Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat am 3. November 2026 ein weiteres Spar- und Umbauprogramm angekündigt. Insgesamt sollen in Europa 3.460 Stellen wegfallen, rund 2.660 davon in Deutschland. Gleichzeitig plant der Konzern die Schließung von vier deutschen Standorten, die monrose.de berichtet mit bild.de.
Der Schritt kommt nur kurze Zeit nach dem Abschluss eines früheren Restrukturierungsprogramms. Schaeffler begründet die neuen Einschnitte mit der schwachen Lage im europäischen Automobilgeschäft, hohen Kosten, Überkapazitäten und einer nach Einschätzung des Unternehmens zu komplexen Organisation.
Für viele Beschäftigte beginnt damit erneut eine Phase der Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt das Programm, wie tief der Umbau der europäischen Zulieferindustrie inzwischen reicht. Schaeffler reagiert nicht nur auf eine kurzfristige Absatzschwäche, sondern auf strukturelle Veränderungen im Autogeschäft.
Schaeffler streicht 2.660 Jobs in Deutschland
Der Schaeffler Stellenabbau konzentriert sich besonders stark auf Deutschland. Von den europaweit geplanten Kürzungen entfallen rund 2.660 Arbeitsplätze auf deutsche Standorte. Betroffen sind sowohl Produktion als auch Forschung, Entwicklung und weitere Unternehmensbereiche.
Nach Angaben des Konzerns stehen die Maßnahmen im Zusammenhang mit nicht ausgelasteten Kapazitäten. Im traditionellen Geschäft mit Komponenten für Verbrennungsmotoren geht die Nachfrage zurück, während neue Programme rund um Elektrofahrzeuge nicht schnell genug wachsen, um diese Lücke vollständig zu schließen.
Schaeffler produziert unter anderem Wälzlager, Fahrwerkskomponenten sowie Systeme und Bauteile für Antriebe. Dadurch hängt ein erheblicher Teil des Geschäfts unmittelbar von den Investitionsentscheidungen der internationalen Fahrzeughersteller ab.

Für die deutsche Belegschaft fällt der erneute Einschnitt besonders schwer ins Gewicht. Bereits im November 2024 hatte Schaeffler ein Restrukturierungsprogramm angekündigt, das den Abbau von 4.700 Stellen in Europa bis 2029 vorsah. Zusätzlich wurden Anfang Oktober 2026 rund 1.800 Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen.
„Ein Abbauprogramm folgt auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind“, kritisierte Thomas Höhn von der IG Metall.
Warum Schaeffler erneut Personal abbaut
Hinter dem neuen Sparprogramm steht nicht nur ein einzelnes Problem. Der Konzern nennt mehrere Belastungen, die sich gegenseitig verstärken und vor allem das europäische Automotive-Geschäft treffen.
Zu den wesentlichen Ursachen zählen:
- eine schwächere Nachfrage nach Fahrzeugen und Komponenten für Verbrennungsmotoren;
- der langsamere Hochlauf der Elektromobilität;
- nicht vollständig ausgelastete Produktions- und Entwicklungskapazitäten;
- vergleichsweise hohe Personalkosten an deutschen Standorten;
- zu viele Führungsebenen und eine komplexe Unternehmensstruktur;
- ein stärkerer internationaler Wettbewerbsdruck auf europäische Autohersteller und Zulieferer.
Besonders problematisch ist die Übergangsphase zwischen Verbrenner und Elektroauto. Bestehende Produktlinien verlieren Aufträge, während neue Technologien teilweise noch nicht die Stückzahlen erreichen, die für eine vollständige Auslastung großer Werke notwendig wären.
Genau diese Lücke belastet zahlreiche Zulieferer. Alte Kapazitäten lassen sich nicht beliebig lange finanzieren, neue Geschäftsfelder benötigen gleichzeitig Investitionen. Dadurch steigt der Druck, Kosten schon während des technologischen Umbaus zu reduzieren.
Die Krise der Autoindustrie trifft Zulieferunternehmen häufig früher als die großen Fahrzeughersteller selbst. Werden Modellprogramme verschoben, Produktionszahlen reduziert oder Investitionen gekürzt, sinken die Bestellungen bei Komponentenherstellern unmittelbar.
Vier Schaeffler-Standorte in Deutschland sollen schließen
Besonders einschneidend sind die geplanten Schaeffler Werksschließungen. In Deutschland sollen die Standorte Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach am Taunus geschlossen werden. Zusätzlich sind Anpassungen an weiteren deutschen und europäischen Standorten vorgesehen.
| Standort | Geplante Maßnahme | Direkte Bedeutung |
|---|---|---|
| Dortmund | Schließung | Arbeitsplätze am Standort fallen weg |
| Morbach | Schließung | Produktion am Standort soll enden |
| Berlin | Schließung | Standort wird aufgegeben |
| Schwalbach am Taunus | Schließung | Funktionen werden reduziert oder verlagert |
Dortmund und Morbach gehören zu jenen Standorten, deren Geschäft besonders eng mit Komponenten für klassische Antriebe verbunden ist. Damit wird sichtbar, wo Schaeffler beim Umbau zuerst ansetzt: Kapazitäten, die auf absehbare Zeit nicht mehr ausreichend ausgelastet werden können, sollen reduziert werden.
Die Folgen reichen über die unmittelbar betroffenen Beschäftigten hinaus. Werke dieser Größe arbeiten mit Logistikunternehmen, technischen Dienstleistern, Handwerksbetrieben und weiteren Zulieferern zusammen. Eine Schließung kann deshalb auch regionale Wirtschaftsstrukturen treffen.
Für Beschäftigte stellt sich zudem die Frage, wie viele Stellen tatsächlich ersatzlos wegfallen und wo interne Wechsel möglich werden. Schaeffler kündigt an, die Restrukturierung möglichst sozialverträglich und im Dialog mit Arbeitnehmervertretungen umzusetzen.
Personalvorständin Astrid Fontaine erklärte, das Unternehmen wolle die Maßnahmen „im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen“.
Der Umbau kostet zunächst rund 480 Millionen Euro
Sparen kostet Schaeffler zunächst erheblich Geld. Für das neue Programm kalkuliert der Konzern mit einmaligen Aufwendungen von rund 480 Millionen Euro. Ein großer Teil davon soll bereits 2026 als Restrukturierungsaufwand berücksichtigt werden.
Langfristig soll sich der Umbau finanziell auszahlen. Ab 2030 erwartet Schaeffler eine jährliche Ergebnisverbesserung von rund 300 Millionen Euro.
Das Programm folgt damit einer klaren wirtschaftlichen Rechnung:
- Produktions- und Entwicklungskapazitäten werden an die erwartete Nachfrage angepasst.
- Personalkosten sollen dauerhaft sinken.
- Führungsstrukturen und organisatorische Ebenen werden verkleinert.
- Nicht ausreichend ausgelastete Standorte werden geschlossen oder umgebaut.
- Frei werdende Mittel sollen teilweise in neue Geschäftsfelder fließen.
Zum Maßnahmenpaket gehört außerdem ein sogenannter Solidaritätsbeitrag über verschiedene Hierarchieebenen hinweg. Im Raum stehen dabei zeitweise Einschnitte bei der Vergütung. Damit will Schaeffler die Kostenbasis zusätzlich reduzieren.
Die Dimension zeigt, dass es sich nicht um eine kurzfristige Sparrunde handelt. 2.660 Jobs in Deutschland stehen innerhalb eines größeren Konzernumbaus zur Disposition, der Produktion, Entwicklung, Verwaltung und Management gleichzeitig betrifft.

Elektromobilität verschärft den Druck auf Zulieferer
Für den Autozulieferer Schaeffler ist der Wandel der Antriebstechnik eine doppelte Herausforderung. Das Unternehmen verfügt über ein großes Geschäft mit Komponenten für Verbrennungsmotoren, hat gleichzeitig aber erhebliche Ressourcen in Elektromobilität und neue Antriebssysteme investiert.
Das Problem liegt im Tempo. Der Absatz klassischer Produkte kann schneller sinken, als neue Programme wachsen. Dadurch bleiben Maschinen, Produktionsflächen und Entwicklungskapazitäten zeitweise ungenutzt, obwohl sie weiterhin Kosten verursachen.
Hinzu kommt der Wettbewerb aus China. Chinesische Hersteller gewinnen im Elektroautomarkt an Bedeutung und erhöhen damit den Druck auf europäische Marken. Für deutsche Zulieferer bedeutet das nicht nur Konkurrenz über den Preis. Sie müssen gleichzeitig Entwicklungszeiten verkürzen, neue Technologien finanzieren und bestehende Produktionsstrukturen umbauen.
Der Übergang zum Elektroauto verläuft damit nicht einfach von einer Produktgeneration zur nächsten. Für Zulieferer entstehen über mehrere Jahre parallele Kostenstrukturen. Genau in dieser Phase werden schwache Auslastung und hohe Fixkosten besonders sichtbar.
Das erklärt auch, weshalb Unternehmen trotz langfristiger Investitionen in Elektromobilität Personal in traditionellen Bereichen reduzieren können. Neue Stellen entstehen nicht zwingend an denselben Orten oder mit denselben Qualifikationsprofilen, an denen klassische Arbeitsplätze wegfallen.
Schaeffler sucht Wachstum bei Robotik und Verteidigung
Parallel zum Stellenabbau versucht Schaeffler, die Abhängigkeit vom klassischen Automobilgeschäft zu verringern. Zu den Bereichen, denen das Unternehmen zusätzliche Wachstumschancen zuschreibt, gehören humanoide Robotik und die Verteidigungsindustrie.
Für Schaeffler ist dieser Schritt technisch naheliegend. Lager, Präzisionskomponenten, Aktuatoren, Antriebslösungen und Bewegungssysteme werden nicht nur in Fahrzeugen benötigt. Ähnliche Technologien kommen in Industrieanlagen und zunehmend auch in Robotersystemen zum Einsatz.
Vorstandsmitglied Jochen Schröder verwies in diesem Zusammenhang auf „Wachstumschancen in Zukunftsfeldern“, darunter humanoide Robotik und Verteidigung.
Für den Konzern eröffnet die Diversifizierung die Möglichkeit, vorhandenes technisches Know-how außerhalb der Autoindustrie zu vermarkten. Kurzfristig können solche Projekte die wegfallenden Volumina im Automotive-Geschäft allerdings nicht automatisch ersetzen.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen des Umbaus. Neue Märkte müssen ausreichend groß werden, bevor sie einen messbaren Beitrag zur Auslastung von Werken und Entwicklungsabteilungen leisten können.
Was der Stellenabbau für Beschäftigte und Standorte bedeutet
Die angekündigten Kürzungen dürften sich über mehrere Schritte erstrecken. Schaeffler plant den Schwerpunkt der strukturellen Maßnahmen für 2027 und 2028. Betroffen sind insgesamt zahlreiche Standorte in Europa, wobei Deutschland den größten Anteil des Stellenabbaus trägt.
Für Arbeitnehmer sind vor allem drei Punkte entscheidend: welche Stellen tatsächlich gestrichen werden, welche Funktionen innerhalb des Konzerns verlagert werden können und welche Vereinbarungen Schaeffler mit Betriebsräten und Gewerkschaften erreicht.
IG Metall stellt sich gegen die neue Sparrunde. Thomas Höhn kritisierte nicht nur die Geschwindigkeit der Programme, sondern auch deren grundsätzliche Ausrichtung.
„Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland“, sagte der Gewerkschafter zu den angekündigten Einschnitten.
Damit wird der Konflikt deutlich. Schaeffler argumentiert mit Wettbewerbsfähigkeit und notwendigen Kostensenkungen, Arbeitnehmervertreter fürchten dagegen einen dauerhaften Verlust industrieller Kapazitäten und qualifizierter Arbeitsplätze.
Was jetzt entscheidend ist
Schaeffler verbindet den Abbau von 3.460 Stellen mit einem tiefgreifenden Umbau seines europäischen Geschäfts. Vier deutsche Standorte sollen verschwinden, die Kostenbasis soll sinken und ab 2030 jährlich rund 300 Millionen Euro Ergebnisverbesserung erreicht werden.
Ob dieser Plan aufgeht, hängt vor allem davon ab, wie schnell neue Geschäftsbereiche wachsen und wie sich die Nachfrage in der europäischen Autoindustrie entwickelt. Für Tausende Beschäftigte werden jedoch bereits die Jahre 2027 und 2028 zur entscheidenden Phase des Umbaus.