Secunet erweitert sein Angebot für sichere Cloud-Dienste um zwei Partnerschaften, die unterschiedliche Anforderungen regulierter Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen abdecken. Mit Fides Sovereign Governance steht eine in Deutschland gehostete Plattform für vertrauliche Unternehmensunterlagen bereit. Gemeinsam mit ServiceNow plant der IT-Sicherheitsanbieter außerdem eine souveräne Umgebung für KI-gestützte Arbeitsabläufe, die im Laufe des Jahres 2027 verfügbar werden soll, die monrose.de berichtet mit it-business.de.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Organisationen moderne Cloud- und KI-Technologien nutzen können, ohne die Kontrolle über sensible Daten und kritische Prozesse aus der Hand zu geben. Die beiden Kooperationen setzen an unterschiedlichen Stellen an: Fides konzentriert sich auf Corporate Governance, während ServiceNow die Automatisierung komplexer Abläufe in Behörden, Streitkräften und kritischen Infrastrukturen unterstützen soll.
Secunet baut Cloud-Angebote für sensible Daten aus
Der deutsche IT-Sicherheitsanbieter Secunet Sovereign Cloud richtet sich mit den neuen Angeboten an Organisationen, die hohe Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und regulatorische Kontrolle erfüllen müssen. Dazu zählen Unternehmen mit vertraulichen Aufsichtsratsunterlagen ebenso wie öffentliche Stellen und Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Die beiden Partnerschaften verfolgen dabei unterschiedliche technische und organisatorische Ansätze. Fides kombiniert seine Governance-Software mit der Infrastruktur der Secunet Cloud. Die Kooperation mit ServiceNow sieht dagegen vor, die ServiceNow AI Platform in deutschen Rechenzentren von Secunet zu betreiben und passende Dienstleistungen für regulierte Kunden anzubieten.
Gemeinsam ist beiden Vorhaben der Anspruch, digitale Anwendungen innerhalb eines kontrollierten Betriebsumfelds bereitzustellen. Der Standort Deutschland ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Konzepts, allerdings nicht das einzige Kriterium für digitale Souveränität. Ebenso relevant sind Zugriffsrechte, technische Abhängigkeiten, Vertragsbedingungen und die tatsächliche Kontrolle über Daten und Systeme.
Digitale Souveränität bedeutet nicht, auf moderne Cloud-Technologie verzichten zu müssen. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt wird. Gerade bei vertraulichen Informationen kann die Kontrolle über Betrieb, Zugriffe und Datenverarbeitung den Ausschlag geben.
Fides Sovereign Governance digitalisiert vertrauliche Unternehmensprozesse
Mit Fides Sovereign Governance erweitert Secunet sein Portfolio um eine Plattform für die digitale Verwaltung vertraulicher Governance-Daten. Die Lösung verbindet die Funktionen der Fides-Plattform mit der Infrastruktur der Secunet Cloud und richtet sich an Rechtsabteilungen, Aufsichtsräte, Compliance-Teams sowie Finanzbereiche.
In diesen Abteilungen entstehen Dokumente, deren Inhalt nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sein sollte. Dazu gehören beispielsweise Protokolle von Aufsichtsratssitzungen, Gesellschafterbeschlüsse und weitere Unterlagen zur Unternehmensführung.
Die Plattform bündelt mehrere Funktionen, die solche Prozesse digital unterstützen sollen. Dazu zählen das Entity Management, ein Board Portal, die Verwaltung von Beschlüssen und Dokumenten sowie der Fides AI Assistant.
Damit sollen Unternehmen vertrauliche Informationen strukturiert verwalten und wiederkehrende Abläufe innerhalb einer gemeinsamen Anwendung organisieren können. Die Kombination aus Governance-Software und deutscher Hosting-Infrastruktur soll insbesondere Organisationen ansprechen, die sensible Unterlagen nicht ohne Weiteres über bestehende internationale Cloud-Angebote verarbeiten möchten.
Welche Funktionen die Governance-Plattform bietet
Das Angebot deckt mehrere Bereiche der digitalen Unternehmensführung ab:
- Entity Management: Verwaltung von Gesellschaften und zugehörigen Informationen.
- Board Portal: Bereitstellung und Organisation von Unterlagen für Gremien.
- Beschlussverwaltung: Digitale Dokumentation und Verwaltung von Entscheidungen.
- Dokumentenmanagement: Strukturierte Ablage und Bearbeitung vertraulicher Dateien.
- Fides AI Assistant: KI-gestützte Unterstützung innerhalb der Plattform.
Die einzelnen Funktionen sollen unterschiedliche Arbeitsschritte zusammenführen, die in Unternehmen häufig über mehrere Systeme und Kommunikationswege verteilt sind. Gerade bei Sitzungsunterlagen und Beschlüssen können einheitliche Abläufe dabei helfen, Dokumente nachvollziehbar zu organisieren und den Zugang auf berechtigte Personen zu beschränken.
Welche konkreten KI-Funktionen der Fides AI Assistant im jeweiligen Einsatzumfeld übernehmen kann, hängt von der bereitgestellten Funktionalität und den vereinbarten Nutzungsbedingungen ab. Aus der bloßen Integration eines KI-Assistenten lässt sich nicht ableiten, dass sämtliche Governance-Aufgaben automatisiert werden.
Giesecke+Devrient wird erster Referenzkunde
Als ersten Referenzkunden für Fides Sovereign Governance nennt Secunet Giesecke+Devrient. Das Unternehmen führt die Lösung ein und ersetzt damit eine zuvor verwendete Plattform eines US-amerikanischen Anbieters.
Der Wechsel ist vor allem im Zusammenhang mit der Verwaltung vertraulicher Unternehmensinformationen relevant. Bei digitalen Gremienprozessen geht es nicht nur um die Verfügbarkeit von Dokumenten, sondern auch darum, wer auf sie zugreifen kann, wo sie verarbeitet werden und welche technischen sowie vertraglichen Abhängigkeiten entstehen.
Lisa Gradow, CEO von Fides, begründet die Kooperation mit dem hohen Schutzbedarf solcher Informationen. Sie verweist darauf, dass Board-Unterlagen und Beschlüsse zu den vertraulichsten Dokumenten eines Unternehmens gehören und bislang häufig auf Servern US-amerikanischer Anbieter verarbeitet worden seien.
„Mit Fides Sovereign Governance entfällt diese Notwendigkeit“, erklärt Lisa Gradow mit Blick auf die Abhängigkeit von solchen Hosting-Angeboten.
Die Aussage beschreibt das Ziel der Partnerschaft aus Sicht von Fides. Für Unternehmen bleibt bei der Bewertung einer solchen Lösung entscheidend, wie Datenzugriffe, administrative Berechtigungen, Verschlüsselung, Auftragsverarbeitung und weitere Sicherheitsanforderungen konkret geregelt sind.
Die Plattform wird als Software-as-a-Service angeboten. Kunden schließen den Vertrag direkt mit Fides ab und benötigen laut Unternehmensbeschreibung weder eine eigene Infrastruktur noch einen separaten Hosting-Vertrag.
ServiceNow AI Platform soll 2027 in deutscher Partner Cloud starten
Parallel zur Governance-Lösung baut Secunet seine Zusammenarbeit mit ServiceNow aus. Der IT-Sicherheitsanbieter soll als autorisierter Sovereign Partner Cloud Provider die ServiceNow AI Platform in deutschen Rechenzentren betreiben und ergänzende Dienstleistungen bereitstellen.

Das Angebot richtet sich an Organisationen, die bislang getrennte Prozesse zusammenführen und stärker automatisieren möchten. Dazu gehören Behörden, Streitkräfte, Betreiber kritischer Infrastrukturen und weitere Einrichtungen mit besonderen Sicherheitsanforderungen.
Der geplante Betrieb in einer deutschen Partner-Cloud soll es ermöglichen, KI-gestützte Arbeitsabläufe innerhalb einer kontrollierten Umgebung zu nutzen. Die Verfügbarkeit ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Ein genauer Starttermin wurde in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
ServiceNow stellt die Automatisierung von Arbeitsabläufen in den Mittelpunkt seiner Plattform. In großen Organisationen können Anfragen, Freigaben und operative Aufgaben über mehrere Abteilungen verteilt sein. Eine gemeinsame Plattform kann solche Abläufe miteinander verbinden und einzelne Schritte automatisiert anstoßen.
Robert Rosellen, Vice President Sales und Country Manager Deutschland bei ServiceNow, beschreibt die Kooperation als Möglichkeit, die Plattform in eine souveräne, in Deutschland betriebene Cloud-Umgebung zu integrieren. Organisationen sollen dadurch kritische Prozesse automatisieren können, ohne auf die von ihnen verlangten rechtlichen Rahmenbedingungen und Kontrollmechanismen verzichten zu müssen.
Auch Informationen mit VS-NfD-Einstufung stehen im Fokus
Ein besonderes Einsatzfeld sind Informationen mit der Einstufung VS-NfD. Die Abkürzung steht für „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ und bezeichnet Informationen, die nach den dafür geltenden Regeln geschützt werden müssen.
Die geplante ServiceNow-Umgebung soll auch für die Verarbeitung solcher Informationen entwickelt werden. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass jede Funktion der Plattform bereits zum geplanten Start für sämtliche VS-NfD-Daten freigegeben ist. Maßgeblich bleiben die einschlägigen Sicherheitsanforderungen, die konkrete Systemkonfiguration und die erforderlichen Zulassungen beziehungsweise Freigaben.
Für Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen ist diese Unterscheidung besonders relevant. Sie benötigen nicht allein einen Serverstandort in Deutschland, sondern ein Betriebsmodell, das den jeweiligen Schutzbedarf und die internen Sicherheitsvorgaben erfüllt.
Die geplante Lösung soll deshalb mehr bieten als gewöhnliches Cloud-Hosting. Entscheidend ist, ob sich die Plattform in die organisatorischen Prozesse der Kunden integrieren lässt und zugleich die erforderlichen Kontrollmechanismen für besonders schützenswerte Informationen bereitstellt.
Fides und ServiceNow decken unterschiedliche Anwendungsfälle ab
Obwohl beide Partnerschaften zur souveränen Cloud-Strategie von Secunet gehören, erfüllen sie unterschiedliche Aufgaben. Fides konzentriert sich auf die Verwaltung vertraulicher Governance-Daten. ServiceNow soll dagegen komplexe Arbeitsabläufe automatisieren und verschiedene Prozesse innerhalb einer Organisation miteinander verbinden.
| Merkmal | Fides Sovereign Governance | ServiceNow AI Platform |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Corporate Governance und vertrauliche Dokumente | KI-gestützte Workflows |
| Zielgruppen | Rechtsabteilungen, Aufsichtsräte, Compliance und Finanzen | Behörden, Streitkräfte, KRITIS und regulierte Organisationen |
| Technische Grundlage | Fides-Plattform auf Secunet-Cloud-Infrastruktur | Geplanter Betrieb in einer deutschen Secunet-Partner-Cloud |
| Verfügbarkeit | Als SaaS-Angebot bereitgestellt | Geplant für 2027 |
| Zentrale Aufgabe | Dokumente, Beschlüsse und Gremienprozesse verwalten | Abläufe verbinden und automatisieren |
Die Aufteilung zeigt, dass Secunet nicht nur eine weitere allgemeine Cloud-Umgebung anbieten will. Das Unternehmen ergänzt sein Portfolio um Anwendungen für klar definierte Einsatzbereiche, in denen Vertraulichkeit, Nachvollziehbarkeit und betriebliche Kontrolle einen hohen Stellenwert haben.
Für potenzielle Kunden ist dabei wichtig, die Anforderungen vor einer Einführung genau zu bestimmen. Eine Plattform für vertrauliche Sitzungsunterlagen stellt andere Anforderungen als ein System, das zahlreiche operative Abläufe über Abteilungsgrenzen hinweg automatisiert.
Digitale Souveränität hängt nicht allein vom Serverstandort ab
Die neuen Kooperationen fallen in eine Zeit, in der europäische Unternehmen und Behörden verstärkt nach Alternativen für sensible Cloud-Anwendungen suchen. Internationale Anbieter stellen leistungsfähige Plattformen bereit, doch bei besonders schützenswerten Daten können Fragen zu Zuständigkeiten, Zugriffsmöglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen eine größere Rolle spielen.
Eine in Deutschland betriebene Cloud kann die Kontrolle über bestimmte Aspekte der Datenverarbeitung erleichtern. Der Standort allein garantiert jedoch keine vollständige digitale Souveränität. Auch die Eigentumsverhältnisse des Anbieters, eingesetzte Unterauftragnehmer, administrative Zugriffsrechte, Softwareabhängigkeiten und vertragliche Verpflichtungen müssen berücksichtigt werden.
Secunet versucht mit den beiden Partnerschaften, diese Anforderungen mit etablierten Unternehmensplattformen zu verbinden. Kunden sollen Governance-Anwendungen und KI-gestützte Workflows nutzen können, ohne dafür zwingend eine vollständig eigene technische Infrastruktur aufzubauen.
Marc-Julian Siewert, CEO von Secunet, beschreibt digitale Souveränität als die Möglichkeit, moderne Technologie unter eigener Kontrolle einzusetzen. Die Kooperation mit ServiceNow soll nach seinen Angaben insbesondere Behörden und Unternehmen den Zugang zu automatisierten KI-Workflows in einer souveränen Umgebung eröffnen.
„Digitale Souveränität bedeutet, moderne Technologie unter eigener Kontrolle einsetzen zu können“, sagt Marc-Julian Siewert.
Wie weit diese Kontrolle im konkreten Betrieb reicht, lässt sich nur anhand der jeweiligen technischen und vertraglichen Ausgestaltung beurteilen. Für Organisationen mit hohen Sicherheitsanforderungen bleibt daher eine genaue Prüfung der angebotenen Dienste notwendig.
Was die Partnerschaften für den Cloud-Markt bedeuten
Die Kooperationen zeigen einen Ansatz, bei dem europäische Sicherheitsinfrastruktur mit Software internationaler Technologieanbieter kombiniert wird. Statt sämtliche Anwendungen selbst zu entwickeln, setzt Secunet auf Partnerschaften, um spezialisierte Dienste in einem kontrollierten Betriebsumfeld anzubieten.
Für Fides entsteht dadurch eine Hosting-Grundlage, die gezielt auf vertrauliche Governance-Prozesse ausgerichtet ist. ServiceNow wiederum erhält einen Partner für den geplanten Betrieb seiner KI-Plattform in einer deutschen Cloud-Umgebung für regulierte Kunden.
Ob daraus ein breiteres Wachstum im Markt für souveräne Cloud-Dienste entsteht, hängt von der Nachfrage, der technischen Umsetzung und der Erfüllung branchenspezifischer Anforderungen ab. Gerade im öffentlichen Sektor und bei kritischen Infrastrukturen können Beschaffungsprozesse und Sicherheitsprüfungen längere Vorlaufzeiten erfordern.
Für Secunet ist die Erweiterung dennoch ein Schritt zur stärkeren Positionierung als Anbieter sicherheitsorientierter Cloud-Dienste. Mit Fides ist eine Lösung für vertrauliche Unternehmensführung verfügbar, während die ServiceNow-Partnerschaft den Ausbau KI-gestützter Workflows für 2027 vorbereitet. Entscheidend wird sein, ob beide Angebote ihre Versprechen bei Datenkontrolle, Integration und Sicherheit im konkreten Einsatz erfüllen.