Warum manche Menschen ständig erkältet sind – und andere kaum jemals. Yale-Forscher erklären die wahren Gründe

Eine neue Studie erklärt, warum Erkältungen manche Menschen häufiger treffen. Ungesunde Einflüsse schwächen die Abwehr der Atemwege.

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Schon wieder Schnupfen, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit – während andere scheinbar unbeeindruckt durch die Erkältungssaison kommen. Dieses Phänomen beschäftigt viele Menschen seit Jahren. Lange galt die Annahme, dass ein starkes oder schwaches Immunsystem allein entscheidend sei, die monrose.de berichtet mit bin.com.ua.

Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch ein deutlich komplexeres Bild. Wissenschaftler der Yale Universität haben untersucht, warum Erkältungen manche Menschen häufiger treffen als andere.

Dabei ging es weniger um Glück oder genetische Immunität. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Zellen der Atemwege und deren Reaktion auf Belastungen. Die Studie legt nahe, dass alltägliche Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle spielen. Besonders Gewohnheiten und äußere Einflüsse können die natürliche Abwehr deutlich schwächen. Erkältungen sind demnach oft kein Zufall.

Eine Forscherin bringt es auf den Punkt:

„Nicht jeder, der oft erkältet ist, hat ein schwaches Immunsystem – manchmal ist es schlicht überlastet.“

Die erste Abwehrlinie gegen Erkältungsviren

Wenn Erkältungsviren in den Körper gelangen, treffen sie zuerst auf die Schleimhäute der Atemwege. Besonders die Zellen in Nase und Lunge bilden die erste Verteidigungslinie. Diese Zellen entscheiden darüber, ob sich ein Virus festsetzen kann oder abgewehrt wird. Ihre Reaktionsfähigkeit ist entscheidend für den Krankheitsverlauf.

In der Yale-Studie wurden Zellen aus dem Nasen- und Bronchialbereich gesunder Probanden untersucht. Beide Zelltypen wurden unter identischen Bedingungen mit Rhinoviren konfrontiert. Rhinoviren sind die häufigste Ursache klassischer Erkältungen. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Zellarten.

Nasale Zellen erwiesen sich als besonders effektiv in der antiviralen Abwehr. Bronchialzellen reagierten hingegen empfindlicher auf andere Belastungen. Genau hier beginnt das Problem vieler Menschen.

Warum Stress die Abwehr schwächt

Die Forschenden stellten fest, dass Bronchialzellen stark auf sogenannten oxidativen Stress reagieren. Dieser entsteht durch verschiedene Umweltfaktoren. Dazu zählen Schadstoffe in der Luft, UV-Strahlung und chemische Belastungen. Auch Zigarettenrauch spielt eine zentrale Rolle.

Je höher die Belastung, desto schwächer fiel die antivirale Reaktion der Zellen aus. Die Abwehrmechanismen wurden zunehmend ineffizient. Das bedeutet: Der Körper ist beschäftigt, sich gegen Umweltstress zu schützen, und vernachlässigt dabei die Virusabwehr. Erkältungsviren haben dadurch leichteres Spiel.

Ein Umweltmediziner kommentiert:

„Unsere Atemwege können nicht unbegrenzt mehrere Gefahren gleichzeitig abwehren.“

Nikotin als zusätzlicher Risikofaktor

Um die Rolle einzelner Belastungen genauer zu analysieren, setzten die Forschenden Nasenzellen gezielt Nikotin aus. Die Ergebnisse waren eindeutig. Zwar überlebten die Zellen den Kontakt mit Nikotin, doch ihre Fähigkeit zur Virusabwehr nahm deutlich ab. Die Zellen mussten Prioritäten setzen.

Co-Autorin der Studie, Dr. Ellen Foxman, erklärte diesen Effekt anschaulich. Die Zellen seien zwar in der Lage, mit Schadstoffen umzugehen, könnten aber nicht gleichzeitig optimal gegen Viren kämpfen. Bei mehreren Stressfaktoren geraten sie in einen biologischen Zielkonflikt.

Das erklärt, warum Raucher und Menschen in stark belasteten Umgebungen häufiger erkältet sind. Der Körper ist permanent im Verteidigungsmodus – nur nicht immer gegen Viren.

Warum manche Menschen scheinbar nie krank werden

Menschen, die selten erkältet sind, profitieren oft von günstigen Bedingungen. Ihre Atemwegszellen sind weniger belastet und können sich vollständig auf die Virusabwehr konzentrieren. Das hat nicht zwangsläufig mit einem „besseren“ Immunsystem zu tun. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus Umwelt, Lebensstil und Zellgesundheit.

Auch regelmäßige Erholungsphasen spielen eine Rolle. Ausreichender Schlaf unterstützt die Regeneration der Schleimhäute. Ein ausgeruhter Körper reagiert schneller und effektiver auf Eindringlinge. Zudem können geringere Schadstoffbelastung und frische Luft die Abwehr stärken.

Ein Teilnehmer der Studie formulierte es so:

„Ich war selten krank – und habe erst jetzt verstanden, warum.“

Erkältungsanfälligkeit ist kein Schicksal

Die Ergebnisse der Forschung liefern auch eine positive Botschaft. Wer häufig erkältet ist, kann aktiv etwas dagegen tun. Viele der identifizierten Stressfaktoren lassen sich reduzieren. Besonders Rauchen, schlechte Luftqualität und dauerhafte Belastung der Atemwege spielen eine große Rolle.

Schon kleine Veränderungen können spürbare Effekte haben. Dazu zählt das Vermeiden von Zigarettenrauch ebenso wie regelmäßiges Lüften. Auch der bewusste Umgang mit Umweltbelastungen im Alltag ist entscheidend. Die Atemwege sind anpassungsfähig – wenn man sie entlastet.

Gesundheitsexperten raten zudem zu einem ganzheitlichen Blick auf den Lebensstil.

Praktische Ansätze zur Stärkung der Atemwege

Wer Erkältungen vorbeugen möchte, sollte mehrere Faktoren berücksichtigen. Experten empfehlen unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Verzicht auf Rauchen und Passivrauchen
  • regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
  • ausreichender Schlaf zur Zellregeneration
  • Reduktion von Schadstoffen in Innenräumen
  • bewusster Umgang mit Stress

Diese Punkte wirken zusammen und nicht isoliert. Je geringer die Dauerbelastung, desto stärker die natürliche Abwehr.

Was die Studie für den Alltag bedeutet

Die Erkenntnisse aus Yale zeigen, dass Erkältungen kein reines Zufallsprodukt sind. Häufige Infekte sind oft ein Signal für überforderte Abwehrmechanismen. Der Körper sendet damit ein Warnsignal. Wer dieses versteht, kann gezielt gegensteuern.

Die Forschung verdeutlicht außerdem, dass Prävention nicht erst beim Virus beginnt. Umwelt, Lebensstil und Zellgesundheit greifen ineinander. Erkältungsfreiheit ist kein Zufall, sondern oft das Ergebnis günstiger Bedingungen.

Für viele Menschen eröffnet diese Sichtweise neue Handlungsmöglichkeiten. Statt sich mit häufigen Erkältungen abzufinden, lohnt es sich, die Ursachen im Alltag zu hinterfragen.