Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt

Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen nicht automatisch das Darmkrebsrisiko. Eine US-Studie mit mehr als 461.000 Erwachsenen zeigt deutliche Unterschiede zwischen Fleischprodukten, Vollkorn und Milchprodukten. Verarbeitetes Fleisch bleibt ein bekannter Risikofaktor.

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Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt

Eine US-amerikanische Langzeitstudie mit 461.682 Erwachsenen liefert neue Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und Darmkrebs. Die im Oktober 2026 veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die insgesamt verzehrte Menge dieser Produkte nicht mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden war. Bei einzelnen Lebensmittelgruppen traten jedoch deutliche Unterschiede auf: Verarbeitetes Fleisch schnitt ungünstig ab, während hochverarbeitete Vollkorn- und Milchprodukte mit einem niedrigeren Risiko einhergingen, die monrose.de berichtet mit news.at.

Die Ergebnisse stellen die verbreitete Vorstellung infrage, dass sämtliche industriell hergestellten Lebensmittel gesundheitlich gleich zu bewerten seien. Entscheidend könnte vielmehr sein, welche Produkte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen und welche Nährstoffe sie liefern. Eine Entwarnung für Wurst, Schinken oder Speck lässt sich aus der Untersuchung allerdings nicht ableiten.

Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen das Darmkrebsrisiko nicht pauschal

Fertiggerichte, abgepackte Snacks, industriell hergestellte Backwaren und zahlreiche Frühstücksprodukte gehören zu den Lebensmitteln, die häufig als hochverarbeitet eingestuft werden. In der Ernährungsforschung wird dafür oft die NOVA-Klassifikation verwendet, die Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in verschiedene Gruppen einteilt.

Die neue Untersuchung zeigt, dass eine hohe Gesamtaufnahme solcher Produkte nicht automatisch mit einer höheren Darmkrebsrate verbunden sein muss. Die Forschenden verglichen Personen mit besonders hohem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel mit Menschen, die davon am wenigsten aßen. Dabei ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied beim Auftreten von Darmkrebs.

Das bedeutet nicht, dass hochverarbeitete Lebensmittel grundsätzlich gesund sind. Es bedeutet auch nicht, dass ihre Zusammensetzung für die Gesundheit keine Rolle spielt. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass der Verarbeitungsgrad allein das Darmkrebsrisiko nicht ausreichend erklärt.

Die Studienleiterin Erikka Loftfield fasste den zentralen Befund folgendermaßen zusammen:

„Wir haben keinen Zusammenhang zwischen dem Gesamtkonsum hochverarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten von Darmkrebs beobachtet.“

Damit rückt die Zusammensetzung der Ernährung stärker in den Mittelpunkt. Ein Lebensmittel kann industriell verarbeitet sein und dennoch Ballaststoffe, Kalzium oder andere ernährungsphysiologisch relevante Bestandteile enthalten. Umgekehrt können Produkte mit hohem Salz- oder Fettgehalt ungünstige Eigenschaften aufweisen, selbst wenn sie nur einen kleinen Teil der täglichen Ernährung ausmachen.

Wie die Studie mit mehr als 461.000 Erwachsenen durchgeführt wurde

Grundlage der Analyse waren Daten aus der US-amerikanischen NIH-AARP Diet and Health Study. Die Teilnehmenden wurden 1995 und 1996 in die Untersuchung aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie zwischen 50 und 71 Jahre alt und machten mithilfe eines Ernährungsfragebogens Angaben zu ihren Essgewohnheiten.

Anschließend begleiteten die Forschenden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Durchschnitt 18,8 Jahre lang. Während dieses Zeitraums wurden 10.075 Darmkrebsfälle erfasst. Die grosse Teilnehmerzahl und die lange Beobachtungsdauer ermöglichten es, Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmittelgruppen und dem Erkrankungsrisiko genauer zu untersuchen.

Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt
Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt

Für den zentralen Vergleich teilte das Forschungsteam die Teilnehmenden in fünf Gruppen ein. Die Gruppe mit dem höchsten Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel wurde der Gruppe mit dem niedrigsten Konsum gegenübergestellt.

Das Ergebnis fiel überraschend aus: Das Darmkrebsrisiko unterschied sich zwischen beiden Gruppen praktisch nicht. Der berechnete Wert lag bei den Personen mit höherem Konsum sogar geringfügig niedriger, doch der Unterschied war statistisch nicht aussagekräftig.

Die Analyse wurde in der Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht. Zu den wissenschaftlichen Einordnungen gehört allerdings auch, dass eine Beobachtungsstudie zwar statistische Zusammenhänge erkennen kann, aber keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweist.

Verarbeitetes Fleisch bleibt ein wichtiger Risikofaktor

Anders als beim Gesamtkonsum zeigte sich bei einzelnen Lebensmittelgruppen ein differenziertes Bild. Besonders verarbeitetes Fleisch fiel in der Analyse negativ auf. Dazu gehören unter anderem Wurst, Schinken und Speck, die durch Verfahren wie Pökeln, Räuchern oder andere Konservierungsmethoden haltbar gemacht werden.

Nach den Studienergebnissen ging eine zusätzliche tägliche Portion Fleisch aus hochverarbeiteten Produkten mit einem um rund acht Prozent höheren Darmkrebsrisiko einher. Der Befund passt zu früheren wissenschaftlichen Bewertungen, die verarbeitetes Fleisch bereits seit Jahren als Risikofaktor für Darmkrebs einstufen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, ordnete verarbeitetes Fleisch 2015 als krebserregend für den Menschen ein. Diese Einstufung beruht auf der wissenschaftlichen Bewertung der verfügbaren Belege für einen Zusammenhang mit Krebs, insbesondere Darmkrebs.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Die Einstufung beschreibt, wie überzeugend die Hinweise auf eine krebserregende Wirkung sind. Sie bedeutet nicht, dass eine Portion Wurst dasselbe individuelle Risiko verursacht wie eine andere krebserregende Substanz. Für das persönliche Erkrankungsrisiko spielen unter anderem die verzehrte Menge, die Häufigkeit und weitere Lebensstilfaktoren eine Rolle.

Auch innerhalb der aktuellen Studie stammten rund drei Viertel des konsumierten verarbeiteten Fleisches aus hochverarbeiteten Produkten. Das unterstreicht, weshalb diese Lebensmittelgruppe bei der Bewertung der Ergebnisse besonders relevant ist.

Vollkorn und Milchprodukte zeigen einen anderen Zusammenhang

Während verarbeitetes Fleisch mit einem höheren Risiko verbunden war, ergab die Analyse für zwei andere Lebensmittelgruppen günstigere Werte. Hochverarbeitete Vollkornprodukte gingen mit einem niedrigeren Darmkrebsrisiko einher. Auch bei entsprechenden Milchprodukten beobachteten die Forschenden einen solchen Zusammenhang.

Die berechneten Unterschiede pro zusätzlicher täglicher Portion lagen bei rund 13 Prozent für hochverarbeitete Vollkornprodukte und rund 25 Prozent für hochverarbeitete Milchprodukte. Diese Zahlen beschreiben statistische Zusammenhänge innerhalb der untersuchten Gruppe. Sie sind nicht als garantierte Risikosenkung durch den Verzehr eines bestimmten Produkts zu verstehen.

LebensmittelgruppeBeobachteter Zusammenhang mit dem Darmkrebsrisiko
Hochverarbeitete FleischprodukteRund 8 Prozent höheres Risiko pro zusätzlicher täglicher Portion
Hochverarbeitete VollkornprodukteRund 13 Prozent niedrigeres Risiko pro zusätzlicher täglicher Portion
Hochverarbeitete MilchprodukteRund 25 Prozent niedrigeres Risiko pro zusätzlicher täglicher Portion
Hochverarbeitete Lebensmittel insgesamtKein statistisch signifikanter Zusammenhang

Die Ergebnisse werfen eine wichtige Frage zur Bewertung von Fertigprodukten auf. Nicht jedes industriell hergestellte Lebensmittel enthält dieselben Nährstoffe, und der Begriff hochverarbeitet umfasst Produkte mit sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen.

Vollkornprodukte können beispielsweise Ballaststoffe liefern, die für eine gesunde Verdauung und die Darmfunktion relevant sind. Milchprodukte wiederum enthalten unter anderem Kalzium und Eiweiß. Welche Bestandteile für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sind, lässt sich aus dieser Studie allein nicht abschließend bestimmen.

Die günstigeren Ergebnisse bei Vollkorn und Milchprodukten sind kein Freibrief für beliebige Fertigprodukte. Entscheidend bleibt die konkrete Zusammensetzung. Auch Portionsgrößen und die gesamte Ernährungsweise müssen bei der Bewertung berücksichtigt werden.

Warum sich positive und negative Effekte gegenseitig aufheben könnten

Eine mögliche Erklärung für das fehlende erhöhte Risiko beim Gesamtkonsum liegt in den unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Lebensmittelgruppen. Wenn eine Ernährung sowohl Produkte mit ungünstigen als auch solche mit potenziell günstigen Eigenschaften enthält, kann ein zusammengefasster Wert die Unterschiede verdecken.

Genau dieses Problem zeigt sich bei der Betrachtung hochverarbeiteter Lebensmittel. Wer häufig verarbeitetes Fleisch isst, kann statistisch ein anderes Risikoprofil aufweisen als jemand, dessen Konsum vor allem aus Vollkorn- oder bestimmten Milchprodukten besteht. Eine pauschale Bewertung aller Produkte als einheitliche Gruppe bildet diese Unterschiede nur unzureichend ab.

Zusätzlich untersuchten die Forschenden ein hypothetisches Ernährungsszenario. Wenn rechnerisch zehn Prozent der hochverarbeiteten Lebensmittel durch kaum verarbeitete Produkte ersetzt wurden, war dies mit einem um etwa zwei Prozent niedrigeren Darmkrebsrisiko verbunden.

Dieser Wert beschreibt eine modellierte Veränderung und keinen experimentell nachgewiesenen Effekt. Die Untersuchung zeigt damit nicht, dass eine konkrete Ernährungsumstellung das individuelle Risiko zwingend um zwei Prozent senkt. Sie liefert aber Hinweise darauf, dass die Auswahl der Lebensmittel für die Gesamtbewertung relevant sein könnte.

Für die Ernährungspraxis lassen sich daraus einige allgemeine Orientierungspunkte ableiten:

  • Verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Schinken und Speck möglichst nicht zur täglichen Hauptproteinquelle machen.
  • Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel regelmäßig in die Ernährung integrieren.
  • Bei Fertigprodukten auf Zutaten, Salzgehalt, Ballaststoffe und Nährstoffzusammensetzung achten.
  • Eine abwechslungsreiche Ernährung bevorzugen, statt einzelne Produkte isoliert zu bewerten.

Diese Empfehlungen stehen im Einklang mit etablierten Grundsätzen einer ausgewogenen Ernährung. Sie sind keine Garantie dafür, Darmkrebs zu verhindern, können aber helfen, bekannte ernährungsbezogene Risikofaktoren zu berücksichtigen.

Welche Grenzen die Untersuchung hat

Trotz der großen Teilnehmerzahl sind die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf die gesamte Bevölkerung übertragbar. Die untersuchte Gruppe bestand überwiegend aus älteren weißen Erwachsenen in den USA. Jüngere Menschen und Bevölkerungsgruppen mit anderen Ernährungsgewohnheiten waren entsprechend weniger gut vertreten.

Ein weiterer Punkt betrifft die Erfassung der Ernährung. Die Angaben wurden zu Beginn der Studie mithilfe eines Fragebogens erhoben. Veränderungen der Essgewohnheiten während der anschließenden Beobachtungszeit konnten dadurch nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Gleichzeitig veränderte sich das Angebot hochverarbeiteter Lebensmittel über die fast zwei Jahrzehnte hinweg erheblich.

Auch andere Einflussfaktoren sind zu beachten. Bewegung, Körpergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum, familiäre Vorbelastungen und der allgemeine Gesundheitszustand können mit dem Darmkrebsrisiko zusammenhängen. Statistische Auswertungen können solche Faktoren berücksichtigen, aber nicht sämtliche Unsicherheiten beseitigen.

Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt
Hochverarbeitete Lebensmittel und Darmkrebs:Was eine Studie mit 461.682 Menschen zeigt

Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen einem fehlenden statistischen Zusammenhang und dem Nachweis, dass ein Risiko ausgeschlossen ist. Die Studie liefert keine Grundlage für die Aussage, dass hochverarbeitete Lebensmittel generell unbedenklich seien. Ebenso wenig widerlegt sie die bisherigen Erkenntnisse zu verarbeitetem Fleisch.

Was die Ergebnisse für die Ernährung bedeuten

Die Untersuchung mit 461.682 Erwachsenen liefert ein differenziertes Bild: Die Gesamtmenge hochverarbeiteter Lebensmittel war nicht mit einem statistisch signifikant erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden. Bei verarbeitetem Fleisch zeigte sich dagegen ein ungünstiger Zusammenhang, während Vollkorn- und Milchprodukte mit niedrigeren Risikowerten einhergingen.

Für die Bewertung der Ernährung ist daher nicht allein entscheidend, wie stark ein Produkt industriell verarbeitet wurde. Auch seine Zutaten, sein Nährstoffprofil und die Häufigkeit des Verzehrs spielen eine Rolle. Die bekannten Empfehlungen, verarbeitetes Fleisch zu begrenzen und ballaststoffreiche Lebensmittel zu bevorzugen, bleiben durch die neuen Ergebnisse bestehen.

Die wichtigste Erkenntnis ist die fehlende Gleichförmigkeit innerhalb der Kategorie hochverarbeiteter Lebensmittel. Wurst und Vollkornprodukte lassen sich ernährungswissenschaftlich nicht einfach über einen gemeinsamen Verarbeitungsgrad gleichsetzen. Die Qualität der gesamten Ernährung bleibt deshalb der sinnvollere Maßstab als eine pauschale Einteilung in verarbeitet und unverarbeitet.