Die Gürtelrose-Impfung rückt zunehmend in den Fokus der Demenzforschung. Mehrere aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit einer Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus seltener kognitive Störungen entwickeln. Forschende sprechen von einem auffälligen Zusammenhang zwischen Impfschutz und der Gesundheit des Gehirns. Besonders interessant ist, dass sich dieser Effekt über viele Jahre hinweg zeigen kann, die monrose.de berichtet mit welt.de.
Dabei geht es nicht um eine Heilung, sondern um eine mögliche Verzögerung von Demenz oder eine geringere Wahrscheinlichkeit, überhaupt zu erkranken. Die Ergebnisse sorgen für neue Diskussionen darüber, wie stark Infektionen und das Immunsystem an neurodegenerativen Prozessen beteiligt sind.
Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung fast ausschließlich auf Veränderungen im Gehirn selbst. Nun rücken äußere Faktoren wie Viren, Entzündungen und Impfungen stärker in den Mittelpunkt. Dieser Perspektivwechsel gilt als entscheidend.

Deutlich geringeres Risiko bei geimpften Personen
Auswertungen großer Bevölkerungsdaten zeigen, dass Geimpfte seltener an leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz erkranken. In einigen Analysen liegt die beobachtete Risikoreduktion bei rund einem Viertel. Zudem scheint sich der Krankheitsverlauf bei bereits betroffenen Personen zu verlangsamen.
Ein Neurowissenschaftler kommentiert die Ergebnisse so:
„Wir sehen in Datensatz um Datensatz dieses starke Schutzsignal für Demenz. Das ist bemerkenswert und verdient weitere Untersuchung.“
Warum Frauen stärker profitieren könnten
Auffällig ist, dass der schützende Effekt der Gürtelrose-Impfung vor allem bei Frauen deutlich wird. Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Zum einen unterscheidet sich das Immunsystem zwischen den Geschlechtern. Zum anderen tritt Gürtelrose bei Frauen häufiger auf, was den Nutzen der Impfung erhöhen könnte.
Hinzu kommt, dass Frauen insgesamt häufiger an Demenz erkranken. Dadurch lassen sich statistische Effekte besser erkennen. Für Männer sind die Daten bislang weniger eindeutig, was jedoch auch an kleineren Stichproben liegen könnte.
Rolle des Varizella-Zoster-Virus im Körper
Das Varizella-Zoster-Virus verursacht zunächst Windpocken und verbleibt danach lebenslang im Körper. Jahre später kann es reaktiviert werden und Gürtelrose auslösen. Diese Reaktivierung geht oft mit Entzündungsreaktionen einher, die nicht nur die Haut, sondern auch andere Systeme belasten.
Forschende vermuten, dass genau diese Entzündungen das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen. Die Impfung verhindert die Reaktivierung des Virus – und könnte dadurch indirekt das Gehirn schützen.
Entzündungen gelten als möglicher Treiber von Nervenzellschäden. Wird dieser Prozess gebremst, könnte sich auch das Demenzrisiko verringern.
Zwei mögliche Wirkmechanismen der Impfung
Expertinnen und Experten diskutieren derzeit zwei Hauptmechanismen, über die die Gürtelrose-Impfung wirken könnte. Einerseits reduziert sie die Virusaktivität und damit entzündliche Prozesse. Andererseits könnte sie das angeborene Immunsystem trainieren und stabilisieren.
Ein Immunologe erklärt:
„Im Alter lässt die Funktion des Immunsystems nach. Impfungen könnten helfen, es wieder in einen leistungsfähigeren Zustand zu versetzen.“
Zentrale Erkenntnisse im Überblick
Die wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Forschung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Geringeres Demenzrisiko bei geimpften Personen
- Weniger leichte kognitive Störungen
- Verlangsamter Krankheitsverlauf bei bestehender Demenz
- Besonders deutlicher Effekt bei Frauen
- Hinweise auf langfristigen Gehirnschutz
Diese Punkte tauchen in mehreren unabhängigen Studien auf.
Impfstoff-Typen und ihre Wirkung
| Aspekt | Älterer Lebendimpfstoff | Neuer Totimpfstoff |
|---|---|---|
| Nutzung | früher verbreitet | aktuell empfohlen |
| Schutz vor Gürtelrose | gut | sehr hoch |
| Effekt auf Demenz | nachgewiesen | Hinweise auf stärkeren Schutz |
| Nebenwirkungen | moderat | meist kurzfristig |
Der moderne Totimpfstoff wird heute bevorzugt eingesetzt und zeigt in neueren Analysen besonders positive Effekte.
Nebenwirkungen und Nutzenabwägung
Wie bei jeder Impfung können Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Fieber oder Muskelschmerzen. Diese Beschwerden klingen in der Regel nach wenigen Tagen ab. Fachleute betonen, dass der mögliche Nutzen im Hinblick auf Demenzprävention deutlich überwiegt.
Ein Gesundheitsökonom merkt an:
„Wenn Impfungen langfristig auch schwere neurodegenerative Erkrankungen beeinflussen, hätte das enorme gesellschaftliche Bedeutung.“
Impfungen als Teil moderner Demenzvorsorge
Neben der Gürtelrose-Impfung gibt es Hinweise, dass auch andere Impfungen das Demenzrisiko senken könnten. Diskutiert werden unter anderem Impfungen gegen Grippe oder Pneumokokken. Forschende vermuten einen Zusammenhang zwischen der Anzahl durchgemachter Infektionskrankheiten und späteren Hirnerkrankungen.
Damit öffnet sich ein neues Feld der Vorsorge. Prävention beginnt nicht erst im Alter, sondern schon deutlich früher im Leben.

Weitere Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen
Unabhängig von Impfungen nennen Fachleute weitere Punkte, gegen die man aktiv etwas tun kann. Dazu gehören Hör- und Sehverlust, Übergewicht, Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Ebenso wichtig ist geistige Aktivität.
Ein Experte bringt es auf den Punkt:
„Das Gehirn muss trainiert werden wie ein Muskel. Neues lernen ist dabei besonders wertvoll.“
Forschung steht erst am Anfang
Trotz der positiven Signale warnen Wissenschaftler davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Die genauen biologischen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden. Dennoch zeigen die Daten konsistent, dass die Gürtelrose-Impfung mehr sein könnte als ein Schutz vor Hauterkrankungen.
Am Ende ergibt sich ein klares Bild: Die Impfung gegen Varizella-Zoster entwickelt sich zunehmend zu einem möglichen Baustein für gesundes Altern. Auch wenn weitere Studien nötig sind, wächst die Hoffnung, dass Impfungen künftig eine größere Rolle im Kampf gegen Demenz und Alzheimer spielen können.