenheim war er gesetzt, in München hätte er sich hinten anstellen müssen. Diese Sicherheit spielte bei seiner Entscheidung damals eine große Rolle.
Warum der FC Bayern für Kramarić besonders ist
Rückblickend nennt Kramarić den FC Bayern als einzigen Verein, bei dem er heute Zweifel verspürt. Zu jener Zeit war der Kader der Münchner hochkarätig besetzt. Spieler wie Robert Lewandowski und Thomas Müller prägten die Offensive. Für Kramarić wäre es schwer gewesen, regelmäßig Spielzeit zu bekommen. Dieses Risiko schreckte ihn damals ab.
Heute betrachtet er diese Situation differenzierter. Er gibt offen zu, dass ein Wechsel finanzielle Vorteile gebracht hätte. Auch für spätere Stationen hätte sich ein Engagement beim Rekordmeister positiv ausgewirkt. Diese Perspektive fehlte ihm damals oder war für ihn weniger entscheidend. Sportliche Einsatzzeiten hatten Vorrang.
Dennoch bleibt ein Restzweifel. Kramarić betont, dass niemand wissen könne, wie es letztlich ausgegangen wäre. Vielleicht hätte er sich durchgesetzt, vielleicht nicht. Diese Ungewissheit begleitet ihn bis heute. Gerade deshalb bezeichnet er den verpassten Bayern-Wechsel als den einzigen Punkt, den er eventuell bereut.
Loyalität zu Hoffenheim und persönliche Identifikation
Trotz aller Überlegungen steht Kramarić zu seiner Entscheidung. Er verweist darauf, dass er sich immer wieder bewusst für Hoffenheim entschieden habe. Genau deshalb sei er auch heute noch dort. Für einen ausländischen Spieler sei es keineswegs selbstverständlich, über so viele Jahre eine derartige Rolle in der Bundesliga einzunehmen. Diese Anerkennung bedeutet ihm viel.
Kramarić spricht offen darüber, dass er sich eine solche Geschichte nie hätte vorstellen können. Als Kroate habe er in Hoffenheim etwas Einzigartiges aufgebaut. Er wurde Identifikationsfigur, Leistungsträger und Führungsspieler. Dieser Status sei durch keinen Transfer zu ersetzen. Auch deshalb relativiert er seine Reue.
Die emotionale Bindung zum Verein ist weiterhin stark. Obwohl sein Vertrag im Sommer ausläuft, signalisiert er klare Bereitschaft zur Verlängerung. Sollte es allein in seiner Macht liegen, würde er sofort unterschreiben. Diese Aussage unterstreicht seine Verbundenheit. Hoffenheim bleibt für ihn mehr als nur ein Arbeitgeber.
Blick in die Zukunft nach der aktiven Karriere
Mit 34 Jahren denkt Kramarić bereits über die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn nach. Er kann sich gut vorstellen, im Fußball zu bleiben. Besonders der Trainerberuf reizt ihn. Dabei schließt er nicht aus, diesen Weg ebenfalls in Hoffenheim einzuschlagen. Der Verein bleibt ein zentraler Bezugspunkt in seinen Zukunftsplänen.
Als prägendste Trainerfigur seiner Karriere nennt er Julian Nagelsmann. Von ihm habe er am meisten gelernt, sowohl taktisch als auch menschlich. Nagelsmanns Arbeitsweise habe ihn nachhaltig beeindruckt. Diese Erfahrungen möchte Kramarić später selbst weitergeben. Der Gedanke, junge Spieler zu entwickeln, fasziniert ihn.
Seine Karriere ist zudem durch große internationale Erfolge geprägt. Mit Kroatien wurde er 2018 Vizeweltmeister und 2022 WM-Dritter. Diese Erfahrungen fließen in seine persönliche Entwicklung ein. Auch das stärkt seine Perspektive für eine spätere Trainerlaufbahn. Kramarić sieht seinen Weg im Fußball noch lange nicht am Ende.
Die Aussagen von Andrej Kramarić zeigen einen reflektierten Profi, der offen über Chancen und verpasste Möglichkeiten spricht. Der FC Bayern bleibt ein Gedankenspiel, kein Makel. Seine Karriere ist auch ohne diesen Schritt außergewöhnlich erfolgreich verlaufen. Dennoch erlaubt er sich den Blick zurück.
Gerade diese Ehrlichkeit macht seine Worte glaubwürdig. Kramarić glorifiziert den Rekordmeister nicht, sondern analysiert nüchtern. Am Ende steht kein Bedauern im klassischen Sinn, sondern eine leise Frage. Diese Frage gehört zu einer langen Karriere dazu. Und sie zeigt, dass selbst gestandene Profis ihre Entscheidungen immer wieder hinterfragen.