Nach dem jüngsten Wintereinbruch fragen sich viele Menschen in Mitteleuropa: Ist der Winter endgültig vorbei – oder bringt der Polarwirbel 2026 noch einmal einen drastischen Kälteeinbruch im März? Die aktuellen Wettermodelle liefern keine eindeutige Antwort. Klar ist lediglich, dass eine stabile Frühlingsphase keineswegs garantiert ist,die monrose.de berichtet mit derstandard.de.
Die Atmosphäre befindet sich in einer sensiblen Übergangsphase. Hochdruckeinfluss sorgt aktuell für milde Temperaturen zwischen 8 und 20 Grad. Doch Meteorologen warnen: Diese Lage könnte sich ändern.
Noch ist es ruhig. Noch fühlt sich vieles nach Frühling an. Doch im Hintergrund arbeiten größere Kräfte.
Ein Meteorologe erklärt:
„Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es im März noch einmal kälter wird. Ob daraus ein extremer Märzwinter entsteht, lässt sich derzeit nicht seriös prognostizieren.“
Der Polarwirbel im Fokus der Forschung
Im Zentrum der Diskussion steht der Polarwirbel, ein riesiges Tiefdrucksystem in der Stratosphäre über der Arktis. Dieses System aus kalter Luft beeinflusst indirekt auch das Wetter in Europa.
Charakteristisch für den Polarwirbel ist sein starkes Mäandrieren. Das bedeutet: Er verändert regelmäßig seine Form und Position. Ein stabiler Wirbel begünstigt mildes Westwetter. Ein gestörter oder geschwächter Wirbel kann dagegen kalte Luftmassen nach Süden lenken.

Aktuelle Entwicklung: Cold Stratospheric Event
Derzeit wird von einem Cold Stratospheric Event (CSE) gesprochen. Dabei kühlt sich die polare Stratosphäre stark ab, was zu einem kräftigeren und stabileren Wirbel führt.
Ein stabiler Wirbel bedeutet:
- stärkere Westwinde
- mildere Luftströmungen in Mitteleuropa
- geringere Wahrscheinlichkeit für Kaltluftausbrüche
Doch die Lage bleibt komplex.
„Der Polarwirbel ist kein Schalter, den man einfach umlegt“, betont ein Atmosphärenforscher.
Split oder Displacement – Warum das entscheidend ist
Kritisch wird es, wenn der Wirbel nicht als geschlossener Ring auftritt, sondern sich verschiebt oder teilt. Meteorologen sprechen dann von Split oder Displacement.
In solchen Fällen kann es passieren, dass kalte Luft aus Nord- oder Osteuropa weit nach Süden vorstößt. Das ist die meteorologische Grundlage für mögliche Szenarien eines extremen Märzwinter 2026.
Ein kleiner Riss im System. Eine Verschiebung im Jetstream. Und plötzlich kippt die Wetterlage.
| Szenario | Wirkung auf Europa | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Stabiler Polarwirbel | Mildes Westwetter | Aktuell erhöht |
| Verschobener Wirbel | Wechselhaft, kühl | Möglich |
| Split des Wirbels | Kälteeinbruch, Schnee | Unklar |
Rolle des Jetstreams und der Madden-Julian-Oszillation
Neben dem Polarwirbel beeinflusst auch der Jetstream Europa die Wetterentwicklung. Seine Position entscheidet darüber, ob kalte oder milde Luftmassen dominieren.
Zusätzlich spielt die Madden-Julian-Oszillation (MJO) eine Rolle. Dieses tropische Wettermuster kann globale Strömungen über Wochen beeinflussen.
Je nach Phase kann die MJO:
- Hochdrucklagen stärken
- Kaltluftausbrüche begünstigen
- Westströmungen abschwächen
Ein Klimawissenschaftler erklärt:
„Die Wechselwirkung zwischen Tropenimpulsen und Polarwirbel ist hochkomplex. Kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben.“
Historische Beispiele zeigen Potenzial
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass stratosphärische Ereignisse durchaus drastische Folgen haben können. Anfang Februar 2021 kam es in Teilen Europas zu massiven Schneefällen und starkem Ostwind.

Solche Lagen entstehen typischerweise, wenn:
- kalte Kontinentalluft auf feuchtere Atlantikluft trifft
- blockierende Hochdruckgebiete Skandinavien dominieren
- Tiefdrucksysteme im Süden Feuchtigkeit liefern
Was sagen die aktuellen Modelle?
Für die ersten Märztage 2026 zeigen die Prognosen weiterhin eher mildes Wetter. Doch mittelfristig steigt die Wahrscheinlichkeit eines Temperaturrückgangs.
Ob daraus jedoch ein außergewöhnlicher Wintereinbruch im März 2026 wird, bleibt offen.
Die Atmosphäre ist kein Uhrwerk. Sie reagiert empfindlich auf kleinste Impulse. Und genau das macht Prognosen schwierig.
Zusammenfassung der aktuellen Lage
Die wichtigsten Faktoren im Überblick:
- Polarwirbel Stabilisierung durch Cold Stratospheric Event
- Möglichkeit eines Polarwirbel-Splits
- Einfluss des Jetstreams
- Tropische Signale durch die MJO
- Regionale Hochdruckblockaden
Die seriöseste Einschätzung lautet derzeit: Ein Kälteeinbruch ist möglich, ein extremer Märzwinter jedoch nicht sicher vorhersagbar. Ob sich der Frühling durchsetzt oder der Winter noch einmal zurückkehrt, wird sich in den kommenden Tagen klarer zeigen. Die Dynamik zwischen Stratosphäre und Troposphäre entscheidet letztlich darüber, welche Wetterseite gewinnt.