Nach dem großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins hat sich eine linksextreme Gruppierung zu der Tat bekannt. Bei der Berliner Polizei ging ein Bekennerschreiben ein, das dem Staatsschutz zufolge als authentisch gilt. In dem Schreiben reklamiert die sogenannte „Vulkangruppe“ den Anschlag auf das Stromnetz für sich. Rund 45.000 Haushalte sowie zahlreiche Betriebe waren zeitweise ohne Elektrizität. Die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren, die monrose.de berichtet mit t-online.de.
Staatsschutz prüft Inhalte des Bekennerschreibens
Das Landeskriminalamt hat den Staatsschutz mit der Prüfung des Schreibens beauftragt. In dem Text werden Details zum Brandgeschehen beschrieben, die laut Ermittlern Parallelen zu früheren Sabotageakten aufweisen. Ob alle Angaben zutreffen, ist derzeit noch Gegenstand der Untersuchungen. Auffällig ist jedoch, dass das Vorgehen dem bekannten Muster früherer Anschläge ähnelt. Sicherheitsbehörden gehen daher von einer ernstzunehmenden Urheberschaft aus.
Anschläge mit ähnlichem Muster aus der Vergangenheit bekannt
Die „Vulkangruppe“ ist den Behörden seit Jahren bekannt und soll bereits seit 2011 aktiv sein. In der Vergangenheit bekannte sich die Gruppierung mehrfach zu Angriffen auf Energie- und Kommunikationsinfrastruktur. Auch frühere Brandanschläge auf Anlagen der Stromversorgung wurden ihr zugeschrieben. Die Taten folgten häufig einem ähnlichen Schema und waren von ideologisch aufgeladenen Bekennerschreiben begleitet. Die aktuelle Tat reiht sich nach Einschätzung der Ermittler nahtlos in diese Serie ein.

In ihren Texten beschreibt sich die Gruppe als Teil einer „Generation der Wütenden“. Ziel sei es, soziale Ungleichheit sichtbar zu machen und bestehende Machtstrukturen anzugreifen. Laut Einschätzung des Verfassungsschutzes geht es der Gruppierung darum, die Verwundbarkeit urbaner Infrastruktur offenzulegen. Sabotage werde bewusst als Mittel gewählt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Hinweise deuten auf eine feste organisatorische Struktur im anarchistischen Spektrum hin.
Ziel des Anschlags laut Bekennerschreiben
Im aktuellen Schreiben erklärt die Gruppierung, der Angriff habe sich nicht direkt gegen die Stromversorgung der Bevölkerung gerichtet. Stattdessen sei ein Gaskraftwerk im Bereich Berlin-Lichterfelde das eigentliche Ziel gewesen. Stromausfälle seien demnach nicht beabsichtigt gewesen, sondern eine Folge der Aktion. Gleichzeitig enthält das Schreiben eine differenzierende Haltung gegenüber den Betroffenen. Während man sich bei ärmeren Haushalten entschuldigt, zeigt man gegenüber wohlhabenderen Anwohnern kaum Mitgefühl.
Der Anschlag traf eine Kabelbrücke über den Teltow-Kanal und führte zu erheblichen Schäden am Stromnetz. In mehreren Berliner Ortsteilen gingen Licht, Heizung und Ampelanlagen gleichzeitig aus. Die Reparaturarbeiten gestalten sich laut dem Netzbetreiber äußerst komplex. Provisorische Leitungen müssen unter hohem Zeitdruck verlegt werden. Erst im Laufe der kommenden Tage soll eine vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung möglich sein.
Alltag im Südwesten Berlins massiv beeinträchtigt
Der Blackout hatte gravierende Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Geschäfte, Restaurants und Tankstellen blieben geschlossen, während Straßen zeitweise menschenleer wirkten. In der Nacht zum Sonntag fuhren Polizeifahrzeuge mit Lautsprecherdurchsagen durch betroffene Viertel. Schnee und Dunkelheit verstärkten die angespannte Situation zusätzlich. Viele Bewohner standen plötzlich vor praktischen Problemen im Alltag.
Besonders kritisch war die Lage in Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen. Betreiber begannen damit, Bewohner und Patienten vorsorglich zu evakuieren. Einsatzkräfte trugen kranke und gebrechliche Menschen aus Gebäuden ohne funktionierende Aufzüge. Gleichzeitig richteten die Bezirksbehörden Notunterkünfte ein. Dort konnten sich Betroffene aufwärmen und ihre Mobiltelefone aufladen.
Behörden rechnen mit weiterem Unterstützungsbedarf
Die zuständigen Bezirksämter gehen davon aus, dass der Bedarf an Notunterkünften in den kommenden Tagen steigen könnte. Noch sind viele Wohnungen durch Restwärme vergleichsweise temperiert. Mit angekündigten Minusgraden in der Nacht droht jedoch ein weiteres Auskühlen der Gebäude. Heizungen könnten ohne Strom nicht mehr betrieben werden. Die Behörden raten daher, wenn möglich vorübergehend bei Freunden oder Familie unterzukommen.
Während die technische Wiederherstellung des Stromnetzes läuft, beschäftigen sich Sicherheitsbehörden intensiv mit der Aufklärung des Anschlags. Politisch wird der Vorfall als schwerer Angriff auf kritische Infrastruktur bewertet. Die Frage nach besseren Schutzmaßnahmen steht erneut im Raum. Der Berliner Mega-Blackout macht deutlich, wie verletzlich zentrale Versorgungssysteme sein können. Die vollständigen Konsequenzen des Anschlags werden Politik und Sicherheitsbehörden noch längere Zeit beschäftigen.