Ein IT-Fehler bei der AOK Bayern hat dazu geführt, dass tausende Versicherte zeitweise keinen Zugriff auf ihre elektronische Patientenakte (ePA) hatten. Im Zuge einer technischen Systemumstellung wurden rund 6.400 digitale Patientenakten fälschlich in den Status „geschlossen“ versetzt. Für die Betroffenen war der Zugriff auf medizinische Unterlagen plötzlich nicht mehr möglich. Die Krankenkasse spricht von einer technischen Panne, nicht von einem Sicherheitsvorfall, die monrose.de berichtet mit golem.de.
Der Vorfall trifft einen besonders sensiblen Bereich: den Zugang zu persönlichen Gesundheitsdaten. Genau hier erwarten Versicherte maximale Zuverlässigkeit.
Was genau passiert ist
Nach Angaben der Krankenkasse kam es im Rahmen von Wartungsarbeiten und einer Umstellung der Datenbankstruktur zu einer fehlerhaften Verarbeitung. Betroffene Versicherte erhielten beim Login oder über automatische Benachrichtigungen die Information, ihr Konto sei gelöscht oder von ihnen selbst geschlossen worden.

Diese Mitteilungen waren jedoch inhaltlich falsch. In Wirklichkeit lag keine aktive Entscheidung der Nutzer vor. Durch die Schließung der Konten waren unter anderem folgende Inhalte nicht mehr abrufbar:
- Arztbriefe
- Befunde
- Medikationspläne
- weitere medizinische Dokumente
Für viele Versicherte kam der Zugriffsausfall überraschend und sorgte für Verunsicherung.
Keine Daten gelöscht, aber Verknüpfung unterbrochen
Die AOK Bayern betont, dass es sich nicht um einen Cyberangriff gehandelt habe. Auch ein Datenverlust sei nicht eingetreten. Die Gesundheitsdaten seien weiterhin verschlüsselt in der Telematikinfrastruktur gespeichert.
Problematisch war vielmehr die kryptografische Verknüpfung zwischen der Identität des Versicherten und dem jeweiligen Datenspeicher. Diese Verbindung wurde durch den Fehler getrennt. Ohne sie ist ein Zugriff auf die Daten technisch nicht möglich, selbst wenn die Inhalte noch vorhanden sind.
Ein IT-Sicherheitsexperte erklärt:
„Bei hochsicheren Systemen reicht schon eine fehlerhafte Zuordnung, um den Zugriff komplett zu blockieren.“
Wiederherstellung ist komplex
Die Wiederherstellung der betroffenen ePA-Zugänge erfolgt in Zusammenarbeit mit den beteiligten IT-Dienstleistern und der zuständigen Infrastrukturorganisation. Aufgrund der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist dieser Prozess jedoch aufwendig und zeitintensiv.
Die Krankenkasse informierte die Betroffenen per E-Mail darüber, dass intensiv an einer Lösung gearbeitet werde. Ziel sei es, alle Dokumente verlustfrei wieder in der neuen ePA bereitzustellen.
Hohe Sicherheitsstandards schützen zwar die Daten, erschweren aber gleichzeitig schnelle Korrekturen bei technischen Fehlern.

Wie viele Versicherte betroffen sind
Laut AOK Bayern entspricht die Zahl der betroffenen Konten etwa 0,14 Prozent der bayerischen Versicherten. Auch wenn der Anteil gering erscheint, hat der Vorfall eine große symbolische Wirkung.
Gerade weil es um sensible Gesundheitsinformationen geht, reagieren Nutzer besonders kritisch auf Störungen.
Bedeutung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens
Der Vorfall ereignet sich zu einem kritischen Zeitpunkt. Anfang 2025 wurde in Deutschland das Opt-out-Verfahren eingeführt. Seitdem wird für Versicherte automatisch eine elektronische Patientenakte angelegt, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen.
Kritiker sehen in solchen Pannen eine Bestätigung ihrer Sorgen. Sie befürchten:
- technische Instabilität
- mangelnde Transparenz
- Probleme bei zentraler Datenspeicherung
- Vertrauensverlust bei den Nutzern
Ein Gesundheitsökonom sagt:
„Nicht die Anzahl der Betroffenen ist entscheidend, sondern das Signal, das solche Fehler senden.“
Reaktionen von Nutzern
In Kommentaren und Diskussionen zeigten sich viele Versicherte irritiert. Besonders häufig fiel der Hinweis, dass Daten zwar „nicht weg“ seien, man aber nicht mehr herankomme. Für Nutzer, die ihre ePA aktiv im Alltag verwenden, ist das ein ernstes Problem.
Ein Nutzer kommentierte sinngemäß, dass Vertrauen schnell verloren gehe, wenn grundlegende Funktionen nicht zuverlässig verfügbar seien.
Überblick: Der Vorfall in Zahlen
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Betroffene Akten | ca. 6.400 |
| Ursache | fehlerhafte Systemumstellung |
| Datenverlust | nein |
| Zugriff | zeitweise gesperrt |
| Anteil Versicherte | ca. 0,14 % |
| Sicherheitsvorfall | ausgeschlossen |
Was die AOK Bayern nun tun muss
Für die AOK Bayern steht nun viel auf dem Spiel. Neben der technischen Wiederherstellung geht es vor allem darum, das Vertrauen in die elektronische Patientenakte zu sichern. Transparente Kommunikation und schnelle Lösungen gelten als entscheidend, um weiteren Schaden abzuwenden.
Der Vorfall zeigt, wie sensibel die digitale Gesundheitsinfrastruktur ist. Selbst kleine technische Fehler können große Auswirkungen haben – nicht nur technisch, sondern auch im Vertrauen der Versicherten.