In Bayern sind innerhalb kurzer Zeit zwei Menschen nach einer Infektion mit dem Bornavirus gestorben. Der jüngste bekannte Fall wurde aus Augsburg gemeldet, wo ein Patient im Universitätsklinikum einer schweren Gehirnentzündung erlag, die monrose.de berichtet mit fr.de.
Ausgelöst wurde die Erkrankung durch den Virustyp BoDV-1, der bereits im April im Stadtgebiet nachgewiesen worden war. Kurz zuvor war auch im Landkreis Unterallgäu ein ähnlicher Todesfall bekannt geworden, bei dem der Patient aus dem Raum Bad Wörishofen stammte. Die Fälle sorgen für Aufmerksamkeit, weil das Virus zwar selten vorkommt, bekannte akute Infektionen aber sehr schwer verlaufen können.
Warum die neuen Fälle in Bayern beunruhigen
Das Bornavirus gehört nicht zu den Erregern, die regelmäßig große Ausbrüche verursachen. Genau deshalb ist die Aufmerksamkeit nach den beiden Todesfällen in Bayern besonders groß. Nach den vorliegenden Informationen starb der Patient in Augsburg an einer Enzephalitis, also an einer gefährlichen Entzündung des Gehirngewebes. Die Behörden nannten aus Datenschutzgründen keine weiteren Angaben zur betroffenen Person. Gleichzeitig versuchen die Gesundheitsämter, mögliche Infektionswege nachzuvollziehen.
Der zweite bekannt gewordene Fall aus dem Unterallgäu zeigt, dass BoDV-1 in Bayern weiterhin eine reale, wenn auch seltene Gefahr bleibt. Besonders schwierig ist, dass sich eine Ansteckung oft nicht klar rekonstruieren lässt. Menschen bemerken den Kontakt mit möglichen Erregerquellen häufig nicht bewusst. Deshalb ist die Aufklärung über Übertragung, Symptome und Vorsichtsmaßnahmen besonders wichtig.
„Bei BoDV-1 geht es nicht um eine hohe Zahl an Infektionen, sondern um die Schwere einzelner Verläufe. Genau das macht das Virus medizinisch so ernst“, erklärt ein Infektiologe.
Wie das Bornavirus übertragen wird
Das Borna Disease Virus 1 wird vor allem mit der Feldspitzmaus in Verbindung gebracht. Diese Tiere können den Erreger über Speichel, Kot oder Urin ausscheiden. Menschen infizieren sich nach bisherigem Wissen meist zufällig, wenn sie mit solchen Ausscheidungen oder damit kontaminiertem Material in Kontakt kommen. Eine direkte Begegnung mit dem Tier ist dafür nicht unbedingt nötig. Auch Staub, der bei Arbeiten in Schuppen, Ställen oder Gartenbereichen aufgewirbelt wird, kann theoretisch eine Rolle spielen.

Die Feldspitzmaus ist keine Maus im klassischen Sinn. Sie gehört nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Insektenfressern. Typisch sind eine spitzere Schnauze, kleinere Augen und kleinere Ohren. Sie lebt unter anderem in Brachflächen, an Böschungen, in Steinmauern, Totholzhecken oder unter Hecken. In einzelnen Fällen kann sie auch in Scheunen, Ställe oder Wohnhäuser gelangen.
Die Gefahr liegt nicht im normalen Kontakt zwischen Menschen. Sie liegt dort, wo Menschen mit kontaminiertem Staub oder Ausscheidungen von Feldspitzmäusen in Berührung kommen. Deshalb ist Vorsicht vor allem bei bestimmten Arbeiten in Risikogebieten sinnvoll.
Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt als unwahrscheinlich
Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch gilt bei BoDV-1 als sehr unwahrscheinlich. Als besondere Ausnahme werden medizinische Situationen wie Organtransplantationen genannt. Für den Alltag bedeutet das, dass sich das Bornavirus nicht wie eine klassische Atemwegsinfektion verbreitet. Menschen müssen also nicht von einer allgemeinen Ansteckungswelle ausgehen.
Trotzdem bleibt die Erkrankung gefährlich. Deutschlandweit werden jährlich nur etwa fünf bis zehn akute Fälle beschrieben. Neben Bayern gelten auch Thüringen, Brandenburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt als Regionen, in denen der Erreger auftreten kann. Das Risiko ist auf dem Land höher als in der Stadt, bleibt insgesamt aber wegen der niedrigen Fallzahlen gering. Entscheidend ist daher nicht Panik, sondern gezielte Vorsicht bei möglichen Risikokontakten.
Symptome beginnen oft harmlos
Eine BoDV-1-Infektion ist anfangs schwer zu erkennen. Viele Betroffene entwickeln zunächst Beschwerden, die auch zu einem gewöhnlichen Infekt passen könnten. Dazu gehören Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Genau diese unspezifischen Symptome erschweren eine frühe Einschätzung. Erst im weiteren Verlauf treten oft neurologische Auffälligkeiten auf.
Zu den späteren Zeichen gehören Verhaltensveränderungen, Sprachstörungen und Gangstörungen. Innerhalb weniger Tage oder Wochen kann sich der Zustand deutlich verschlechtern. In vielen bekannten Fällen fielen Patientinnen und Patienten schließlich ins Koma. Mit wenigen Ausnahmen endeten die beschriebenen akuten Erkrankungen tödlich. Die genaue Inkubationszeit beim Menschen ist nicht bekannt, es wird jedoch von Wochen bis wenigen Monaten ausgegangen.
Wichtige Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden sollten:
- anhaltendes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl
- ungewöhnlich starke oder zunehmende Kopfschmerzen
- plötzlich auftretende Sprachprobleme
- unsicherer Gang oder Koordinationsstörungen
- auffällige Verhaltensänderungen
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
- schnelle Verschlechterung des Allgemeinzustands
Diese Beschwerden bedeuten nicht automatisch eine Bornavirus-Infektion. Sie sind jedoch grundsätzlich ernst zu nehmen, besonders nach Arbeiten in möglichen Risikobereichen. Dazu zählen etwa Gartenarbeiten, das Reinigen alter Schuppen oder Tätigkeiten in Stallungen. Wenn neurologische Symptome dazukommen, sollte medizinische Hilfe nicht aufgeschoben werden. Bei BoDV-1 kann sich der Verlauf sehr schnell verschärfen.
Bornavirus kurz erklärt
| Punkt | Bekannte Informationen |
|---|---|
| Erreger | Borna Disease Virus 1, kurz BoDV-1 |
| Aktuelle Lage in Bayern | zwei Todesfälle innerhalb kurzer Zeit bekannt |
| Jüngster Fall | Patient starb im Universitätsklinikum Augsburg |
| Weiterer Fall | Todesfall im Landkreis Unterallgäu |
| Hauptüberträger | Feldspitzmaus |
| Ausscheidung des Virus | über Speichel, Kot oder Urin |
| Typische Erkrankung | schwere Gehirnentzündung |
| Behandlung | keine gezielte Therapie bekannt |
| Mensch-zu-Mensch-Übertragung | gilt als sehr unwahrscheinlich |
Die Übersicht zeigt, warum das Virus trotz seltener Fälle ernst genommen wird. Es handelt sich nicht um einen Erreger, der massenhaft Infektionen verursacht. Das Problem liegt vielmehr im Verlauf der akuten Erkrankung. Wenn BoDV-1 beim Menschen eine schwere Gehirnentzündung auslöst, sind die Behandlungsmöglichkeiten bislang stark begrenzt. Genau deshalb ist die Vorsorge in möglichen Risikogebieten so wichtig.
Warum es bislang keine gezielte Therapie gibt
Eine spezifische medizinische Behandlung gegen Bornavirus-Infektionen existiert bislang nicht. Das macht die Erkrankung besonders gefährlich, sobald sie ausbricht. Ärztliche Maßnahmen können vor allem unterstützend sein, den Erreger selbst aber nicht gezielt bekämpfen. Nach den bekannten Informationen verlaufen akute BoDV-1-Infektionen fast immer tödlich. Meist geschieht dies innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Symptome.
Neben BoDV-1 gibt es auch das Bunthörnchen-Bornavirus VSBV-1. Dieses kann ein ähnliches Krankheitsbild auslösen. Im Mittelpunkt der aktuellen Fälle in Bayern steht jedoch BoDV-1. Die Erkrankten litten an einer schweren Enzephalitis, also an einer Entzündung des Gehirngewebes. Eine solche Entzündung kann Schwellungen, Funktionsstörungen und schwere neurologische Schäden verursachen.

„Die ersten Beschwerden können leicht unterschätzt werden. Entscheidend wird die Situation, wenn nach Fieber und Kopfschmerzen neurologische Symptome auftreten“, sagt ein Neurologe.
Vorsicht bei Gartenarbeiten und alten Schuppen
Fachleute raten in Risikogebieten zu besonderer Vorsicht bei Arbeiten, bei denen Staub aufgewirbelt werden kann. Das betrifft vor allem das Reinigen von Schuppen, Scheunen, Ställen oder wenig genutzten Räumen. Auch Gartenarbeiten an Stellen, an denen Feldspitzmäuse leben könnten, sollten mit Bedacht durchgeführt werden. Wichtig ist, möglichen Kontakt mit Ausscheidungen nicht zu unterschätzen. Das Risiko bleibt zwar gering, aber einfache Vorsichtsmaßnahmen können sinnvoll sein.
Dazu gehört, nicht trocken zu fegen, wenn dabei viel Staub entsteht. Handschuhe können bei Arbeiten in betroffenen Bereichen helfen. Tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden. Nach Garten- oder Reinigungsarbeiten ist gründliches Händewaschen wichtig. Wer alte Lagerbereiche reinigt, sollte außerdem darauf achten, Staub möglichst nicht einzuatmen.
„Es geht nicht darum, Angst vor jedem Garten oder Schuppen zu haben. Sinnvoll ist ein vorsichtiger Umgang mit Staub, alten Materialien und möglichen Tierausscheidungen“, ordnet ein Hygienefachmann ein.
Warum Feldspitzmäuse im Mittelpunkt stehen
Feldspitzmäuse gelten als zentraler bekannter Überträger des Virus. Gleichzeitig stehen Spitzmäuse unter Artenschutz und sollten nicht wahllos bekämpft werden. Wichtig ist deshalb vor allem, mögliche Kontaktflächen vorsichtig zu behandeln. Menschen sollten tote Tiere oder verdächtige Ausscheidungen nicht direkt anfassen. Auch in Bereichen, in denen Spitzmäuse Unterschlupf finden könnten, ist Aufmerksamkeit sinnvoll.
Unklar ist nach den vorliegenden Informationen, ob auch Garten- oder Hausspitzmäuse das Virus übertragen können. Die Feldspitzmaus bleibt jedoch der wichtigste bekannte Bezugspunkt. Für Laien ist die Unterscheidung zwischen Spitzmausarten oft schwierig. Deshalb sollte man in Risikogebieten grundsätzlich vorsichtig mit möglichen Ausscheidungen umgehen. Besonders in ländlichen Regionen ist ein bewusstes Verhalten bei Reinigungs- und Gartenarbeiten sinnvoll.
Was die Fälle für die Bevölkerung bedeuten
Die beiden Todesfälle in Bayern bedeuten nicht, dass eine breite Ausbreitung bevorsteht. Dafür gibt es in den vorliegenden Informationen keinen Hinweis. Das Bornavirus bleibt selten, und das allgemeine Infektionsrisiko wird weiterhin als niedrig beschrieben. Dennoch zeigen die Fälle, dass BoDV-1 im Ernstfall äußerst gefährlich sein kann. Besonders die fehlende gezielte Therapie macht die Infektion so problematisch.
Für Menschen in Bayern und anderen betroffenen Regionen ist daher ein nüchterner Umgang wichtig. Wer in Schuppen, Stallungen, Gärten oder ländlichen Außenbereichen arbeitet, sollte Staub und direkten Kontakt mit möglichen Ausscheidungen vermeiden. Eine Übertragung zwischen Menschen gilt als sehr unwahrscheinlich. Bei Fieber, starken Kopfschmerzen und späteren neurologischen Auffälligkeiten sollte jedoch rasch ärztliche Hilfe gesucht werden. Aufmerksamkeit und einfache Schutzmaßnahmen bleiben der wichtigste Weg, um das seltene Risiko weiter zu verringern.