Wer sein Geld für mehrere Jahre fest anlegt, kann Ende Oktober 2026 mit deutlich höheren Zinsen rechnen als noch vor wenigen Monaten. Nach einer Auswertung von mehr als 800 Banken und Sparkassen liegt der durchschnittliche Zinssatz für zehnjähriges Festgeld inzwischen bei 3,22 Prozent. Einen vergleichbar hohen Wert gab es zuletzt im Juni 2012, die monrose.de berichtet mit t-online.de.
Auch bei kürzeren Laufzeiten bewegt sich der Markt. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb beim Tagesgeld, wo einige Institute mit zeitlich begrenzten Angeboten von vier Prozent und mehr um neue Einlagen werben. Für Sparer entsteht damit eine Situation, in der sich ein Vergleich der Konditionen wieder stärker auszahlen kann.
Die höchsten Zinssätze bedeuten allerdings nicht automatisch das beste Angebot. Laufzeit, Einlagensicherung und spätere Standardzinsen müssen zusammen betrachtet werden. Besonders bei langfristigem Festgeld ist entscheidend, wie lange das angelegte Kapital tatsächlich entbehrlich bleibt.
Festgeld-Zinsen steigen seit September deutlich
Der Aufwärtstrend hat sich seit Anfang September beschleunigt. Nach den vorliegenden Daten stieg der durchschnittliche Zinssatz für eine zweijährige Festgeldanlage innerhalb weniger Wochen um 0,21 Prozentpunkte und erreicht nun 2,76 Prozent.
Noch stärker fiel die Bewegung bei zehnjährigen Anlagen aus. Hier erhöhte sich der Durchschnitt von 2,97 auf 3,22 Prozent. Das entspricht einem Plus von 0,25 Prozentpunkten.

Damit gewinnt Festgeld in Deutschland für Sparer wieder an Bedeutung, die einen Teil ihres Vermögens langfristig und mit kalkulierbarem Zinsertrag anlegen möchten. Im Gegensatz zu Tagesgeld steht der Zinssatz beim klassischen Festgeld während der vereinbarten Laufzeit fest. Steigen die Marktzinsen später weiter, profitiert der bestehende Vertrag davon allerdings nicht.
Bei langen Laufzeiten wird der Zeitpunkt des Abschlusses deshalb wichtiger als bei flexibel verfügbarem Tagesgeld.
Bis zu 4,25 Prozent bei langfristigem Festgeld
Zwischen Durchschnittszins und Spitzenangeboten besteht weiterhin ein deutlicher Abstand. Unter deutschen Anbietern zahlt die Badenia Bausparkasse den vorliegenden Angaben zufolge bis zu 3,96 Prozent. Banken aus anderen europäischen Ländern bieten teilweise noch mehr.
An der Spitze werden bis zu 4,25 Prozent Festgeld-Zinsen genannt. Ein Beispiel ist die niederländische Achmea Bank. Für Anleger kann ein solcher Zinssatz interessant sein, gleichzeitig sollte bei Angeboten aus dem europäischen Ausland genau geprüft werden, welche nationale Einlagensicherung für das Konto gilt.
Verivox-Chef Oliver Maier warnt vor einer zu einfachen Betrachtung hoher Langfristzinsen: „Zehnjährige Festgelder sind nicht für jeden geeignet, denn während der gesamten Laufzeit können Anleger nicht auf ihr Erspartes zugreifen.“
Gerade zehn Jahre sind für private Haushalte ein langer Zeitraum. Geld, das möglicherweise für eine Immobilie, größere Reparaturen, Ausbildungskosten oder andere planbare Ausgaben benötigt wird, sollte deshalb nicht vollständig langfristig gebunden werden.
Für langfristiges Festgeld eignen sich vor allem Beträge, bei denen ein vorzeitiger Zugriff mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nötig wird.
Zinseszins kann bei langen Laufzeiten einen Unterschied machen
Neben dem nominalen Zinssatz spielt die Art der Zinszahlung eine Rolle. Manche Institute zahlen die Zinsen jährlich auf ein separates Konto aus. Andere schreiben sie dem Festgeldkonto gut und verzinsen das wachsende Guthaben weiter.
Bei langen Laufzeiten kann der zweite Fall einen spürbaren Unterschied ausmachen. Der sogenannte Zinseszinseffekt wird stärker, je länger das Kapital inklusive der bereits erhaltenen Zinsen weiterarbeitet.
Ein vereinfachter Vergleich zeigt, welche Punkte Sparer neben dem beworbenen Zinssatz prüfen sollten:
| Merkmal | Festgeld | Tagesgeld |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | während der Laufzeit meist eingeschränkt | in der Regel täglich verfügbar |
| Zinssatz | für die Laufzeit fest | kann jederzeit geändert werden |
| Aktuelle Spitzenwerte laut Angaben | bis 4,25 Prozent | Aktionsangebote bis 4,5 Prozent |
| Geeignet für | planbare, länger nicht benötigte Rücklagen | Notgroschen und flexible Rücklagen |
| Zinseszinseffekt | je nach Bank möglich | abhängig von Zinsgutschrift und Konditionen |
Für die tatsächliche Rendite ist außerdem entscheidend, ob der Zinssatz für die komplette Laufzeit gilt oder nur für einen begrenzten Aktionszeitraum.
Warum Banken ihre Festgeldzinsen erhöhen
Hinter der Entwicklung stehen mehrere Faktoren. Laut den vorliegenden Marktdaten wirken sich sowohl höhere Leitzinsen als auch gestiegene Renditen am Anleihemarkt auf die Konditionen der Banken aus.
Wenn sich Institute am Kapitalmarkt zu höheren Kosten refinanzieren müssen, werden Kundeneinlagen als Finanzierungsquelle attraktiver. Banken können dann versucht sein, zusätzliche Spargelder einzusammeln und dafür bessere Konditionen anzubieten.
Davon profitieren Kunden vor allem dort, wo mehrere Anbieter direkt miteinander konkurrieren.
Für Sparer sind derzeit besonders diese Punkte relevant:
- längere Festgeldlaufzeiten erreichen wieder Zinsen von mehr als drei Prozent;
- bei einzelnen europäischen Banken sind mehr als vier Prozent möglich;
- auch ein- und zweijährige Laufzeiten werden besser verzinst;
- Aktionsangebote beim Tagesgeld nehmen deutlich zu;
- Bestandskunden erhalten häufig weiterhin weniger als Neukunden;
- zeitlich befristete Sonderzinsen sollten nicht mit dem dauerhaften Standardzins verwechselt werden.
Die Suche nach den besten Festgeldzinsen sollte deshalb nicht nur auf die höchste Zahl in einer Vergleichstabelle reduziert werden. Laufzeit, Zinsgutschrift, Einlagensicherung und Verfügbarkeit des Geldes können den praktischen Nutzen eines Angebots stärker beeinflussen als einige Zehntelprozentpunkte Unterschied.
Bigbank bietet 3,60 Prozent für zwölf Monate
Bewegung gibt es auch bei kürzeren Festgeldanlagen. Die estnische Direktbank Bigbank bietet nach Angaben des Vergleichsportals Biallo seit dem 26. Oktober 2026 einen Aktionszins von 3,60 Prozent pro Jahr für eine Laufzeit von zwölf Monaten.
Damit steht das Angebot im genannten Vergleich derzeit weit oben. Mehrere weitere Institute kommen auf 3,50 Prozent, darunter Isbank, HoistSpar, Oyak Anker Bank sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank.
Bei der Bigbank gibt es allerdings einen entscheidenden zeitlichen Faktor: Die genannten Aktionskonditionen sollen nur bis zum 4. November 2026 gelten. Wer solche Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht allein auf den Zinssatz schauen, sondern auch auf die Frist für Kontoeröffnung und Einzahlung.
Ein Aktionszins kann attraktiv sein, verliert aber an Wert, wenn dafür ein unpassendes Zusatzprodukt abgeschlossen werden muss oder die Konditionen nur sehr kurze Zeit gelten.
Tagesgeld-Zinsen erreichen bei Aktionen bis zu 4,5 Prozent
Noch aggressiver werben einige Banken derzeit um kurzfristig verfügbares Geld. Beim Tagesgeld 2026 liegt der höchste genannte Zinssatz für zeitlich begrenzte Neukundenaktionen aktuell bei 4,5 Prozent.
Die Zahl der Angebote oberhalb der Vier-Prozent-Marke ist ebenfalls gestiegen. Anfang September erreichten lediglich zwei Banken mindestens vier Prozent. Inzwischen sollen es acht Anbieter sein.
Oliver Maier beschreibt die Entwicklung so: „Die Marke von vier Prozent entwickelt sich immer mehr zum derzeitigen Marktstandard“, wenn Banken mit zeitlich begrenzten Sonderkonditionen neue Kunden und zusätzliche Einlagen gewinnen wollen.
Der Wert von 4,5 Prozent sollte allerdings nicht mit einem dauerhaft garantierten Tagesgeldzins verwechselt werden. Viele Banken zahlen den beworbenen Zinssatz nur für wenige Monate. Danach fällt das Konto auf einen niedrigeren variablen Standardzins zurück.

Manche Aktionen setzen zusätzlich voraus, dass Kunden ein Girokonto, Depot oder ein anderes Produkt eröffnen. Für ein reines Tagesgeldkonto ohne solche Zusatzbedingungen liegt der höchste genannte Neukundenzins bei 4,1 Prozent.
Bestandskunden profitieren deutlich weniger
Die Unterschiede zwischen Neu- und Bestandskunden bleiben groß. Während Banken mit hohen Sonderzinsen um frisches Geld werben, erhalten Kunden mit bereits bestehenden Konten häufig erheblich niedrigere Konditionen.
Der durchschnittliche Tagesgeld-Zins für Bestandskunden liegt den ausgewerteten Angaben zufolge bei 1,52 Prozent. Seit Anfang September entspricht das einem Anstieg von 0,12 Prozentpunkten.
In Relation zu den Spitzenangeboten von mehr als vier Prozent bleibt der Abstand trotzdem erheblich. Von 816 untersuchten Banken und Sparkassen haben bislang lediglich 283 ihre Zinsen für bestehende Kunden erhöht.
Das zeigt, wie unterschiedlich der aktuelle Zinsanstieg weitergegeben wird. Wer sein Tagesgeld seit Jahren bei derselben Bank liegen lässt, bekommt deshalb nicht automatisch marktnahe Konditionen.
Was Sparer bei einem Wechsel prüfen sollten
Ein höherer Zinssatz kann einen Kontowechsel attraktiv machen, doch die Konditionen im Kleingedruckten entscheiden darüber, wie viel Rendite am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Vor einem Abschluss sind vor allem vier Fragen sinnvoll:
- Wie lange gilt der beworbene Zinssatz tatsächlich?
- Gilt das Angebot nur für Neukunden oder auch für bestehende Kunden?
- Gibt es einen maximalen Anlagebetrag für den Aktionszins?
- Welcher Zinssatz gilt nach Ablauf des Aktionszeitraums?
Bei Festgeld kommt zusätzlich die Laufzeit hinzu. Zehn Jahre mit mehr als drei Prozent können attraktiv wirken, wenn das Geld sicher nicht gebraucht wird. Wer flexibel bleiben möchte, kann stattdessen mehrere Laufzeiten kombinieren und nur einen Teil der Rücklagen langfristig binden.
Gerade bei großen Anlagebeträgen spielt außerdem die Einlagensicherung eine Rolle. Innerhalb der Europäischen Union sind Bankeinlagen grundsätzlich durch nationale Sicherungssysteme geschützt, doch zuständiges Land, Abwicklung und Bedingungen können sich je nach Anbieter unterscheiden.
Hohe Sparzinsen verändern den Markt
Ende Oktober 2026 stehen Sparer vor deutlich besseren Konditionen als noch zu Beginn des Herbstes. Zehnjähriges Festgeld erreicht im Durchschnitt 3,22 Prozent, einzelne Angebote reichen bis 4,25 Prozent. Bei zeitlich begrenztem Tagesgeld sind sogar 4,5 Prozent möglich.
Der Wettbewerb dürfte deshalb vor allem Kunden zugutekommen, die Angebote regelmäßig vergleichen und Aktionszinsen nicht mit dauerhaft gültigen Konditionen verwechseln. Besonders groß bleibt das Gefälle zwischen neuen Kunden, um die Banken aktiv werben, und langjährigen Sparern, deren Tagesgeld teilweise weiterhin deutlich niedriger verzinst wird.