Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick

Deutschlands großer Wursthersteller Zur-Mühlen-Gruppe gibt den Produktionsstandort in Dissen auf. Die Fertigung wird ins rund neun Kilometer entfernte Versmold-Loxten verlagert. Für die 230 Beschäftigten gibt es ein Übernahmeangebot zu den bisherigen Arbeitsbedingungen.

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Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick

Die Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen und verlagert die dortige Wurstproduktion ins benachbarte Nordrhein-Westfalen. Betroffen sind 230 Beschäftigte des niedersächsischen Standorts. Sie sollen ihre Arbeitsplätze allerdings nicht automatisch verlieren, sondern ein Angebot für eine Weiterbeschäftigung im Werk von The Family Butchers in Versmold-Loxten erhalten, die monrose.de berichtet mit  bild.de.

Zwischen beiden Produktionsstätten liegen nur rund neun Kilometer, dennoch bedeutet die Entscheidung für die Belegschaft einen deutlichen Einschnitt. Der Arbeitsplatz wechselt nicht nur den Standort, sondern auch das Bundesland. Dissen liegt in Niedersachsen, Versmold-Loxten direkt hinter der Landesgrenze in Nordrhein-Westfalen.

Die Produktion verschwindet damit aus Dissen, die Arbeitsplätze sollen jedoch größtenteils erhalten bleiben. Für viele Beschäftigte verlängert sich der Arbeitsweg nur begrenzt. Trotzdem muss jede betroffene Person entscheiden, ob der Wechsel zum neuen Standort persönlich und organisatorisch passt.

230 Beschäftigte sollen nach Versmold-Loxten wechseln

Die 230 Arbeitsplätze in Dissen stehen im Mittelpunkt der Neuordnung. Nach den Plänen des Unternehmens bekommen sämtliche Beschäftigten die Möglichkeit, künftig bei The Family Butchers in Versmold-Loxten zu arbeiten. Der Betrieb gehört ebenfalls zur Zur-Mühlen-Gruppe.

Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick
Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick

Entscheidend für die Mitarbeiter ist dabei, dass der Wechsel nicht mit einem vollständigen Neustart verbunden sein soll. Arbeitgeber und Betriebsrat haben sich nach Angaben des Unternehmens darauf verständigt, die bisherigen Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen. Auch die bereits erreichte Betriebszugehörigkeit soll erhalten bleiben.

„Betriebsrat und Arbeitgeber haben sich bereits darauf geeinigt, dass die Arbeitnehmenden dort zu ihren bisherigen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden“, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Für Beschäftigte, die seit vielen Jahren am Standort Dissen arbeiten, ist dieser Punkt erheblich. Betriebszugehörigkeit kann unter anderem für Kündigungsfristen und weitere arbeitsvertragliche Regelungen relevant sein. Ein Wechsel ohne Anerkennung dieser Zeiten wäre für langjährige Mitarbeiter deutlich unattraktiver.

In Loxten soll die Belegschaft durch die Verlagerung erheblich wachsen. Der Standort beschäftigt derzeit rund 650 Menschen. Sollten alle angebotenen Wechsel tatsächlich zustande kommen, könnte die Mitarbeiterzahl auf ungefähr 880 steigen.

Das Unternehmen rechnet nach eigenen Angaben damit, dass ein großer Teil der Belegschaft das Angebot annimmt.

Warum das Werk in Dissen geschlossen wird

Hinter der Werksschließung in Dissen stehen mehrere wirtschaftliche und strukturelle Gründe. Das Unternehmen verweist auf eine Kombination aus stagnierender Nachfrage, höheren Betriebskosten und Investitionen, die am bisherigen Standort erforderlich wären.

Die wichtigsten Faktoren lassen sich auf vier Punkte verdichten:

  1. Die Absatzmengen für Fleisch- und Wurstwaren stagnieren oder gehen zurück.
  2. Löhne, Energie und Logistik haben sich für die Hersteller verteuert.
  3. Für das Werk in Dissen wären umfangreiche Investitionen in die Instandhaltung erforderlich.
  4. Der Standort in Versmold-Loxten verfügt gleichzeitig über freie Produktionskapazitäten.

Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem Ausland. Internationale Anbieter können nach Darstellung des Unternehmens teilweise mit niedrigeren Kosten produzieren und erhöhen damit den Preisdruck auf dem deutschen Markt.

„Immer mehr internationale Anbieter mit niedrigeren Kosten drängen auf den deutschen Markt“, beschreibt der Unternehmenssprecher einen Teil des wirtschaftlichen Problems.

Für Dissen ergibt sich daraus eine ungünstige Rechnung. Investitionen wären notwendig, um den Standort langfristig weiterzuführen, gleichzeitig sieht der Konzern unter den aktuellen Marktbedingungen nur begrenzte Möglichkeiten, diese Ausgaben wieder einzuspielen.

Auch die Lage des Werks erschwert größere Veränderungen. Die Produktionsstätte befindet sich mitten in einem Wohngebiet. Erweiterungen oder umfangreiche bauliche Anpassungen sind an einem solchen Standort komplizierter als auf einem größeren Industrieareal.

Dissen und Loxten im Vergleich

Die Entscheidung ist nicht allein eine klassische Werksschließung. Sie ist zugleich eine Konzentration von Kapazitäten, denn die Wurstproduktion in Versmold-Loxten soll einen erheblichen Teil der bisherigen Aufgaben aus Dissen übernehmen.

PunktDissenVersmold-Loxten
BundeslandNiedersachsenNordrhein-Westfalen
EntfernungAusgangsstandortrund 9 km von Dissen
Beschäftigte230 betroffenderzeit rund 650
Personal nach WechselProduktion wird aufgegebenbis zu rund 880 Beschäftigte
AuslastungStandort soll geschlossen werdenbisher nicht ausreichend ausgelastet
Investitionsbedarferhebliche Instandhaltung nötigProduktion kann gebündelt werden
ProduktionWurstwarenähnliche Produkte, darunter Salami

Für die Zur-Mühlen-Gruppe entsteht dadurch eine vergleichsweise direkte Möglichkeit zur Konsolidierung. Die beiden Werke liegen nah beieinander und produzieren bereits ähnliche Waren. Statt zwei Produktionsstätten mit eigenen Fixkosten weiterzuführen, sollen größere Mengen künftig an einem Standort hergestellt werden.

Der Standort Loxten produziert unter anderem Artikel der Marke Schulte für den Fachgroßhandel. Auch Salami gehört zum dortigen Sortiment. Dadurch muss die Produktion aus Dissen nicht in ein völlig neues Werk mit einer anderen Ausrichtung integriert werden.

Die geringe Entfernung zwischen den Standorten ist einer der Punkte, die diese Verlagerung von vielen anderen Werksschließungen unterscheiden.

Warum Loxten künftig deutlich größer wird

Die Zusammenlegung löst aus Sicht des Unternehmens zwei Probleme gleichzeitig. In Dissen müssten Mittel in Gebäude und Technik investiert werden, während Loxten vorhandene Kapazitäten bislang nicht vollständig nutzt.

Mit der Verlagerung steigen dort Produktionsmenge und Personalbestand. Gleichzeitig können Maschinen, Logistik, Verwaltung und weitere betriebliche Strukturen stärker an einem Standort gebündelt werden. Genau diese Konzentration ist in Branchen mit hohem Kostendruck ein typischer Ansatz, um laufende Aufwendungen zu reduzieren.

Für Versmold-Loxten bedeutet die Entscheidung deshalb nicht nur 230 mögliche zusätzliche Beschäftigte. Der Standort erhält innerhalb der Gruppe mehr Produktionsvolumen und dürfte dadurch stärker ausgelastet werden.

Die Rechnung hängt allerdings davon ab, wie viele Mitarbeiter aus Dissen das Wechselangebot tatsächlich annehmen. Der Konzern zeigt sich in diesem Punkt zuversichtlich.

„Stand jetzt gehen wir davon aus, dass der überwiegende Teil der Belegschaft das Angebot annehmen wird“, heißt es von Unternehmensseite.

Für die Beschäftigten ist die Entfernung von rund neun Kilometern vergleichsweise überschaubar. Dennoch können Arbeitszeiten, Verkehrsanbindung, Schichtmodelle und die individuelle familiäre Situation darüber entscheiden, ob der Standortwechsel akzeptiert wird.

Wurstindustrie steht unter hohem Kostendruck

Der Fall Dissen ist Teil einer größeren Entwicklung in der deutschen Fleisch- und Wurstindustrie. Hersteller müssen mit einem schwierigen Mix aus schwacher Mengenentwicklung und steigenden Kosten umgehen. Besonders Personal, Energie und Transport wirken sich unmittelbar auf die Produktionskosten aus.

Für große Unternehmen erhöht sich damit der Anreiz, vorhandene Werke besser auszulasten. Zwei nahe beieinanderliegende Standorte mit vergleichbaren Produktionslinien verursachen zusätzliche Kosten für Gebäude, Wartung, technische Infrastruktur und Organisation. Werden diese Kapazitäten gebündelt, können Fixkosten auf größere Produktionsmengen verteilt werden.

Die Zur-Mühlen-Gruppe gehört zur Premium Food Group, die früher unter dem Namen Tönnies bekannt war. Die Schließung in Dissen ist innerhalb der Unternehmensgruppe zudem nicht die erste größere Standortentscheidung des Jahres.

Bereits im Februar wurde die Produktion der Eberswalder Wurstwerke im brandenburgischen Britz nach fast 50 Jahren eingestellt. Dort waren rund 500 Arbeitsplätze betroffen. Auch die Eberswalder Wurstwerke gehören zur Zur-Mühlen-Gruppe.

Damit zeigt sich innerhalb weniger Monate ein klares Muster: Produktionskapazitäten werden dort reduziert, wo die wirtschaftliche Weiterführung nach Einschätzung des Unternehmens zu teuer wird. Parallel sollen andere Standorte größere Mengen übernehmen oder besser ausgelastet werden.

Was die Verlagerung für Dissen bedeutet

Für Dissen selbst bleibt die Schließung trotz des Übernahmeangebots für die Beschäftigten ein Verlust. 230 Arbeitsplätze werden künftig nicht mehr am bisherigen Standort angesiedelt sein. Auch wenn die Arbeitsplätze wenige Kilometer weiter bestehen können, verschwinden tägliche Pendlerbewegungen, betriebliche Nachfrage und ein Teil der industriellen Aktivität aus der Stadt.

Offen ist zudem, welche weitere Nutzung für das bisherige Werksgelände vorgesehen ist. Die Lage innerhalb eines Wohngebiets dürfte bei zukünftigen Planungen eine Rolle spielen. Eine erneute intensive industrielle Nutzung könnte dadurch schwieriger sein als eine andere Form der Standortentwicklung.

Für Versmold-Loxten zeigt sich das gegenteilige Bild. Steigt die Belegschaft tatsächlich von rund 650 auf etwa 880 Beschäftigte, gewinnt das Werk erheblich an Gewicht. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit davon, dass die zusammengeführte Produktion effizient organisiert werden kann.

Die Verlagerung betrifft damit nicht nur zwei Fabrikgebäude. Sie verschiebt Arbeitsplätze, Produktionsmengen und wirtschaftliche Aktivität über die Landesgrenze von Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen.

Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick
Zur-Mühlen-Gruppe schließt Werk in Dissen: Ursachen und Folgen im Überblick

Was jetzt entscheidend ist

Für die 230 Beschäftigten steht zunächst die Entscheidung über den angebotenen Wechsel nach Versmold-Loxten an. Die Zusage, bisherige Arbeitsbedingungen und Betriebszugehörigkeiten zu berücksichtigen, dürfte die Hürde für viele Mitarbeiter senken. Die geringe Entfernung macht einen Arbeitsplatzwechsel ohne vollständigen Wohnortwechsel grundsätzlich möglich.

Für die Zur-Mühlen-Gruppe steht dagegen die wirtschaftliche Bündelung der Produktion im Mittelpunkt. Dissen benötigt Investitionen, während Loxten über freie Kapazitäten verfügt. Mit der Schließung des einen und der stärkeren Auslastung des anderen Werks versucht der Hersteller, seine Kostenstruktur an einen Markt mit stagnierenden Mengen und zunehmendem Preisdruck anzupassen.

Die Produktion in Dissen endet damit, doch für die meisten Beschäftigten soll die Tätigkeit innerhalb der Unternehmensgruppe weitergehen. Aus einem Standort mit 230 Mitarbeitern wird in Loxten ein deutlich größerer Produktionsbetrieb mit potenziell rund 880 Beschäftigten.