Der irische Billigflieger Ryanair setzt seinen Rückzug von großen deutschen Flughäfen fort. Besonders Hamburg und Berlin stehen im Sommer 2026 erneut im Fokus von Kürzungen, die monrose.de berichtet mit n-tv.de.
Während das Unternehmen an kleineren Standorten neue Strecken ankündigt, verlieren die beiden Metropolen weiter an Bedeutung im Ryanair-Netz. Die Airline begründet diesen Schritt mit hohen Gebühren und ungünstigen politischen Rahmenbedingungen. Für viele Passagiere bedeutet das weniger Auswahl und längere Wege zu Abflughäfen.

Ryanair hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Strecken gestrichen und Kapazitäten reduziert. Nun folgt der nächste Einschnitt, obwohl gleichzeitig neue Flüge angekündigt wurden. Der Ausbau erfolgt jedoch gezielt an kleineren Flughäfen. Große Standorte mit hohen Kosten geraten weiter unter Druck. Diese Strategie sorgt in der Branche für Diskussionen.
Neue Strecken – aber nicht für Hamburg und Berlin
Für den Sommerflugplan 2026 kündigt Ryanair insgesamt elf neue Strecken sowie rund 300.000 zusätzliche Sitzplätze in Deutschland an. Diese Kapazitäten werden jedoch vor allem an kleineren Flughäfen stationiert. Profitieren sollen unter anderem Standorte wie Niederrhein-Weeze, Memmingen, Bremen und auch Köln. Dort plant die Airline zusätzliche Starts und ein erweitertes Angebot.
Hamburg und Berlin gehen dagegen leer aus. Im Gegenteil: In Hamburg will Ryanair ihr Angebot um rund 20 Prozent reduzieren. In Berlin ist ein Rückgang von etwa 5 Prozent vorgesehen. Welche konkreten Strecken gestrichen oder neu eingeführt werden, ließ das Unternehmen bislang offen. Für Reisende bedeutet das vorerst Unsicherheit bei der Planung.
Gebühren als zentraler Streitpunkt
Ryanair macht keinen Hehl aus den Gründen für die Kürzungen. Nach Angaben der Airline hätten Hamburg und Berlin ihre Flughafenentgelte nicht gesenkt. Damit seien diese Standorte für einen Billigflieger wirtschaftlich unattraktiv. Ryanair argumentiert, dass kommerzielle Luftfahrt unter diesen Bedingungen in Deutschland kaum noch rentabel sei.
Ein Luftfahrtexperte ordnet ein:
„Ryanair setzt konsequent auf Kostenführerschaft. Flughäfen, die nicht mitziehen, verlieren Volumen.“
Die Airline verfolgt diese Linie seit Jahren. Flughäfen, die Gebühren senken oder Anreize bieten, werden ausgebaut. Andere verlieren Strecken – unabhängig von ihrer Größe oder Bedeutung.
Sommer 2026 bleibt unter Vorjahresniveau
Trotz der neuen Strecken bleibt das Gesamtangebot von Ryanair in Deutschland im Sommer 2026 unter dem Niveau des Vorjahres. Das betonte Airline-Chef Eddie Wilson ausdrücklich. Die zusätzlichen Kapazitäten seien lediglich eine teilweise Kompensation früherer Kürzungen. Ein vollständiger Ausgleich sei nicht geplant.

Wilson bezeichnete die für Juli beschlossene Absenkung der Ticketsteuer zwar als „begrüßenswerten ersten Schritt“. Gleichzeitig forderte er weitergehende Maßnahmen. Dazu zählt die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer sowie niedrigere Gebühren für Flugsicherung und Passagierkontrollen. Ohne solche Reformen sieht Ryanair keine Grundlage für starkes Wachstum.
Forderungen an die Politik
Ryanair verbindet die aktuellen Entscheidungen mit klaren politischen Forderungen. Die deutsche Regierung solle die aus Sicht der Airline „positive Dynamik“ fortsetzen. Nur dann sei das Unternehmen bereit, deutlich stärker in Deutschland zu investieren. In Aussicht gestellt wurden ambitionierte Ziele.
Nach Angaben des Unternehmens könnte Ryanair bei entsprechenden Reformen:
- das Passagieraufkommen in Deutschland auf 34 Millionen pro Jahr verdoppeln,
- 30 zusätzliche Flugzeuge im Land stationieren,
- über 200 neue Strecken aufnehmen,
- rund 1.000 neue Arbeitsplätze an deutschen Flughäfen schaffen.
Ein Branchenbeobachter kommentiert:
„Ryanair nutzt Expansion und Rückzug gezielt als Druckmittel in politischen Debatten.“
Folgen für Passagiere in Hamburg und Berlin
Für Reisende aus Hamburg und Berlin bedeutet der erneute Rückzug vor allem eines: weniger Direktverbindungen mit Ryanair. Viele Passagiere müssen auf andere Airlines ausweichen oder zu kleineren Flughäfen fahren. Das kann längere Anfahrtszeiten und höhere Kosten nach sich ziehen. Besonders für preisbewusste Kunden ist das ein spürbarer Einschnitt.
Gleichzeitig profitieren Reisende aus Regionen mit kleineren Airports von neuen Angeboten. Dort wächst die Auswahl an Zielen, oft zu attraktiven Preisen. Die geografische Verteilung des Flugangebots verschiebt sich damit weiter.
Gewinner und Verlierer der Strategie
Die Strategie von Ryanair schafft klare Gewinner und Verlierer. Kleine und mittelgroße Flughäfen gewinnen an Bedeutung, weil sie flexibler bei Gebühren sind. Große Flughäfen verlieren hingegen Volumen, wenn sie ihre Kostenstruktur nicht anpassen. Diese Entwicklung verändert langfristig die deutsche Flughafenlandschaft.
Eine Übersicht zeigt die aktuelle Tendenz:
| Flughafentyp | Entwicklung Sommer 2026 |
|---|---|
| Kleine Airports | Ausbau, neue Strecken |
| Mittelgroße Airports | Stabile bis steigende Kapazität |
| Große Airports | Weitere Kürzungen |
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Ob Ryanair seine Präsenz in Hamburg und Berlin künftig wieder ausbaut, hängt stark von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ab. Kurzfristig ist jedoch keine Trendwende erkennbar. Die Airline setzt ihren Sparkurs an großen Standorten fort. Der Fokus bleibt klar auf Kostenkontrolle und Rendite.
Für den deutschen Luftverkehr bedeutet das eine anhaltende Verschiebung. Kleinere Airports gewinnen an Gewicht, während Metropolen an Billigflieger-Anteilen verlieren. Für Passagiere bleibt die Lage dynamisch – und abhängig von Entscheidungen, die weit über die Flughäfen hinausgehen.