Für viele Berliner Fahrgäste wird es erneut schwierig: Der nächste BVG-Streik in Berlin steht bevor – und diesmal dauert der Ausstand ganze 48 Stunden. Die Gewerkschaft Verdi ruft rund 16.000 Beschäftigte der Berliner Verkehrsbetriebe dazu auf, am Freitag und Sonnabend die Arbeit niederzulegen. Betroffen sind sämtliche U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen der BVG. Hintergrund ist der weiterhin ungelöste Tarifkonflikt um einen neuen Manteltarifvertrag, die monrose.de berichtet mit berliner-zeitung.de.
Der zweite Warnstreik 2026 beginnt am 27. Februar um 3 Uhr morgens und endet am 1. März ebenfalls gegen 3 Uhr zum Betriebsbeginn. Viele Pendler fragen sich nun, wie sie ohne den gewohnten Nahverkehr Berlin ans Ziel kommen sollen.
Verdi erhöht den Druck im Tarifstreit
Nach Angaben der Gewerkschaft kommen die Verhandlungen kaum voran. Bereits Anfang Februar hatte es eine erste 24-stündige Arbeitsniederlegung gegeben. Nun wird der Druck verdoppelt.

„Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran“, erklärte Christine Behle, Vize-Vorsitzende von Verdi.
In einer internen Befragung stimmten 4.064 von 4.927 teilnehmenden Beschäftigten für eine Verschärfung der Maßnahmen. Die Gewerkschaft sieht sich durch diese Mehrheit legitimiert, den Druck weiter zu erhöhen.
Ein Arbeitsmarktexperte kommentiert: „Warnstreiks sind ein klassisches Mittel, wenn Gespräche stagnieren. Zwei Tage Stillstand senden ein deutliches Signal.“
Die Fronten sind verhärtet. Beide Seiten sehen sich im Recht. Eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht.
Welche Forderungen stehen im Raum?
Im Mittelpunkt steht nicht die Lohnerhöhung, sondern Arbeitsbedingungen und Entlastung. Zu den zentralen Forderungen gehören:
- 33 Tage Urlaub pro Jahr
- Verdoppeltes Urlaubsgeld
- 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
- Elf Stunden Ruhezeit zwischen Schichten
- Längere Wendezeiten an Endhaltestellen
Gewerkschaftsvertreter argumentieren, dass es um Gesundheitsschutz und menschenwürdige Arbeitsbedingungen gehe.
„Bei den Wendezeiten geht es nicht nur um Würde, sondern auch um Gesundheitsschutz“, betonte Verhandlungsführer Serat Canyurt.
Die Arbeitgeberseite hält viele Forderungen für nicht finanzierbar.
BVG warnt vor massiven Mehrkosten
Die BVG rechnet mit erheblichen Zusatzkosten, sollten die Forderungen umgesetzt werden. Interne Berechnungen sprechen von einem dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr.
| Bereich | Geschätzte Zusatzkosten |
|---|---|
| Teile der Forderungen | ca. 149 Mio. Euro jährlich |
| Mehr Personal | rund 1.330 Vollzeitstellen |
| Zusätzliche Fahrzeuge | bis zu 225 Mio. Euro |
| Infrastrukturmaßnahmen | bis zu 300 Mio. Euro |
Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe erklärte mehrfach, dass dies „jeglichen wirtschaftlichen Rahmen sprenge“. Die BVG verweist darauf, dass erst im Frühjahr 2025 ein neuer Entgelttarifvertrag abgeschlossen wurde, der die Personalkosten bereits deutlich erhöht habe.
Ein Wirtschaftsexperte sagt: „Der finanzielle Spielraum kommunaler Unternehmen ist begrenzt. Jede strukturelle Änderung wirkt langfristig.“
Was bedeutet der Streik für Fahrgäste?
Der BVG Streik Berlin 2026 trifft große Teile der Hauptstadt. U-Bahn, Bus und Tram stehen 48 Stunden still. Die S-Bahn Berlin ist nicht betroffen, da sie zur Deutschen Bahn gehört. Auch Regionalzüge verkehren.
Zusätzlich bleiben bestimmte Buslinien privater Betreiber sowie die Fähren F10, F11 und F12 im Einsatz. Sharing-Angebote wie E-Scooter und Fahrräder sind ebenfalls verfügbar.
Ein Pendler aus Lichtenberg äußert sich kritisch:
„Schon beim letzten Streik war es chaotisch. Zwei Tage sind für viele eine enorme Belastung.“
Viele Berliner reagieren genervt. Andere zeigen Verständnis für die Forderungen der Beschäftigten. Die Stimmung ist gespalten.

Weitere Warnstreiks möglich
Sechs weitere Verhandlungstermine sind angesetzt. Die nächste Runde ist für Anfang März geplant. Sollte keine Einigung erzielt werden, sind weitere Warnstreiks im Nahverkehr nicht ausgeschlossen.
Parallel laufen auch Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn. Sollte dort ebenfalls keine Lösung gefunden werden, könnte perspektivisch auch die S-Bahn Berlin von Arbeitskämpfen betroffen sein.
Ein Verkehrsexperte warnt: „Wenn mehrere Verkehrsträger gleichzeitig streiken, droht Berlin eine massive Mobilitätskrise.“
Tarifkonflikt ohne Ende?
Der Konflikt zwischen Verdi und der BVG zeigt, wie schwierig es ist, wirtschaftliche Grenzen und soziale Forderungen in Einklang zu bringen. Während die Gewerkschaft auf bessere Arbeitsbedingungen pocht, verweist das Unternehmen auf steigende Kosten und begrenzte Mittel.
Der erneute 48-Stunden-Streik der BVG verdeutlicht die angespannte Lage im Berliner Nahverkehr. Für die Fahrgäste bedeutet das erneut Einschränkungen, längere Wege und volle Züge bei alternativen Verkehrsmitteln. Ob die kommenden Gespräche Bewegung in den festgefahrenen Tarifstreit bringen, bleibt offen – doch die Wahrscheinlichkeit weiterer Arbeitsniederlegungen ist hoch.