Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen

Die sogenannte Beziehungsrezession unter jungen Erwachsenen fällt offenbar stärker aus als bisher angenommen. Eine britische Untersuchung zeigt, dass Angehörige der Generation Z im gleichen Alter deutlich seltener eine feste Partnerschaft führen als Millennials.

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Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen

Die Generation Z führt seltener feste Beziehungen als die Millennials im gleichen Lebensalter. Eine neue Auswertung britischer Befragungsdaten deutet darauf hin, dass der Rückgang stabiler Partnerschaften unter jungen Erwachsenen bislang sogar unterschätzt wurde, die  monrose.de berichtet mit newscientist.com.

Frühere Untersuchungen konzentrierten sich teilweise zu stark auf Paare, die gemeinsam in einem Haushalt lebten, und erfassten dadurch nicht alle möglichen Beziehungsformen gleichermaßen. Werden auch Partnerschaften mit getrennten Wohnungen berücksichtigt, bleibt der Unterschied zwischen den Generationen dennoch deutlich. Forschende sprechen deshalb von einer Beziehungsrezession, deren gesellschaftliche und psychologische Folgen noch nicht vollständig geklärt sind.

Nur 49 Prozent der Gen Z leben in einer festen Beziehung

Ein Forschungsteam um Katherine Twamley vom University College London wertete Daten aus zwei Erhebungszeiträumen einer landesweiten britischen Befragung aus. Untersucht wurden Menschen zwischen 16 und 29 Jahren, wobei unterschiedliche Beziehungsmodelle und Wohnsituationen berücksichtigt wurden. Dadurch konnten nicht nur verheiratete oder zusammenlebende Paare erfasst werden, sondern auch junge Menschen, die eine feste Partnerschaft führten, jedoch getrennt wohnten.

Die erste Vergleichsgruppe wurde zwischen 2010 und 2012 befragt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten die Teilnehmenden überwiegend zu den Millennials, also zu den Jahrgängen von 1981 bis 1996. Die zweite Erhebung fand zwischen 2022 und 2024 statt und erfasste Angehörige der Generation Z im gleichen Altersbereich.

Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen
Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Unterschied: Bei den Millennials gaben rund 57 Prozent an, in irgendeiner Form eine stabile Beziehung zu führen. In der Generation Z waren es dagegen nur 49 Prozent. Damit lag der Anteil um acht Prozentpunkte niedriger.

Untersuchte GruppeAlter bei der BefragungErhebungszeitraumAnteil in fester Beziehung
Millennials16 bis 29 Jahre2010 bis 201257 Prozent
Generation Z16 bis 29 Jahre2022 bis 202449 Prozent
Unterschiedvergleichbare Lebensphasezwölf Jahre Abstandminus 8 Prozentpunkte

Der Abstand erscheint besonders relevant, weil beide Gruppen während einer vergleichbaren Lebensphase untersucht wurden. Es handelt sich somit nicht lediglich um einen Vergleich zwischen älteren und jüngeren Menschen, sondern um zwei Generationen im annähernd gleichen Alter.

„Dieses Ausmaß wirkt ungewöhnlich und könnte auf einen tiefgreifenden Wandel im Beziehungsverhalten junger Erwachsener hinweisen“, ordnet die Basler Psychologin Maximiliane Uhlich die Ergebnisse sinngemäß ein.

Gemeinsames Wohnen ist bei jungen Paaren seltener geworden

Der Rückgang hängt nach Einschätzung der Forschenden vor allem damit zusammen, dass junge Menschen heute seltener mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben. Gerade dieser Punkt könnte erklären, weshalb die tatsächliche Entwicklung in früheren Analysen nicht vollständig sichtbar wurde. Wer nur gemeinsame Haushalte betrachtet, kann Beziehungen übersehen, in denen beide Partner bewusst oder aus finanziellen Gründen getrennte Wohnungen haben.

Die aktuelle Auswertung berücksichtigt deshalb verschiedene Formen von Partnerschaft. Trotzdem bleibt die Zahl der fest gebundenen Menschen in der Generation Z niedriger. Der Unterschied lässt sich folglich nicht allein mit modernen Wohn- und Beziehungskonzepten erklären.

Mehrere Faktoren können dazu beitragen, dass junge Erwachsene später zusammenziehen oder länger ohne feste Bindung bleiben:

  • hohe Mietpreise und ein angespannter Wohnungsmarkt;
  • längeres Wohnen bei den Eltern;
  • unsichere Einkommen und befristete Beschäftigung;
  • längere Ausbildungs- und Studienzeiten;
  • veränderte Erwartungen an Partnerschaften;
  • stärkere Vorsicht vor einer langfristigen Bindung;
  • digitale Kommunikation und die große Auswahl auf Dating-Plattformen.

Diese Ursachen wirken nicht zwangsläufig unabhängig voneinander. Finanzielle Unsicherheit kann beispielsweise den Auszug aus dem Elternhaus verzögern, während ein fehlender eigener Wohnraum wiederum private Treffen und den Aufbau einer langfristigen Partnerschaft erschwert. Gleichzeitig können digitale Dating-Angebote zwar neue Kontakte ermöglichen, aber auch das Gefühl hervorrufen, dass jederzeit eine passendere Person gefunden werden könnte.

Soziale Medien verändern Kontakte und Partnersuche

Die Generation Z ist die erste Altersgruppe, die während Kindheit und Jugend umfassend mit Smartphones, sozialen Netzwerken und permanenter digitaler Kommunikation aufgewachsen ist. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur die Partnersuche, sondern auch Freundschaften, Konflikte und die Art, wie Nähe hergestellt wird. Kontakte können schneller entstehen, bleiben aber möglicherweise häufiger unverbindlich.

Soziale Medien erleichtern es, mit vielen Menschen gleichzeitig in Verbindung zu bleiben. Sie können jedoch auch Vergleiche, Unsicherheit und überhöhte Erwartungen fördern. Inszenierte Paarbilder vermitteln mitunter den Eindruck, eine gute Beziehung müsse dauerhaft harmonisch, romantisch und konfliktfrei sein. Reale Partnerschaften können diesem Ideal kaum entsprechen.

Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen
Generation Z, Dating und Einsamkeit: Warum Partnerschaften später beginnen

Online-Dating erweitert die Auswahl, macht Entscheidungen aber nicht automatisch leichter. Eine größere Zahl möglicher Kontakte kann dazu führen, dass Nutzerinnen und Nutzer länger prüfen, vergleichen oder sich weniger schnell festlegen. Hinzu kommen negative Erfahrungen wie plötzliches Abbrechen des Kontakts, oberflächliche Bewertungen anhand von Profilbildern oder wiederholte erfolglose Gespräche.

„Die Generation Z ist mit sozialen Medien und Smartphones groß geworden. Das wird auch darin sichtbar, wie junge Menschen miteinander kommunizieren und Beziehungen anbahnen“, erklärt Uhlich sinngemäß.

Digitale Technologien sollten allerdings nicht pauschal als Ursache für Beziehungslosigkeit dargestellt werden. Viele stabile Partnerschaften beginnen heute online. Entscheidend könnte vielmehr sein, wie digitale Kontakte genutzt werden und ob daraus verlässliche Begegnungen außerhalb der Plattformen entstehen.

Die Pandemie traf die Gen Z in einer sensiblen Lebensphase

Auch die Covid-19-Pandemie könnte die Entwicklung verstärkt haben. Viele Angehörige der Generation Z befanden sich während der Kontaktbeschränkungen in einer wichtigen Phase ihrer sozialen Entwicklung. Schule, Studium, Ausbildung, Partys, Sportangebote und persönliche Treffen waren zeitweise stark eingeschränkt oder fielen vollständig aus.

Gerade zwischen Jugend und frühem Erwachsenenalter werden viele Erfahrungen gesammelt, die später beim Aufbau enger Beziehungen helfen. Dazu gehören erste Verabredungen, der Umgang mit Zurückweisung, das Lösen von Konflikten und die Fähigkeit, emotionale Nähe zuzulassen. Wenn solche Erfahrungen über längere Zeit fehlen, kann dies Unsicherheit im direkten Umgang mit anderen Menschen fördern.

Die Pandemie hat nicht jede junge Person in gleicher Weise geprägt. Dennoch verloren viele Menschen wichtige Gelegenheiten, neue Kontakte aufzubauen und soziale Sicherheit zu entwickeln. Einige Folgen könnten erst Jahre später in Befragungen zu Freundschaften, Dating und Partnerschaften sichtbar werden.

Während digitale Kommunikation einen Teil des Austauschs ersetzen konnte, fehlten spontane Begegnungen im Alltag. Ein Videoanruf kann Kontakt aufrechterhalten, ersetzt aber nicht vollständig gemeinsame Aktivitäten, Körpersprache und die schrittweise Entwicklung von Vertrauen.

Hohe Wohnkosten erschweren stabile Partnerschaften

Ein weiterer bedeutender Faktor ist die wirtschaftliche Lage. Steigende Immobilienpreise und Mieten führen dazu, dass viele junge Erwachsene länger bei ihren Eltern wohnen. Das betrifft besonders Großstädte und Regionen, in denen das Angebot an bezahlbarem Wohnraum begrenzt ist.

Wer kein eigenes Zimmer oder keine eigene Wohnung besitzt, verfügt häufig über weniger Privatsphäre. Das kann es schwieriger machen, eine neue Beziehung zu entwickeln und regelmäßig ungestörte Zeit miteinander zu verbringen. Auch ein gemeinsamer Haushalt ist für junge Paare schwerer finanzierbar, wenn beide Partner unsichere Einkommen haben.

Die Wohnsituation beeinflusst dabei nicht nur die praktische Organisation einer Partnerschaft. Sie kann auch Zukunftsentscheidungen verzögern. Paare ziehen später zusammen, heiraten später oder verschieben die Familiengründung, weil die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen.

Hohe Mieten und unsichere Arbeit können somit indirekt zu einer geringeren Zahl stabiler Partnerschaften beitragen. Gleichzeitig sollte ein späterer gemeinsamer Haushalt nicht automatisch als Zeichen einer schwachen Beziehung verstanden werden. Manche Paare entscheiden sich bewusst für getrennte Wohnungen und erleben dieses Modell als zufriedenstellend.

Junge Menschen wählen ihre Partner möglicherweise vorsichtiger

Nicht jede Erklärung für den Rückgang fester Beziehungen ist negativ. Angehörige der Generation Z könnten höhere Ansprüche an Partnerschaften stellen und sich bewusster gegen Beziehungen entscheiden, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Themen wie emotionale Sicherheit, Gleichberechtigung, persönliche Grenzen und psychische Gesundheit spielen in öffentlichen Debatten heute eine größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten.

Einige junge Erwachsene haben möglicherweise Trennungen oder Scheidungen im familiären Umfeld erlebt. Solche Erfahrungen können dazu führen, dass sie eine langfristige Bindung sorgfältiger prüfen. Statt schnell eine Partnerschaft einzugehen, warten sie länger auf eine Person, mit der Werte, Lebensplanung und Erwartungen übereinstimmen.

„Möglicherweise haben junge Menschen die hohen Trennungsraten früherer Generationen beobachtet und möchten deshalb sicherer sein, bevor sie sich fest binden“, beschreibt Uhlich eine denkbare Erklärung.

Diese Vorsicht kann den Anteil der Menschen in festen Beziehungen senken, ohne dass daraus automatisch eine gesellschaftliche Krise entsteht. Freiwilliges Singleleben kann Freiheit, Selbstständigkeit und Raum für persönliche Entwicklung bieten. Problematisch wird die Situation vor allem dann, wenn Menschen unfreiwillig allein bleiben und unter fehlender Nähe leiden.

Singleleben darf nicht grundsätzlich als Problem gelten

Forschende warnen davor, Menschen ohne Partner vorschnell als unglücklich, sozial isoliert oder psychisch belastet zu betrachten. Eine feste Beziehung ist nicht für alle Personen das wichtigste Lebensziel. Freundschaften, Familie, berufliche Erfüllung und gemeinschaftliche Aktivitäten können ebenfalls starke soziale Bindungen schaffen.

Maximiliane Uhlich betont, dass eine bewusste Entscheidung gegen eine Partnerschaft nicht krankhaft gemacht werden dürfe. Der Begriff Beziehungsrezession beschreibt zwar einen statistischen Rückgang, sagt aber zunächst nichts darüber aus, ob einzelne Menschen unter dieser Entwicklung leiden.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Singleleben. Wer allein leben möchte und über ein stabiles soziales Umfeld verfügt, kann eine hohe Lebenszufriedenheit erreichen. Wer sich dagegen eine Partnerschaft wünscht, aber dauerhaft keine Nähe aufbauen kann, erlebt möglicherweise Einsamkeit, Ablehnung und Selbstzweifel.

Eine niedrige Beziehungsquote ist deshalb nicht automatisch ein Beweis für sinkendes Wohlbefinden. Erst die persönlichen Wünsche und die Qualität vorhandener sozialer Kontakte zeigen, ob das Alleinleben als Freiheit oder als Belastung erlebt wird. Statistische Zahlen können diese Unterschiede nur teilweise abbilden.

Einsamkeit und psychisches Wohlbefinden werden weiter untersucht

Eine zusätzliche Analyse der Befragungsdaten deutet darauf hin, dass Angehörige der Generation Z ohne stabile Partnerschaft teilweise ein schlechteres psychisches Wohlbefinden berichteten. Noch ist jedoch unklar, was Ursache und was Folge ist. Einsamkeit kann den Aufbau einer Beziehung erschweren, während eine fehlende Partnerschaft gleichzeitig bestehende Einsamkeitsgefühle verstärken kann.

Katherine Twamley verweist deshalb auf eine wechselseitige Beziehung. Menschen können sich einsam fühlen, weil ihnen eine enge Partnerschaft fehlt. Es ist aber ebenso möglich, dass psychische Belastungen, soziale Unsicherheit oder Rückzug dazu führen, dass sie seltener neue Beziehungen eingehen.

„Es könnte sein, dass Menschen einsam sind, weil sie keine Beziehung haben. Ebenso denkbar ist, dass Einsamkeit es ihnen erschwert, überhaupt eine Partnerschaft aufzubauen“, erläutert Twamley sinngemäß.

Künftige Studien sollen genauer untersuchen, welche Faktoren hinter dem Generationsunterschied stehen. Dabei dürfte es wichtig sein, nicht nur den formalen Beziehungsstatus abzufragen. Auch die Qualität der Partnerschaft, die Zufriedenheit mit dem Singleleben, Freundschaften, Wohnverhältnisse und die Nutzung digitaler Medien müssen berücksichtigt werden.

Was die Zahlen über den gesellschaftlichen Wandel zeigen

Die Untersuchung belegt vor allem, dass sich der Übergang ins Erwachsenenleben verändert hat. Ausbildung, Berufseinstieg, Auszug aus dem Elternhaus, Partnerschaft und Familiengründung folgen heute seltener einer festen Reihenfolge. Viele junge Menschen erreichen diese Stationen später oder entscheiden sich bewusst für andere Lebensmodelle.

Der Rückgang von 57 auf 49 Prozent zeigt dennoch, dass stabile Beziehungen in der Generation Z weniger verbreitet sind als bei Millennials im gleichen Alter. Dahinter stehen wahrscheinlich wirtschaftliche, technologische, soziale und persönliche Gründe, die sich gegenseitig verstärken. Eine einzelne Ursache kann die Entwicklung nicht ausreichend erklären.

Ob die Beziehungsrezession langfristig anhält, wird sich erst zeigen, wenn die Generation Z älter wird. Möglich ist, dass feste Partnerschaften lediglich später beginnen. Ebenso denkbar ist, dass ein größerer Teil der jungen Erwachsenen dauerhaft allein lebt oder neue Formen von Nähe und Partnerschaft bevorzugt.

Fest steht: Weniger Partnerschaften bedeuten nicht automatisch weniger Lebensqualität. Gleichzeitig dürfen Einsamkeit und unfreiwillige Beziehungslosigkeit nicht unterschätzt werden. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wie viele junge Menschen eine feste Beziehung führen, sondern ob sie mit ihren sozialen Kontakten, ihrer Lebensform und dem Maß an Nähe in ihrem Alltag zufrieden sind.