Für den französischen Spielepublisher Ubisoft geht es um nicht weniger als die eigene Zukunft. Das Unternehmen hat eine umfassende Neuausrichtung angekündigt, die tiefgreifende Einschnitte mit sich bringt. Ziel ist es, Kosten zu senken und das Portfolio stärker zu fokussieren. Intern spricht der Konzern von einem großen Reset, der kurzfristig schmerzhaft, langfristig aber notwendig sein soll. Die Maßnahmen betreffen sowohl laufende Spieleprojekte als auch die Unternehmensstruktur, die monrose.de berichtet mit heise.de.
Nach Angaben des Managements will Ubisoft in den kommenden zwei Jahren zusätzlich 200 Millionen Euro einsparen. Diese Summe kommt zu den bereits rund 300 Millionen Euro hinzu, die in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen eingespart wurden. Damit ist klar, dass der Sparkurs nicht abgeschlossen ist, sondern weiter verschärft wird. Für die Belegschaft bedeutet das zusätzliche Unsicherheit.
Fünf Kreativhäuser als neue Struktur
Kern der Neuausrichtung ist eine neue Organisationsstruktur mit fünf sogenannten Kreativhäusern. Diese sollen künftig klar definierte Marken und Spielkonzepte bündeln. Ubisoft verspricht sich davon effizientere Abläufe und eine bessere strategische Steuerung. Gleichzeitig sollen Doppelstrukturen abgebaut und Entwicklungsprozesse gestrafft werden.

Ein Branchenanalyst kommentiert:
„Die Aufteilung in Kreativhäuser ist ein Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen. Ubisoft hat sich in den letzten Jahren zu sehr verzettelt.“
Die neue Struktur geht Hand in Hand mit einer klareren Priorisierung. Ubisoft will sich künftig stärker auf bewährte Formate konzentrieren und Risiken reduzieren. Besonders Open-World-Titel und sogenannte Games-as-a-Service stehen dabei im Fokus.
Mehrere Spiele gestrichen, darunter „Prince of Persia“
Im Zuge der Sparmaßnahmen werden insgesamt sechs Spiele eingestellt, die sich bereits in Entwicklung befanden. Öffentlich bestätigt wurde darunter das Remake von „Prince of Persia: Sands of Time“. Nach Unternehmensangaben passt das Projekt nicht mehr zur neuen strategischen Ausrichtung. Die übrigen fünf Titel wurden nicht namentlich genannt, da sie offenbar noch nicht offiziell angekündigt waren.
Ubisoft setzt künftig vor allem auf:
- große Open-World-Spiele im Stil von „Assassin’s Creed“
- langlebige Mehrspieler-Titel mit kontinuierlichen Einnahmen
- etablierte Marken mit hoher Wiedererkennbarkeit
Diese Fokussierung soll für planbarere Umsätze sorgen und Fehlinvestitionen vermeiden. In der Vergangenheit hatte Ubisoft mehrere kostspielige Flops zu verkraften, die das Vertrauen von Investoren belasteten.
Stellenabbau und Einschnitte für die Belegschaft
Mit dem Sparkurs sind auch weitere Stellenstreichungen verbunden. Erst kürzlich wurden Mitarbeiter bei Massive Entertainment entlassen. Das Unternehmen hat keine konkreten Zahlen genannt, doch Beobachter rechnen mit weiteren Einschnitten. Besonders betroffen könnten Studios sein, deren Projekte eingestellt wurden.

Ein Entwickler aus der Branche sagt anonym:
„Die Stimmung ist angespannt. Viele verstehen die wirtschaftliche Notwendigkeit, aber die Unsicherheit ist enorm.“
In Deutschland beschäftigt Ubisoft rund 800 Personen. Welche Auswirkungen die neue Strategie konkret auf die hiesigen Studios haben wird, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass auch sie Teil der globalen Neuausrichtung sind.
Rolle der deutschen Studios und der „Anno“-Reihe
Die bekannte „Anno“-Reihe wird im neuen Modell dem vierten Kreativhaus zugeordnet. Dort sind auch andere etablierte Marken angesiedelt. Für das Mainzer Studio bedeutet das vorerst Planungssicherheit, zumindest was die strategische Einordnung betrifft. Ob es dennoch zu personellen oder strukturellen Anpassungen kommt, bleibt abzuwarten.
Die deutsche Games-Branche blickt mit Sorge, aber auch mit Hoffnung auf die Entwicklung. Einerseits zeigt der Sparkurs, wie angespannt die Lage selbst bei großen Publishern ist. Andererseits könnte eine erfolgreiche Sanierung langfristig Stabilität bringen.
Finanzmärkte reagieren deutlich
Die Ankündigung der Sparmaßnahmen blieb an der Börse nicht ohne Folgen. Die Ubisoft-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Pläne rund acht Prozent an Wert. Auf Jahressicht liegt das Papier sogar mehr als 50 Prozent im Minus. Das unterstreicht, wie kritisch Investoren die Lage des Unternehmens einschätzen.
Unterstützung erhält Ubisoft unter anderem durch Investitionen von Tencent. Diese Beteiligung gilt als wichtiger Stabilitätsfaktor, ersetzt jedoch keine nachhaltige operative Erholung. Der Druck, Ergebnisse zu liefern, bleibt hoch.
Überblick: Zentrale Punkte des Ubisoft-Sparkurses
| Bereich | Maßnahme |
|---|---|
| Kosten | Einsparungen von weiteren 200 Mio. Euro |
| Projekte | Sechs Spiele eingestellt |
| Struktur | Einführung von fünf Kreativhäusern |
| Fokus | Open-World und Games-as-a-Service |
| Personal | Weitere Stellenstreichungen möglich |
Großer Reset mit ungewissem Ausgang
Ubisoft-Chef Yves Guillemot spricht von einem Wendepunkt für das Unternehmen. Die Neuausrichtung werde kurzfristig spürbare Auswirkungen auf die finanzielle Entwicklung haben, insbesondere in den Geschäftsjahren 2026 und 2027. Langfristig soll der Konzern jedoch gestärkt aus dem Umbau hervorgehen. Ob dieser Plan aufgeht, hängt davon ab, ob Ubisoft verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann.
Für die Spieleindustrie insgesamt ist der Schritt ein weiteres Signal dafür, wie schwierig das Marktumfeld geworden ist. Steigende Entwicklungskosten, hohe Erwartungen der Spieler und wirtschaftlicher Druck zwingen selbst große Publisher zu harten Entscheidungen. Ubisoft setzt nun alles auf eine Karte, um wieder in die Erfolgsspur zu finden.