In der Nacht auf Samstag könnten Polarlichter in Deutschland sichtbar werden. Mehrere Eruptionen auf der Sonne haben geladene Teilchen in Richtung Erde geschickt, die beim Auftreffen auf das Magnetfeld für leuchtende Schleier am Himmel sorgen können. Besonders in der Nordhälfte Deutschlands, an den Küsten und in möglichst dunklen Regionen stehen die Chancen besser als üblich. Garantiert ist das Schauspiel aber nicht, denn Polarlichter hängen von mehreren Faktoren ab: Sonnenaktivität, Magnetfeld, Wolken, Lichtverschmutzung und dem richtigen Timing, die monrose.de berichtet.
Nach Einschätzung der Weltraumwetterdienste kann der Sonnensturm zeitweise eine spürbare Stärke erreichen. Größere Störungen werden zwar nicht erwartet, kleinere Auswirkungen auf Satellitennavigation oder Funkverbindungen sind bei stärkeren geomagnetischen Stürmen jedoch möglich. Für Himmelsbeobachter ist vor allem entscheidend, ob die geladenen Teilchen in den dunklen Stunden über Mitteleuropa aktiv genug sind. Genau daran hängt, ob am Horizont nur ein grauer Schleier erscheint oder tatsächlich grüne, rötliche und violette Farbtöne sichtbar werden.
Warum Polarlichter jetzt bis nach Deutschland reichen könnten
Der Auslöser sind mehrere koronale Massenauswürfe, die kurz hintereinander von der Sonne abgegangen sind. Dabei werden große Mengen geladener Teilchen ins All geschleudert. Treffen diese Teilchen auf das Erdmagnetfeld, können sie in der oberen Atmosphäre Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten anregen. Dieses Licht kennen wir als Polarlicht oder Aurora borealis.

Normalerweise sind Polarlichter vor allem in hohen nördlichen Breiten zu sehen. Bei stärkeren Sonnenstürmen kann sich die Sichtbarkeitszone jedoch deutlich nach Süden verschieben. Genau deshalb lohnt sich der Blick nach Norden nun auch in Deutschland, vor allem in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg und an dunklen Küstenabschnitten.
Ein Himmelsbeobachter beschreibt die Lage so:
Bei solchen Ereignissen zählt Geduld. Manchmal sieht das Auge nur einen blassen Schleier, während die Kamera bereits deutliche Farben erkennt.
Der Sonnensturm wird nicht als extremes Ereignis eingeschätzt. Dennoch können geomagnetische Bedingungen ausreichen, um die Aurora-Zone zeitweise weit genug nach Süden zu drücken. Wer in Süddeutschland lebt, hat geringere Chancen, sollte bei sehr klarer Sicht und dunklem Standort aber nicht völlig ausschließen, etwas am nördlichen Horizont zu erkennen.
Wo die Chancen in Deutschland am größten sind
Die besten Aussichten gibt es dort, wo der Blick nach Norden frei ist und möglichst wenig künstliches Licht stört. Städte, Industriegebiete, beleuchtete Straßen und helle Häfen verschlechtern die Sicht erheblich. Je dunkler der Standort, desto eher lässt sich ein schwaches Leuchten erkennen.
Besonders geeignet sind offene Felder, Deiche, Strände, Seen, Hügel und dünn besiedelte Regionen. An der Nord- und Ostseeküste ist der Blick über Wasser oft ein Vorteil. Auch in ländlichen Teilen Norddeutschlands können die Bedingungen gut sein, sofern keine Wolken aufziehen.
| Region | Einschätzung der Chancen | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Nordseeküste | Hoch | Freier Blick nach Norden, wenig Licht |
| Ostseeküste | Hoch | Dunkle Strände und klare Sicht nutzen |
| Schleswig-Holstein | Hoch bis mittel | Küsten und ländliche Gebiete bevorzugen |
| Niedersachsen | Mittel | Möglichst weit weg von Großstädten |
| Mecklenburg-Vorpommern | Hoch bis mittel | Sehr gute Chancen bei klarem Himmel |
| Brandenburg | Mittel | Nördlicher Horizont muss frei sein |
| Mitteldeutschland | Gering bis mittel | Nur bei stärkerer Aktivität realistisch |
| Süddeutschland | Eher gering | Kamera kann mehr zeigen als das Auge |
Wer einen Standort wählt, sollte nicht nur auf die Karte schauen. Auch lokale Wolkenfelder, Nebel, Waldkanten oder Hügel können den Blick verdecken. Ein Platz mit freiem Nordhorizont ist wichtiger als ein Standort, der auf dem Papier nur wenige Kilometer weiter nördlich liegt.
Wann man in der Nacht schauen sollte
Das größte Problem Anfang Juni ist die kurze Nacht. In Norddeutschland bleibt nur ein kleines Zeitfenster, in dem der Himmel wirklich dunkel genug ist. Direkt nach Sonnenuntergang ist es meist noch zu hell, später am frühen Morgen wird die Dämmerung schnell wieder stärker.
Am sinnvollsten ist die Beobachtung in den späten Abendstunden und rund um die dunkelste Phase der Nacht. Wer nicht die ganze Nacht draußen bleiben möchte, sollte regelmäßig aktuelle Aurora-Karten und Kurzfristprognosen prüfen. Besonders hilfreich sind Vorhersagen, die die kommenden 30 bis 60 Minuten zeigen.
Polarlichter halten sich nicht an feste Uhrzeiten. Sie können plötzlich aufflammen, wenige Minuten sichtbar sein und danach wieder verschwinden.
Für Deutschland gilt: Geduld ist entscheidend. Ein Blick von fünf Minuten reicht selten. Besser ist es, mindestens eine Stunde einzuplanen, warm genug angezogen zu sein und den Himmel in Richtung Norden immer wieder zu kontrollieren. Oft beginnt das Schauspiel nicht mit kräftigen Farben, sondern mit einem ungewöhnlich hellen, milchigen oder gräulichen Bogen.
Warum die Kamera oft mehr sieht als das Auge
Viele Menschen erwarten ein leuchtendes Farbband wie auf Fotos aus Norwegen oder Island. In Deutschland sehen Polarlichter jedoch häufig deutlich schwächer aus. Das menschliche Auge nimmt bei Dunkelheit Farben schlechter wahr, während moderne Kameras durch längere Belichtung mehr Licht sammeln können.
Deshalb kann ein blasser grauer Schleier auf dem Smartphone plötzlich grün oder violett wirken. Das bedeutet nicht, dass das Foto „falsch“ ist. Es zeigt nur Licht, das für das Auge in dieser schwachen Intensität kaum farbig wahrnehmbar ist.
Für gute Aufnahmen helfen diese Schritte:
- Kamera oder Smartphone stabil aufstellen.
- Nachtmodus oder Pro-Modus aktivieren.
- Belichtungszeit zwischen 5 und 15 Sekunden testen.
- ISO-Wert nicht unnötig hoch setzen.
- Fokus manuell auf unendlich oder weit entfernte Lichter einstellen.
- Selbstauslöser nutzen, damit nichts verwackelt.
- Richtung Norden fotografieren und mehrere Testbilder machen.
Ein Stativ ist ideal, aber nicht zwingend. Ein Rucksack, eine Mauer, ein Autodach oder ein kleiner Stein können als provisorische Auflage reichen. Wichtig ist, dass das Gerät während der Belichtung absolut ruhig bleibt.
Welche Rolle Wetter und Lichtverschmutzung spielen
Selbst ein starker Sonnensturm hilft wenig, wenn Wolken den Himmel verdecken. Für die Nacht werden in vielen Regionen zwar zeitweise gute Bedingungen erwartet, doch lokale Wetteränderungen können schnell auftreten. Besonders Küstenregionen profitieren oft von klareren Abschnitten, können aber auch durch Nebel oder tiefe Wolken überrascht werden.
Lichtverschmutzung ist der zweite große Gegner. In Städten wie Hamburg, Berlin, Hannover oder Bremen ist der Himmel oft zu hell, um schwache Polarlichter sicher zu erkennen. Schon wenige Kilometer außerhalb kann sich die Sicht deutlich verbessern.

Wichtig sind vor allem:
- ein möglichst dunkler Standort;
- freier Blick nach Norden;
- keine Straßenlaternen im direkten Sichtfeld;
- trockene, klare Luft;
- wenig Dunst am Horizont;
- aktuelle Wetter- und Wolkenkarten;
- genügend Zeit für plötzliche Aktivitätsschübe.
Wer mit dem Auto fährt, sollte Parkplätze sicher wählen und keine Feldwege blockieren. Außerdem lohnt es sich, eine Taschenlampe mit Rotlicht oder gedimmtem Licht zu nutzen, damit sich die Augen nicht ständig neu an die Dunkelheit gewöhnen müssen.
Wie stark der Sonnensturm werden könnte
Die Weltraumwetterdienste rechnen nicht mit einem extremen Sonnensturm. Zeitweise wurde aber ein geomagnetischer Sturm der Stärke G3 für möglich gehalten. Das entspricht einem starken, aber nicht außergewöhnlich gefährlichen Ereignis. In der Praxis kann ein solcher Sturm Polarlichter weiter nach Süden bringen und gleichzeitig kleinere technische Störungen verursachen.
Bei G3-Bedingungen können Satellitennavigation und Funkverbindungen leicht beeinträchtigt werden. Für normale Haushalte oder den Alltag der meisten Menschen ist das in der Regel kein Grund zur Sorge. Stromnetze, Satellitenbetreiber und Luftfahrt beobachten solche Ereignisse jedoch aufmerksam.
Ein Experte für Weltraumwetter würde es so einordnen:
Für die meisten Menschen ist ein solcher Sonnensturm vor allem ein Naturschauspiel. Kritische Infrastrukturen behalten die Aktivität dennoch im Blick, weil Weltraumwetter technische Systeme beeinflussen kann.
Ob tatsächlich G3 erreicht wird, entscheidet sich erst durch Messdaten, wenn die Teilchenwolke die Erde erreicht. Deshalb können Prognosen kurzfristig angepasst werden. Wer Polarlichter sehen möchte, sollte sich nicht nur auf eine Vorhersage vom Nachmittag verlassen.
Was man für die Beobachtung vorbereiten sollte
Eine spontane Fahrt aufs Feld klingt einfach, ist aber besser mit etwas Vorbereitung. Anfang Juni können die Nächte kühl sein, besonders an Küsten oder auf offenen Flächen. Wer längere Zeit wartet, sollte warme Kleidung, eine Jacke und eventuell eine Decke mitnehmen.
Auch der Akku spielt eine Rolle. Nachtaufnahmen, Kälte und ständige Bildschirmnutzung entladen Smartphones schneller als üblich. Eine Powerbank kann den Unterschied machen, wenn die Aktivität erst spät einsetzt.
Praktisch sind:
- warme Kleidung und feste Schuhe;
- Powerbank und Ladekabel;
- Stativ oder stabile Unterlage;
- Taschenlampe mit schwachem Licht;
- Wetter-App und Aurora-App;
- etwas Geduld;
- klare Sicht nach Norden;
- Kameraeinstellungen vorab testen.
Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte realistisch bleiben. Es kann passieren, dass trotz guter Chancen nichts sichtbar wird. Um Enttäuschung zu vermeiden, hilft es, die Beobachtung als kleines Nachtabenteuer zu planen – nicht als garantiertes Himmelsspektakel.
Warum Polarlichter im Juni schwieriger zu sehen sind
Im Winter sind Polarlichter leichter zu beobachten, weil die Nächte lang und dunkel sind. Im Juni ist das anders. Die Sonne geht spät unter und die Morgendämmerung beginnt früh. Besonders im Norden Deutschlands bleibt die astronomische Dunkelheit sehr kurz oder wird gar nicht vollständig erreicht.
Das reduziert das Zeitfenster erheblich. Selbst wenn die geomagnetische Aktivität hoch ist, kann ein Teil des Ereignisses in die helle Dämmerung fallen. Dann bleiben die Farben schwach oder verschwinden für das Auge vollständig.
Trotzdem kann sich der Versuch lohnen. Bei guter Aktivität, klarem Himmel und dunklem Standort sind auch im Juni sichtbare Polarlichter möglich. Die Kamera ist dabei oft der beste Helfer, weil sie schwaches Licht verstärkt und den Nachweis liefert, wenn das Auge unsicher bleibt.
Was diese Nacht besonders macht
Die aktuelle Lage ist interessant, weil mehrere Sonnenausbrüche in relativ kurzem Abstand stattgefunden haben. Dadurch kann die Erde nicht nur von einer einzelnen Teilchenwolke getroffen werden, sondern über einen längeren Zeitraum unter geomagnetischem Einfluss stehen. Genau das erhöht die Chance, dass wenigstens ein Teil der Aktivität in die dunklen Stunden über Deutschland fällt.
Für Beobachter bedeutet das: Nicht zu früh aufgeben. Selbst wenn am frühen Abend nichts zu sehen ist, kann sich die Lage später ändern. Ebenso kann eine kurze Aktivitätsphase schnell wieder verschwinden.
Wer in Norddeutschland lebt und einen dunklen Ort erreichen kann, hat die besten Karten. In der Mitte Deutschlands wird es schwieriger, aber nicht unmöglich. Im Süden dürften nur Kameras bei sehr guten Bedingungen eine realistische Chance haben.
Die kommende Nacht bietet damit eine seltene Gelegenheit, ein Naturphänomen zu erleben, das sonst eher mit Skandinavien verbunden wird. Wer schauen möchte, sollte Wetter, Wolken und aktuelle Aurora-Prognosen im Blick behalten, den Blick nach Norden richten und die Kamera bereithalten. Auch wenn am Ende nur ein schwacher Schleier sichtbar wird, kann ein Foto zeigen, dass der Sonnensturm den Himmel über Deutschland tatsächlich erreicht hat.