Der Deutsche Fußball-Bund steht vor einer umfassenden personellen und sportlichen Neuordnung. Während Jürgen Klopp als zentrale Figur für den Posten des Bundestrainers gehandelt wird, rückt nun auch Per Mertesacker beim DFB stärker in den Mittelpunkt. Uli Hoeneß hat sich öffentlich dafür ausgesprochen, dem Weltmeister von 2014 eine verantwortungsvolle Aufgabe im Verband zu übertragen. Nach Ansicht des Ehrenpräsidenten des FC Bayern bringt Mertesacker genau jene internationale Erfahrung, Glaubwürdigkeit und Führungsqualität mit, die der deutsche Fußball in seiner aktuellen Lage benötigt, die monrose.de berichtet mit bild.de.
Die Überlegungen beschränken sich dabei offenbar nicht allein auf die Nationalmannschaft. Auch in den Führungsstrukturen, in der Nachwuchsförderung und bei der langfristigen sportlichen Ausrichtung sind Veränderungen zu erwarten. Zusätzlicher Handlungsdruck entsteht, weil Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig seinen bis zum 31. Dezember 2026 laufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern wird. Der DFB muss daher nicht nur einen neuen Bundestrainer finden, sondern zugleich wichtige Zuständigkeiten innerhalb des Verbandes neu verteilen.
Hoeneß hält Mertesacker für den richtigen Mann
Uli Hoeneß sieht in Per Mertesacker einen Kandidaten, der dem Verband sowohl sportlich als auch strukturell helfen könnte. Besonders beeindruckt zeigt sich der 74-Jährige von den Auftritten des früheren Nationalspielers als ZDF-Experte. Mertesacker äußere Kritik sachlich, verständlich und ohne persönliche Angriffe. Diese Fähigkeit, klare Positionen zu vertreten und dennoch respektvoll zu bleiben, könne für eine Führungsfunktion beim DFB von großer Bedeutung sein.
„Alles, was Per Mertesacker im Fernsehen sagt, hat Hand und Fuß. Er ist nie beleidigend und trotzdem kritisch“, erklärte Uli Hoeneß gegenüber der „Bild“.
Hoeneß verwies außerdem auf Mertesackers langjährige Tätigkeit beim FC Arsenal. Acht Jahre lang leitete der ehemalige Innenverteidiger die Nachwuchsakademie des englischen Spitzenklubs. Für Hoeneß ist diese Erfahrung ein deutlicher Beleg dafür, dass Mertesacker nicht nur den Profifußball kennt, sondern auch komplexe Ausbildungsstrukturen führen und weiterentwickeln kann.
Der DFB benötigt derzeit mehr als prominente Namen. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, eine langfristige Strategie und Verantwortliche, die auch schwierige Entscheidungen durchsetzen können. Mertesacker könnte dabei eine Verbindung zwischen sportlicher Praxis, moderner Ausbildung und glaubwürdiger Kommunikation herstellen.
Drei Argumente sprechen aus Sicht von Hoeneß für Mertesacker
Der langjährige Bayern-Verantwortliche begründet seine Unterstützung nicht allein mit Mertesackers Bekanntheit als Weltmeister. Für ihn sind vor allem dessen Karriereweg, sein Umgang mit Menschen und seine persönliche Motivation entscheidend. Hoeneß glaubt, dass der frühere Abwehrspieler eine Aufgabe im Verband nicht aus finanziellen Gründen übernehmen würde, sondern aus dem Wunsch heraus, etwas Nachhaltiges aufzubauen.

Aus den Aussagen von Hoeneß lassen sich drei zentrale Argumente ableiten:
- Mertesacker verfügt über große internationale Erfahrung als Spieler und Funktionär.
- Er gilt als kommunikationsstark und kann unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenführen.
- Seine Motivation dürfte vor allem in der sportlichen Gestaltung und nicht im möglichen Gehalt liegen.
Diese Eigenschaften könnten für den DFB besonders wertvoll werden. Der Verband steht nicht nur vor der Aufgabe, kurzfristig neue Verantwortliche einzusetzen. Er muss zugleich Vertrauen zurückgewinnen, die Ausbildung junger Spieler verbessern und eine sportliche Linie entwickeln, die von den Nachwuchsmannschaften bis zur A-Nationalmannschaft reicht.
„Genau diese Leute, die sich selbst hochgedient haben und bereit sind, hart zu arbeiten, brauchen wir jetzt“, betonte Hoeneß.
Mertesacker bringt Erfahrung aus Deutschland und England mit
Per Mertesacker kennt den deutschen Fußball aus unterschiedlichen Perspektiven. Er absolvierte 104 Länderspiele, nahm an mehreren großen Turnieren teil und gewann 2014 mit der Nationalmannschaft den Weltmeistertitel in Brasilien. Auf Vereinsebene spielte er unter anderem für Hannover 96, Werder Bremen und den FC Arsenal. Dadurch sammelte er Erfahrungen in der Bundesliga, in der Premier League und im internationalen Vereinsfußball.
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn übernahm er bei Arsenal eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Nachwuchsabteilung. Dort musste er nicht nur junge Spieler sportlich entwickeln, sondern auch Trainer koordinieren, Ausbildungswege definieren und Talente auf den Übergang in den Profibereich vorbereiten. Gerade diese Arbeit macht ihn für einen Verband interessant, der seine Nachwuchsstrukturen grundlegend überprüfen will.
| Bereich | Erfahrung von Per Mertesacker | Möglicher Nutzen für den DFB |
|---|---|---|
| Nationalmannschaft | 104 Länderspiele und Weltmeister 2014 | Kennt die Anforderungen großer Turniere |
| Bundesliga | Stationen bei Hannover und Bremen | Versteht die Strukturen deutscher Vereine |
| Premier League | Langjährige Zeit beim FC Arsenal | Internationale Perspektive und moderne Methoden |
| Nachwuchsarbeit | Acht Jahre Leiter der Arsenal-Akademie | Erfahrung bei Talentförderung und Trainerentwicklung |
| Medienarbeit | Regelmäßiger ZDF-Experte | Klare und glaubwürdige Kommunikation |
| Führung | Verantwortung für eine große Akademie | Kenntnisse in Organisation und Personalführung |
Mertesackers Profil unterscheidet sich damit von vielen früheren Nationalspielern, die nach ihrer Karriere vor allem als Trainer, Berater oder TV-Experten gearbeitet haben. Er verfügt bereits über praktische Leitungserfahrung in einer international anerkannten Nachwuchsorganisation. Das könnte ihm helfen, nicht nur Ideen zu formulieren, sondern auch konkrete Reformen umzusetzen.
Die Nachwuchsarbeit wird zur zentralen Aufgabe
Im Mittelpunkt einer möglichen Tätigkeit von Mertesacker könnte die DFB-Nachwuchsförderung stehen. Deutschland verfügt weiterhin über zahlreiche Ausbildungszentren, professionelle Trainer und gut organisierte Vereinsstrukturen. Dennoch wird seit Jahren darüber diskutiert, ob junge Talente ausreichend individuell gefördert werden und früh genug Spielpraxis auf höchstem Niveau erhalten.
Andere Fußballnationen haben in den vergangenen Jahren gezielt technische Fähigkeiten, Kreativität und Entscheidungsstärke gefördert. Frankreich wird häufig als Beispiel genannt, weil dort regelmäßig Spieler aus leistungsstarken Akademien in die europäischen Topligen gelangen. Der DFB steht deshalb vor der Frage, wie Talente nicht nur entdeckt, sondern langfristig auf das Niveau der internationalen Spitze gebracht werden können.
Eine Reform müsste verschiedene Ebenen miteinander verbinden. Dazu gehören die Talentstützpunkte, Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs, Junioren-Nationalmannschaften und die Ausbildung der Trainer. Gleichzeitig müsste stärker darauf geachtet werden, dass Spieler unterschiedliche Positionen kennenlernen und nicht zu früh auf körperliche Vorteile reduziert werden.
Ein langjähriger Nachwuchstrainer erklärte zur aktuellen Debatte: „Deutschland hat nicht zu wenige Talente. Die entscheidende Frage ist, ob die besten Spieler zur richtigen Zeit die richtige Förderung und genügend Verantwortung erhalten.“
Mertesacker könnte bei dieser Aufgabe von seinen Erfahrungen in England profitieren. Bei Arsenal arbeitete er in einem Umfeld, in dem technische Ausbildung, Persönlichkeitsentwicklung und der Übergang zum Profifußball eng miteinander verbunden werden. Eine direkte Übertragung des englischen Modells wäre zwar kaum möglich, einzelne Elemente könnten jedoch in eine neue deutsche Ausbildungsstrategie einfließen.
Mertesacker zeigt sich offen für eine DFB-Aufgabe
Der ehemalige Nationalspieler hat grundsätzlich erkennen lassen, dass ihn eine spätere Tätigkeit für den DFB interessieren würde. Er verwies darauf, dem deutschen Fußball viel zu verdanken zu haben. Eine verantwortliche Aufgabe im Verband könnte für ihn daher eine Möglichkeit sein, seine Erfahrungen weiterzugeben und an einer langfristigen Erneuerung mitzuwirken.
„Irgendwann mal beim DFB zu arbeiten und dem deutschen Fußball, dem ich so viel zu verdanken habe, etwas zurückzugeben, reizt mich. Dafür stehe ich natürlich zur Verfügung“, sagte Mertesacker im ZDF.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass finanzielle Aspekte für ihn nicht im Mittelpunkt stehen würden. Vereine und große Fußballkonzerne könnten Führungskräften häufig deutlich höhere Gehälter zahlen als ein nationaler Verband. Nach Ansicht Mertesackers braucht der DFB jedoch gerade jetzt Menschen, die bewusst Verantwortung übernehmen und Veränderungen anstoßen wollen.
Diese Haltung dürfte Hoeneß in seiner Einschätzung bestärken. Der Bayern-Ehrenpräsident fordert seit Jahren, dass sportliche Führungspositionen mit Persönlichkeiten besetzt werden, die praktische Erfahrung, Durchsetzungsvermögen und eine klare Vorstellung vom Fußball mitbringen. Mertesacker erfüllt aus seiner Sicht mehrere dieser Voraussetzungen.
Der Abgang von Andreas Rettig schafft zusätzlichen Handlungsdruck
Die Diskussion über Mertesacker fällt in eine Phase, in der der DFB mehrere Schlüsselpositionen überprüfen muss. Andreas Rettig wird den Verband zum Jahresende verlassen. Nach offiziellen Angaben steht seine Entscheidung nicht im Zusammenhang mit dem Verlauf der Weltmeisterschaft. Er hatte DFB-Präsident Bernd Neuendorf bereits vor dem Turnier darüber informiert, seinen Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern zu wollen.

Damit wird die Position des Geschäftsführers Sport neu zu besetzen sein. Ob Mertesacker unmittelbar für diesen Posten infrage kommt oder eine speziell auf Nachwuchsförderung und sportliche Entwicklung zugeschnittene Funktion übernehmen könnte, ist bislang nicht offiziell entschieden. Denkbar wäre auch eine neue Aufgabenverteilung, bei der operative Verbandsarbeit, Nationalmannschaften und Talententwicklung stärker voneinander getrennt werden.
| Offene Frage beim DFB | Aktueller Stand |
| Neuer Bundestrainer | Jürgen Klopp gilt als wichtigster Kandidat |
| Nachfolge von Andreas Rettig | Noch keine endgültige Entscheidung bekannt |
| Rolle von Per Mertesacker | Kandidat für eine verantwortliche Funktion |
| Zukunft der Nachwuchsförderung | Grundlegende Reformen werden diskutiert |
| Aufgabenverteilung im Sportbereich | Könnte im Zuge des Umbaus verändert werden |
Für den Verband besteht die Herausforderung darin, nicht lediglich einzelne Namen auszutauschen. Ohne eine klare Struktur könnten auch bekannte Persönlichkeiten nur begrenzt Wirkung entfalten. Deshalb dürfte entscheidend sein, welche Kompetenzen ein möglicher neuer Verantwortlicher tatsächlich erhält und wie eng er mit dem Bundestrainer, den Nachwuchsteams und den Vereinen zusammenarbeiten kann.
Klopp allein kann die Probleme nicht lösen
Die mögliche Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer sorgt für große Erwartungen. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool gilt als charismatischer Motivator, der Mannschaften emotional erreichen und sportlich weiterentwickeln kann. Zugleich wird innerhalb der deutschen Fußballöffentlichkeit zunehmend betont, dass ein Trainerwechsel allein nicht ausreichen wird.
Klopp selbst hat nach Medienberichten darauf hingewiesen, dass die Position des Nationaltrainers nur ein Teil der notwendigen Veränderungen sei. Parallel müssten wichtige Gespräche über die grundsätzliche Entwicklung des deutschen Fußballs geführt werden. Auch deshalb gewinnt die mögliche Einbindung von Mertesacker an Bedeutung.
Ein neuer Bundestrainer arbeitet überwiegend mit Spielern, die bereits in den Vereinen ausgebildet wurden. Strukturelle Defizite in der Talentförderung kann er während weniger Lehrgänge im Jahr kaum beheben. Dafür braucht es Verantwortliche, die über mehrere Jahre hinweg Konzepte entwickeln, Trainer ausbilden und gemeinsam mit den Klubs verbindliche Ziele formulieren.
Ein ehemaliger Bundesliga-Funktionär ordnete die Situation so ein: „Ein großer Trainer kann kurzfristig Energie freisetzen. Dauerhafter Erfolg entsteht aber erst, wenn Ausbildung, Vereinsarbeit und Nationalmannschaften dieselbe Richtung verfolgen.“
Welche Rolle für Mertesacker denkbar wäre
Noch ist offen, welche konkrete Position der DFB Per Mertesacker anbieten könnte. Seine bisherige Laufbahn spricht besonders für eine Aufgabe im Bereich Nachwuchs, Akademien und sportliche Strategie. Ebenso könnte er als Verbindungsperson zwischen Verband, Profiklubs und Junioren-Nationalmannschaften eingesetzt werden.
Eine mögliche Verantwortung müsste jedoch mit ausreichenden Befugnissen verbunden sein. Wer die Nachwuchsförderung neu ausrichten soll, benötigt Einfluss auf Trainerprofile, Ausbildungsinhalte, Talentprogramme und die Zusammenarbeit mit den Leistungszentren. Eine rein repräsentative Position würde den Erwartungen an einen echten Neuanfang kaum gerecht werden.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Führungskräften wäre entscheidend. Sollte Klopp tatsächlich Bundestrainer werden, müssten seine sportlichen Vorstellungen mit der langfristigen Nachwuchsstrategie abgestimmt werden. Mertesacker könnte dabei eine Rolle übernehmen, die weit über die Vorbereitung einzelner Turniere hinausgeht und auf die Entwicklung der nächsten Spielergeneration ausgerichtet ist.
Der DFB steht vor richtungsweisenden Entscheidungen
Die Unterstützung von Uli Hoeneß erhöht den öffentlichen Druck, Per Mertesacker bei der Neuordnung des Verbandes ernsthaft zu berücksichtigen. Der Weltmeister von 2014 bringt sportliche Autorität, internationale Erfahrung und nachweisbare Kenntnisse in der Nachwuchsarbeit mit. Zudem hat er selbst erkennen lassen, dass ihn eine Tätigkeit für den deutschen Fußball grundsätzlich reizt.
Die kommenden Personalentscheidungen werden zeigen, ob der DFB lediglich freie Stellen neu besetzt oder tatsächlich ein langfristiges Konzept verfolgt. Eine Verpflichtung Mertesackers könnte ein sichtbares Signal für eine stärkere Verbindung von Nachwuchsarbeit, internationaler Erfahrung und moderner Führung sein. Entscheidend bleibt jedoch, welche Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten er im Verband erhalten würde.
Mit dem bevorstehenden Abschied von Andreas Rettig, der Diskussion um Jürgen Klopp und den Forderungen nach einer Reform der Ausbildung befindet sich der DFB an einem wichtigen Wendepunkt. Hoeneß hat seine bevorzugte Personalie klar benannt. Nun liegt es an den Verantwortlichen des Verbandes, aus den verschiedenen Kandidaten, Konzepten und Erwartungen eine tragfähige neue Struktur für den deutschen Fußball zu entwickeln.