Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert

Der Spielwarenhändler Rofu Kinderland steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft wurde Insolvenz beantragt.

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Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert

Der deutsche Spielwarenhändler Rofu Kinderland hat Insolvenz angemeldet und steht vor einer umfassenden Sanierung. Das Unternehmen teilte mit, dass das Verfahren in Eigenverwaltung durchgeführt werden soll. Damit bleibt die bisherige Geschäftsführung zunächst im Amt und wird von externen Restrukturierungsexperten begleitet. Ziel ist es, den laufenden Betrieb zu stabilisieren und das Unternehmen langfristig neu aufzustellen. Betroffen sind rund 2.000 Beschäftigte sowie mehr als 100 Filialen in sieben Bundesländern, die monrose.de berichtet mit sueddeutsche.de.

Nach Angaben des Unternehmens sollen sowohl die stationären Geschäfte als auch der Online-Handel zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für einen Zeitraum von drei Monaten über das Insolvenzgeld abgesichert. Das zuständige Amtsgericht hat das vorläufige Insolvenzverfahren bereits angeordnet. Für Kunden soll sich im Alltag vorerst wenig ändern.

Warum Rofu Kinderland in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist

Als zentraler Auslöser der finanziellen Schieflage gilt ein schwaches Weihnachtsgeschäft. Gerade die Monate vor den Feiertagen sind für Spielwarenhändler traditionell entscheidend. Bei Rofu Kinderland blieben die Umsätze jedoch hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt eine anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die angesichts steigender Lebenshaltungskosten weniger Geld für nicht zwingend notwendige Produkte ausgeben.

Ein weiterer Belastungsfaktor sind die gestiegenen Kosten in nahezu allen Bereichen. Energie, Mieten, Logistik und Personal schlagen deutlich stärker zu Buche als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig ist der Wettbewerb im Spielwarenmarkt intensiver geworden. Besonders der Online-Handel setzt klassische Filialisten unter Druck, da Preise und Lieferzeiten für viele Kunden attraktiver erscheinen.

Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert
Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert

Ein Branchenexperte ordnet die Lage so ein:

„Der Spielwarenhandel leidet seit Jahren unter strukturellen Veränderungen. Wer kein klar differenziertes Konzept hat, gerät schnell unter Druck.“

Insolvenz in Eigenverwaltung: Was das Verfahren bedeutet

Rofu Kinderland hat sich bewusst für eine Insolvenz in Eigenverwaltung entschieden. Dieses Verfahren soll es ermöglichen, schneller und flexibler auf die Krise zu reagieren. Die operative Verantwortung bleibt dabei zunächst bei der bisherigen Unternehmensführung. Unterstützt wird sie von Sanierungsberatern, die den Restrukturierungsprozess steuern.

Nach Unternehmensangaben wird parallel weiter nach einem Investor gesucht. Dieser Prozess habe bereits begonnen und solle trotz des Insolvenzantrags fortgesetzt werden. Ein neuer Kapitalgeber gilt als entscheidend, um die Marke langfristig zu sichern und das Geschäftsmodell anzupassen. Ziel ist es, das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig aufzustellen.

Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert
Spielwarenkette Rofu Kinderland meldet Insolvenz an: Ursachen und was jetzt passiert

Der Sanierungsgeschäftsführer Marcus Katholing von der Restrukturierungsgesellschaft Pluta Management GmbH erklärte, man arbeite intensiv an einer tragfähigen Zukunftslösung. Der Fokus liege auf einer nachhaltigen Struktur, die den veränderten Marktbedingungen Rechnung trage. Auch Gespräche mit potenziellen Investoren laufen weiter.

Auswirkungen auf Filialen, Mitarbeiter und Kunden

Für die Beschäftigten gibt es zunächst eine gewisse Sicherheit. Die Löhne sind für drei Monate abgesichert, und Entlassungen wurden nicht angekündigt. Dennoch bleibt die Unsicherheit groß, da der weitere Verlauf des Sanierungsprozesses offen ist. Viele Mitarbeiter hoffen, dass ein Investor gefunden wird, der möglichst viele Arbeitsplätze erhält.

Auch für Kunden sollen die Auswirkungen zunächst begrenzt bleiben. Die Filialen bleiben geöffnet, und das Online-Geschäft wird fortgeführt. Gutscheine und laufende Aktionen sollen nach aktuellem Stand weiter gelten. Ob es im Zuge der Sanierung zu Filialschließungen kommt, ist bislang nicht bekannt.

Ein langjähriger Kunde äußert sich zurückhaltend optimistisch:

„Rofu war für viele Familien eine feste Adresse. Es wäre schade, wenn diese Läden aus den Innenstädten verschwinden.“

Ein traditionsreicher Händler unter Druck

Rofu Kinderland blickt auf eine mehr als 40-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Der Firmensitz befindet sich in Hoppstädten-Weiersbach in Rheinland-Pfalz, nahe der Grenze zum Saarland. Das Sortiment umfasst Spielwaren bekannter Marken ebenso wie preisgünstige Eigenmarken. Dazu zählen unter anderem Puzzles, Gesellschaftsspiele, Schulhefte und Kinderbücher.

Schon seit einiger Zeit kämpft das Unternehmen mit rückläufigen Umsätzen. Bereits im Dezember hatte Rofu Kinderland eine strategische Neuausrichtung angekündigt und die Geschäftsführung neu organisiert. Die Insolvenz ist nun der nächste Schritt, um diese Veränderungen unter dem Schutz des Verfahrens umzusetzen.

Überblick: Gründe für die Insolvenz von Rofu Kinderland

Mehrere Faktoren haben zur aktuellen Lage beigetragen. In Kombination haben sie das Geschäftsmodell zunehmend unter Druck gesetzt. Besonders problematisch ist, dass viele dieser Faktoren langfristiger Natur sind und nicht kurzfristig verschwinden werden.

Zu den wichtigsten Ursachen zählen:

  • schwaches Weihnachtsgeschäft
  • anhaltende Konsumzurückhaltung der Verbraucher
  • gestiegene Betriebs- und Personalkosten
  • intensiver Wettbewerb durch Online-Anbieter
  • strukturelle Veränderungen im Einzelhandel

Tabelle: Aktuelle Situation bei Rofu Kinderland

AspektStand nach Insolvenzantrag
VerfahrenInsolvenz in Eigenverwaltung
Mitarbeiterrund 2.000 Beschäftigte
Filialenüber 100 in sieben Bundesländern
Löhnefür drei Monate gesichert
ZielInvestor finden und Unternehmen sanieren

Wie es für Rofu Kinderland weitergehen könnte

Der weitere Verlauf hängt maßgeblich davon ab, ob ein geeigneter Investor gefunden wird. Dieser müsste bereit sein, in ein anspruchsvolles Marktumfeld zu investieren und das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Denkbar sind stärkere digitale Angebote, ein gestrafftes Filialnetz oder neue Sortimentsstrategien. Gleichzeitig bleibt der stationäre Handel für viele Kunden wichtig, insbesondere im Bereich Spielwaren.

Für die Branche insgesamt ist der Fall Rofu Kinderland ein weiteres Warnsignal. Er zeigt, wie stark sich das Konsumverhalten verändert hat und wie schwierig es für mittelgroße Handelsketten geworden ist, Schritt zu halten. Ob Rofu Kinderland den Turnaround schafft, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Klar ist jedoch: Die Insolvenz markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Unternehmens.