Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein

Nach dem Urteil in Stuttgart zieht Ritter Sport im Streit um die quadratische Form eines Haferriegels vor das Oberlandesgericht.

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Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein

Der Konflikt um das berühmte Quadrat von Ritter Sport geht in die nächste Runde. Nach der Niederlage vor dem Landgericht Stuttgart hat der Schokoladenhersteller Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt, die  monrose.de berichtet mit bild.de.

Damit bleibt der Streit um einen quadratischen Haferriegel weiter aktuell und beschäftigt nun eine höhere gerichtliche Instanz. Für Ritter Sport steht dabei weit mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Produkt. Es geht um den Schutz eines der bekanntesten Markenzeichen Deutschlands.

Das Quadrat ist für das Unternehmen nicht nur eine Verpackungsform, sondern ein zentrales Element der Markenidentität. Genau deshalb will Ritter Sport das Urteil nicht akzeptieren.

Worum es im Rechtsstreit konkret geht

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht der „Monnemer Quadrat Bio“, ein quadratischer Haferriegel eines Mannheimer Herstellers. Das Landgericht Stuttgart hatte die Klage von Ritter Sport Anfang des Jahres abgewiesen. Nach Ansicht des Gerichts liege keine Markenverletzung vor, da es sich um unterschiedliche Produktkategorien handle.

Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein
Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein

Ritter Sport widerspricht dieser Einschätzung deutlich. Der Konzern argumentiert, dass Schokolade und Haferriegel aus Sicht der Verbraucher ähnliche Produkte seien. Beide würden von derselben Zielgruppe gekauft und zu vergleichbaren Anlässen konsumiert. Genau darin sieht das Unternehmen die Gefahr einer Verwechslung.

Ein Markenrechtsexperte ordnet ein:

„Bei bekannten Formenmarken spielt die Wiedererkennung eine enorme Rolle. Entscheidend ist nicht nur das Produkt, sondern das Gesamtbild beim Konsumenten.“

Warum Ritter Sport auf das Quadrat pocht

Das quadratische Verpackungsdesign von Ritter Sport ist seit 1996 markenrechtlich geschützt und gilt als eines der stärksten Wiedererkennungsmerkmale im deutschen Einzelhandel. Der Hersteller befürchtet, dass eine Verwässerung dieser Form langfristig den Markenwert beschädigen könnte.

Aus Sicht des Unternehmens sprechen mehrere Punkte für die Berufung:

  • starke Bekanntheit des Quadrats
  • ähnliche Nutzungssituationen der Produkte
  • gleiche Verkaufsumfelder im Handel
  • Gefahr der Markenverwässerung
  • langfristige Auswirkungen auf den Markenschutz

Diese Argumente sollen nun vor dem Oberlandesgericht erneut geprüft werden.

Folgen für den Hersteller des Haferriegels

Für den Mannheimer Anbieter hatte der Rechtsstreit bereits spürbare Konsequenzen. Der quadratische Haferriegel wurde zeitweise aus dem Online-Sortiment genommen. Stattdessen brachte das Unternehmen einen länglichen Riegel unter einem neuen Namen auf den Markt.

Der Gründer erklärte dazu:

„Solange der Streit nicht endgültig geklärt ist, wäre jeder weitere Verkauf ein Risiko.“

Hintergrund sind mögliche Schadenersatzforderungen, falls Ritter Sport in einer höheren Instanz doch noch Recht bekommt. Je länger sich das Verfahren hinzieht, desto größer könnte das wirtschaftliche Risiko werden.

Der Fall zeigt, wie stark juristische Auseinandersetzungen selbst junge und kleine Marken beeinflussen können.

Warum der Streit nun in die nächste Instanz geht

Schon während des erstinstanzlichen Verfahrens hatte Ritter Sport deutlich gemacht, eine Niederlage nicht einfach hinzunehmen. Die Berufung beim Oberlandesgericht war daher ein erwarteter Schritt. Dort wird der Fall nun neu bewertet, sowohl rechtlich als auch in Bezug auf die Marktwirkung.

Juristen rechnen damit, dass sich das Verfahren über Monate, möglicherweise sogar Jahre, ziehen könnte. Gerade bei Formmarken sind die Bewertungen oft komplex und stark vom Einzelfall abhängig.

Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein
Ritter Sport legt Berufung im Streit um das Quadrat ein

Bedeutung des Falls für das Markenrecht

Der Streit um das Ritter-Sport-Quadrat wird in Fachkreisen aufmerksam verfolgt. Er könnte Signalwirkung für ähnliche Fälle haben, bei denen es um geschützte Formen und deren Nutzung durch andere Hersteller geht.

Ein Branchenbeobachter sagt:

„Das Urteil könnte darüber entscheiden, wie weit der Schutz von bekannten Verpackungsformen künftig reicht.“

Zentrale Argumente im Überblick

AspektPosition Ritter SportPosition Gegenseite
Produktnäheähnliche Zielgruppeunterschiedliche Kategorien
Verpackungstarkes Markenzeichenfunktionale Form
Verwechslungsgefahrhochgering
Markenschutzbedrohtnicht betroffen

Was als Nächstes zu erwarten ist

Mit der Berufung ist klar: Der Quadrat-Streit wird den Markt noch länger beschäftigen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung bleibt unklar, ob der quadratische Haferriegel dauerhaft vom Markt verschwinden muss oder nicht. Für Ritter Sport geht es um die Verteidigung eines Symbols, für den kleineren Hersteller um die wirtschaftliche Existenz eines Produkts.

Der Fall zeigt eindrücklich, wie emotional, wirtschaftlich und rechtlich aufgeladen der Schutz einer Form sein kann – besonders dann, wenn sie über Jahrzehnte zum Synonym einer Marke geworden ist.