Das militärische Arsenal der Ukraine könnte in absehbarer Zeit um eine weitere weitreichende Waffe erweitert werden. Berichten zufolge plant Großbritannien die Entwicklung einer neuen Rakete speziell für den Einsatz durch die ukrainischen Streitkräfte, die monrose.de berichtet mit n-tv.de.
Das Projekt trägt den Namen „Nightfall“ und soll die Fähigkeit zu präzisen Langstreckenangriffen deutlich stärken. Die Initiative unterstreicht die anhaltende militärische Unterstützung Londons für Kiew. Gleichzeitig zeigt sie, dass westliche Staaten weiterhin nach neuen Wegen suchen, die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine auszubauen.
Aus britischen Regierungskreisen heißt es, dass das Projekt noch in einer frühen Phase steckt. Derzeit sucht das Verteidigungsministerium nach Unternehmen, die Prototypen für erste Testabschüsse entwickeln sollen. Geplant ist offenbar die Konstruktion von drei Raketen für Erprobungszwecke. Das Volumen des entsprechenden Vertrags soll bei rund neun Millionen Pfund liegen. Ziel ist es, möglichst schnell einsatzfähige Systeme zu entwickeln.
Die neue Rakete soll eine kostengünstige Ergänzung zu bereits gelieferten westlichen Waffensystemen darstellen. Dabei geht es nicht nur um militärische Schlagkraft, sondern auch um industrielle Unabhängigkeit. Nightfall soll nach britischen Vorstellungen möglichst wenigen internationalen Exportbeschränkungen unterliegen. Das würde eine flexiblere Nutzung ermöglichen.
Technische Eckdaten und geplante Reichweite von Nightfall
Nach bisherigen Informationen handelt es sich bei Nightfall um eine ballistische Rakete. Sie soll von mobilen Fahrzeugplattformen aus gestartet werden können. Als Gefechtskopf ist ein Sprengsatz mit einem Gewicht von etwa 200 Kilogramm vorgesehen. Damit würde Nightfall in eine ähnliche Kategorie wie andere moderne Kurz- bis Mittelstreckenraketen fallen. Besonders hervorgehoben wird ihre geplante Reichweite.
Diese soll bei rund 500 Kilometern liegen. Eine solche Distanz würde es ermöglichen, weit hinter der Frontlinie liegende Ziele zu erreichen. Vergleichbare Reichweiten werden derzeit nur von wenigen Systemen abgedeckt, die der Ukraine zur Verfügung stehen. In ukrainischen Medien wird darauf hingewiesen, dass auch eine eigenentwickelte Rakete mit ähnlicher Reichweite existiert. Diese wird bereits in begrenztem Umfang eingesetzt.
Das britische Verteidigungsministerium betont, dass Nightfall als leistungsstark, aber zugleich verhältnismäßig günstig konzipiert werden soll. Der angestrebte Höchstpreis liegt laut Berichten bei etwa 800.000 Pfund pro Rakete. Geplant ist langfristig eine Produktionsrate von bis zu zehn Systemen pro Monat. Damit könnte die Ukraine kontinuierlich versorgt werden.

Politische Hintergründe und strategische Ziele
Aus britischer Sicht dient das Projekt mehreren strategischen Zielen. Zum einen soll die Ukraine ihre Verteidigung durch zusätzliche Abschreckung stärken. Zum anderen soll sie in die Lage versetzt werden, gezielt militärische Infrastruktur anzugreifen. Britische Regierungsvertreter betonen, dass moderne Verteidigung nicht nur aus Abwehr bestehe. Die Fähigkeit, selbst zu handeln, sei ein wesentlicher Bestandteil.
Verteidigungsminister John Healey äußerte sich öffentlich zur sicherheitspolitischen Logik hinter Nightfall. Er erklärte, Städte ließen sich durch mehrere Verteidigungsebenen schützen. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, gegnerische Angriffe im Vorfeld zu unterbinden. Diese Aussagen verdeutlichen den Ansatz der britischen Militärplanung. Nightfall soll demnach Teil eines umfassenderen Verteidigungskonzepts sein.
Gleichzeitig signalisiert das Projekt politische Entschlossenheit. Großbritannien zählt seit Beginn des Krieges zu den aktivsten Unterstützern der Ukraine. Bereits geliefert wurden unter anderem Marschflugkörper, schwere Panzer und Artilleriesysteme. Nightfall würde diese Unterstützung auf eine neue Ebene heben. Die Entwicklung einer eigenen Rakete speziell für Kiew wäre ein deutliches Signal an Moskau.
Persönliche Eindrücke des Verteidigungsministers
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Projekt durch Berichte über einen Vorfall während eines Besuchs des Verteidigungsministers in der Ukraine. Medien zufolge erlebte Healey dabei selbst einen russischen Angriff. Sein Zug musste demnach kurzfristig anhalten, nachdem Raketen- und Drohnenangriffe gemeldet worden waren. Diese Situation hinterließ offenbar einen nachhaltigen Eindruck.
Healey beschrieb den Moment später als ernste Erinnerung an die Realität des Krieges. Besonders hob er die Belastung der Zivilbevölkerung hervor, die regelmäßig Angriffen ausgesetzt sei. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und anhaltender Beschuss würden den Alltag zusätzlich erschweren. Diese persönlichen Eindrücke könnten die Entschlossenheit Londons weiter verstärkt haben.
Der Vorfall unterstreicht, dass politische Entscheidungen nicht im luftleeren Raum getroffen werden. Direkte Erfahrungen vor Ort prägen die Wahrnehmung der Lage. In diesem Kontext erscheint das Projekt Nightfall auch als Reaktion auf konkrete Bedrohungsszenarien. Die Rakete soll helfen, diesen Bedrohungen wirksam zu begegnen.
Einordnung in die westliche Unterstützung der Ukraine
Nightfall ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil einer breiteren westlichen Strategie. Großbritannien und Frankreich haben bereits signalisiert, im Falle eines Waffenstillstands weitere Schritte zu erwägen. Dazu gehören auch Überlegungen zur Entsendung von Soldaten. Russland lehnt solche Szenarien entschieden ab und warnt vor Konsequenzen. Die Spannungen bleiben entsprechend hoch.
Die geplante Rakete könnte die militärische Balance weiter beeinflussen. Langstreckenfähigkeiten gelten als besonders sensibel, da sie strategische Tiefe schaffen. Gleichzeitig wird betont, dass Nightfall defensiven Zielen dienen soll. Eine klare Abgrenzung zwischen Abschreckung und Eskalation bleibt jedoch schwierig. Diese Debatte begleitet nahezu jede neue Waffenlieferung.
Fest steht, dass das Projekt Nightfall die Rolle Großbritanniens als zentraler Akteur in der Ukraine-Unterstützung weiter festigt. Ob und wann die Rakete tatsächlich einsatzbereit sein wird, ist noch offen. Die bisherigen Informationen deuten jedoch auf konkrete Planungen hin. Für die Ukraine könnte Nightfall langfristig eine wichtige Ergänzung ihres militärischen Instrumentariums darstellen.