Kaum ein Medikament ist so verbreitet wie Aspirin. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wird seit über 100 Jahren eingesetzt – gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Doch neue wissenschaftliche Auswertungen zeigen, dass eine regelmäßige Einnahme nicht immer sinnvoll ist, die monrose.de berichtet mit focus.de.
Besonders die Diskussion um Herzinfarkt-Prävention und Krebs-Vorbeugung hat zuletzt neue Dynamik erhalten. Experten warnen davor, ASS ohne ärztlichen Rat dauerhaft einzunehmen.
Ein Medikament kann helfen. Es kann aber auch Risiken bergen. Entscheidend ist die richtige Anwendung.
Wie Aspirin im Körper wirkt
Wenn von Aspirin gesprochen wird, ist meist der Wirkstoff Acetylsalicylsäure gemeint. Er gehört zur Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR).

ASS hemmt die Enzyme COX-1 und COX-2, die an der Bildung von schmerz- und entzündungsvermittelnden Botenstoffen beteiligt sind. Dadurch wirkt das Medikament:
- schmerzlindernd
- fiebersenkend
- entzündungshemmend
- blutgerinnungshemmend
Professor Martin Keller, Pharmakologe, erklärt:
„Die Hemmung der Blutplättchen ist medizinisch besonders relevant, da sie das Risiko von Thrombosen reduzieren kann.“
Genau dieser Effekt macht ASS in der Kardiologie bedeutsam.
Nachgewiesener Nutzen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall wird ASS häufig in niedriger Dosierung eingesetzt. Die blutverdünnende Wirkung verhindert das Verklumpen von Blutplättchen.
Studien zeigen, dass insbesondere Menschen mit bereits bestehenden Gefäßerkrankungen profitieren können. Hier überwiegt oft der Nutzen.
| Anwendungsbereich | Bewertung |
|---|---|
| Sekundärprävention nach Herzinfarkt | klarer Nutzen |
| Nach Gefäßoperationen | empfohlen |
| Akute leichte Schmerzen | wirksam |
| Primärprävention bei Gesunden | umstritten |
Allerdings betonen Fachgesellschaften, dass gesunde Menschen ohne Risikofaktoren ASS nicht vorsorglich einnehmen sollten.
Neue Studien stellen Krebs-Prävention infrage
Immer wieder wurde berichtet, dass eine langfristige Einnahme von Aspirin das Risiko für Darmkrebs senken könne. Ältere Studien deuteten auf mögliche Vorteile hin.
Eine aktuelle Auswertung des unabhängigen Cochrane Netzwerks, die fast 125.000 Teilnehmer umfasste, kommt jedoch zu einem differenzierteren Ergebnis. Demnach bietet die regelmäßige Einnahme bei Menschen mit durchschnittlichem Risiko wahrscheinlich keinen Schutz innerhalb der ersten fünf bis 15 Jahre.
„Das Blutungsrisiko steigt sofort messbar an“, heißt es in der Analyse.
Besonders problematisch: innere Blutungen und möglicherweise auch Hirnblutungen treten signifikant häufiger auf.

Nebenwirkungen und Risiken von ASS
Wie jedes Medikament hat auch Aspirin Nebenwirkungen. Besonders betroffen ist der Magen-Darm-Trakt, da die COX-Enzyme auch an der Magensäureproduktion beteiligt sind.
Häufige Beschwerden sind:
- Sodbrennen
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- erhöhte Blutungsneigung
In seltenen Fällen kann es zu schweren Komplikationen kommen, etwa Magenblutungen, Geschwüren oder Hirnblutungen.
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Diese medizinische Regel gilt auch für ASS. Besonders bei langfristiger Einnahme steigt das Risiko.
Eine Kardiologin aus München betont:
„Die individuelle Risikoabwägung ist entscheidend. ASS ist kein harmloses Vitaminpräparat.“
Kombination mit anderen Wirkstoffen
In vielen Erkältungsmitteln wird ASS mit Pseudoephedrin kombiniert. Dieser Wirkstoff wirkt abschwellend, kann jedoch den Kreislauf belasten.
Menschen mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzproblemen sollten besonders vorsichtig sein.
Wann Vorsicht geboten ist
Besonders kritisch ist die Einnahme bei:
- Personen mit Magenproblemen
- Patienten mit erhöhter Blutungsneigung
- älteren Menschen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung
- gleichzeitiger Einnahme anderer NSAR
Die neuesten Langzeitdaten zeigen zudem, dass selbst nach Absetzen von ASS bei zuvor gesunden Personen kein klarer kardiovaskulärer Vorteil nachweisbar war.
Fazit der aktuellen Studienlage
Aspirin bleibt ein wichtiges Medikament mit klar belegter Wirksamkeit bei bestimmten Indikationen. Bei der Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen überwiegt häufig der Nutzen. Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren ist die regelmäßige Einnahme jedoch kritisch zu betrachten.
Die aktuelle Studienlage verdeutlicht, dass insbesondere bei der Primärprävention Vorsicht geboten ist. Das Risiko schwerer Blutungen darf nicht unterschätzt werden.
Die Entscheidung für oder gegen eine dauerhafte Einnahme von Acetylsalicylsäure sollte stets individuell und in enger Absprache mit einem Arzt erfolgen.