Die Europäische Zentralbank hat 36 Banken und Zahlungsunternehmen für einen groß angelegten Praxistest des digitalen Euro ausgewählt. Zu den Teilnehmern gehören etablierte Finanzkonzerne wie Deutsche Bank und UniCredit sowie digital ausgerichtete Anbieter wie Revolut, die monrose.de berichtet mit reuters.com.
Der Pilotversuch soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen und zwölf Monate dauern. Erstmals wird damit nicht nur die technische Infrastruktur in abgeschlossenen Entwicklungsumgebungen geprüft. Beschäftigte der beteiligten Zentralbanken sollen eine Beta-Version für Überweisungen an andere Personen, Einkäufe im Internet und Zahlungen bei ausgewählten Händlern einsetzen. Mehr als 50 Unternehmen hatten sich um eine Teilnahme beworben.
Der Test ist noch keine Einführung des digitalen Euro. Die Beta-Version wird kein gesetzliches Zahlungsmittel sein. Verbraucher außerhalb des begrenzten Teilnehmerkreises können sie während des Pilotprojekts nicht verwenden.

Was die EZB ab 2027 konkret testen will
Das EZB-Pilotprojekt soll zeigen, ob die geplante digitale Währung unter realistischen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Dabei geht es nicht allein darum, ob ein Geldbetrag technisch von einem Konto zum anderen übertragen werden kann. Geprüft werden auch Geschwindigkeit, Stabilität, Bedienbarkeit und die Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken, Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleistern und Händlern.
Der Test umfasst mehrere Alltagssituationen:
- Überweisungen zwischen zwei Privatpersonen
- Zahlungen an der Kasse eines stationären Geschäfts
- Einkäufe bei teilnehmenden Onlinehändlern
- Zahlungen mit einer Smartphone-App oder einer integrierten Bankanwendung
- Transaktionen ohne aktive Internetverbindung
- Aufladung und Entleerung einer digitalen Euro-Geldbörse
Die Teilnehmer sollen entweder die von den europäischen Zentralbanken bereitgestellte App nutzen oder den digitalen Euro in ihre eigenen Banking-Anwendungen integrieren. Für Offline-Zahlungen ist eine Übertragung per NFC vorgesehen. Zwei Geräte könnten dabei Geld direkt austauschen, ohne während der Transaktion mit dem Internet verbunden zu sein.
„Der Pilotversuch soll praktische Erkenntnisse darüber liefern, wie ein digitaler Euro in alltäglichen Situationen funktionieren könnte“, beschreibt die EZB das Ziel des Tests.
Neben Privatpersonen werden ausgewählte Händler eingebunden. Dazu zählen Geschäfte mit direktem Kundenkontakt sowie Unternehmen aus dem elektronischen Handel. Sie sollen prüfen, wie sich die neue Zahlungsart in Kassensysteme, Onlineshops und bestehende Abrechnungsprozesse integrieren lässt.
Welche Unternehmen am Pilotprojekt teilnehmen
Die vollständige Gruppe besteht aus 36 Zahlungsdienstleistern aus dem Euroraum. Sie deckt unterschiedliche Geschäftsmodelle ab: klassische Geschäftsbanken, Direktbanken, Fintech-Unternehmen und Anbieter technischer Zahlungslösungen.
Zu den bekanntesten Namen gehören:
- Deutsche Bank
- UniCredit
- Revolut
- DZ Bank
- Stripe
- Adyen
- SumUp
Für Deutschland ist vor allem die Beteiligung der Deutschen Bank relevant. Einer der größten deutschen Finanzkonzerne erhält dadurch frühzeitig Zugang zu technischen Spezifikationen und realen Testabläufen. Die Bank kann untersuchen, wie sich digitale Zentralbankguthaben mit bestehenden Konten, Apps und Zahlungsdiensten verbinden lassen.
Auch die Beteiligung von Revolut und anderen digitalen Anbietern ist für den Wettbewerb bedeutsam. Der Test wird nicht ausschließlich von traditionellen Großbanken geprägt. Unternehmen, die bereits Millionen Kunden über mobile Anwendungen erreichen, können Erfahrungen zur Benutzeroberfläche, zur Geschwindigkeit und zum grenzüberschreitenden Einsatz einbringen.
Die Auswahl zeigt, dass die EZB keine reine Bankenlösung entwickeln will. Der digitale Euro soll in eine Zahlungslandschaft passen, in der klassische Institute, Fintechs und Händler dieselben technischen Schnittstellen nutzen.
Was der digitale Euro für Deutschland bedeutet
Ein digitaler Euro in Deutschland wäre eine elektronische Form von Zentralbankgeld. Er würde direkt vom Eurosystem getragen und damit rechtlich anders funktionieren als das Guthaben auf einem gewöhnlichen Girokonto.
Bankguthaben stellen eine Forderung gegenüber der jeweiligen Geschäftsbank dar. Bargeld wird dagegen von Zentralbanken ausgegeben. Der digitale Euro soll diese Eigenschaften von Bargeld in eine elektronische Zahlungsform übertragen, ohne Banknoten und Münzen abzuschaffen.
| Zahlungsform | Herausgeber beziehungsweise Anbieter | Nutzung | Zentrale Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Bargeld | Eurosystem | Geschäfte und private Zahlungen | Physisches Zentralbankgeld |
| Girokartenzahlung | Geschäftsbank und Zahlungsnetz | Geschäfte und teilweise online | Zugriff auf Bankguthaben |
| Kreditkarte | Bank und Kartensystem | Geschäfte, Reisen und Internet | Abrechnung über privates Netzwerk |
| Digitaler Euro | Eurosystem | Geschäfte, Internet und Privatpersonen | Elektronisches Zentralbankgeld |
| Kryptowährung | Privates Netzwerk oder Protokoll | Abhängig vom Anbieter | Kein gesetzliches Zentralbankgeld |
Für deutsche Verbraucher könnte eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit entstehen, die im gesamten Euroraum nach denselben Regeln funktioniert. Eine Person aus Deutschland könnte damit beispielsweise in Italien online einkaufen oder in Frankreich an einer Kasse bezahlen, ohne auf ein nationales Kartensystem angewiesen zu sein.
Die EZB betrachtet den digitalen Euro auch als Instrument für mehr europäische Unabhängigkeit. Ein großer Teil der elektronischen Zahlungen wird über internationale Karten- und Technologiekonzerne abgewickelt. Ein europäisches System soll diese Anbieter nicht verbieten, sondern eine öffentliche Alternative schaffen, die in allen Ländern des Euroraums eingesetzt werden kann.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht im digitalen Euro eine Möglichkeit, Europas Zahlungsinfrastruktur unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen.
Warum Offline-Zahlungen eine wichtige Rolle spielen
Eine der auffälligsten geplanten Funktionen sind Zahlungen ohne Internet. Dabei soll ein begrenzter Betrag direkt von einem Smartphone oder einer Karte auf ein anderes Gerät übertragen werden können. Die Verbindung zur Bank oder zum Eurosystem würde erst später wiederhergestellt.
Diese Funktion könnte bei Internetausfällen, technischen Störungen oder in Regionen mit schlechter Mobilfunkabdeckung nützlich sein. Sie soll außerdem Eigenschaften von Bargeld nachbilden. Ein Geldschein kann schließlich ebenfalls weitergegeben werden, ohne dass ein Zahlungsanbieter die Transaktion in Echtzeit bestätigen muss.
Die technische Umsetzung ist allerdings anspruchsvoll. Das System muss verhindern, dass derselbe digitale Betrag mehrfach ausgegeben wird. Gleichzeitig sollen Zahlungen schnell bleiben und möglichst wenige persönliche Daten offenlegen.
Für den Pilotversuch stellt das Eurosystem Softwarekomponenten für Android und iOS bereit. Die beteiligten Zahlungsunternehmen müssen diese Bestandteile in ihre Apps und internen Systeme einbauen. Getestet wird unter anderem, ob zwei Smartphones per NFC eine Zahlung sicher abschließen können.
Offline-Zahlungen könnten den digitalen Euro deutlich von gewöhnlichen Banking-Apps unterscheiden. Entscheidend bleiben Sicherheit und einfache Bedienung. Eine komplizierte Einrichtung würde die Nutzung im Alltag bremsen.
Welche Folgen Banken und Händler erwarten müssen
Für deutsche Banken beginnt mit dem Pilotprojekt eine praktische Vorbereitungsphase. Sie müssen entscheiden, wie eine digitale Euro-Geldbörse eröffnet, mit einem Girokonto verbunden und innerhalb der eigenen App dargestellt werden kann.

Der Aufwand betrifft mehrere Bereiche:
- Anpassung der Banking-Apps und internen Schnittstellen
- Prüfung der Identität neuer Nutzer
- Einhaltung von Datenschutz- und Geldwäschevorschriften
- Verwaltung der Liquidität zwischen Bankkonto und digitaler Geldbörse
- Bearbeitung fehlgeschlagener oder reklamierter Zahlungen
- Anbindung von Händler- und Kassensystemen
Die teilnehmenden Institute tragen ihre eigenen Kosten für Entwicklung und Integration. Gebühren dürfen sie den beteiligten Testpersonen und Händlern während des Pilotversuchs nicht berechnen. Die EZB will zugleich erreichen, dass ein möglichst großer Teil der entwickelten Infrastruktur später weiterverwendet werden kann.
„Für Banken geht es im Pilotprojekt nicht nur um Technik. Sie testen auch, welche Kosten, Abläufe und Verantwortlichkeiten bei einer möglichen Einführung entstehen.“
Händler müssen ebenfalls neue Prozesse erproben. In stationären Geschäften könnten Smartphones oder Tablets als Software-Kassenterminals dienen. Onlinehändler benötigen eine digitale Euro-Option im Bezahlvorgang und müssen Rückerstattungen, Stornierungen sowie technische Fehler abbilden.
Kleinere Geschäfte könnten von niedrigeren Einstiegshürden profitieren, falls zur Annahme kein klassisches Kartenterminal nötig ist. Gleichzeitig entstehen Kosten für Software, Mitarbeiterschulungen und die technische Betreuung. Ob der digitale Euro für Händler günstiger wird als bestehende Kartenzahlungen, lässt sich erst nach Festlegung des endgültigen Gebührenmodells beurteilen.
Was Verbraucher beim Datenschutz wissen sollten
Der Datenschutz gehört zu den umstrittensten Punkten des Projekts. Viele Menschen befürchten, eine digitale Zentralbankwährung könne jede Zahlung zentral erfassen und staatlichen Stellen zugänglich machen.
Die EZB erklärt, dass sie Personen anhand der erhaltenen Zahlungsdaten nicht identifizieren können soll. Banken und Zahlungsdienstleister werden dennoch bestimmte Informationen verarbeiten müssen, etwa zur Eröffnung einer Geldbörse, zur Betrugsbekämpfung oder zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Bei Offline-Zahlungen soll die Privatsphäre stärker an Bargeld heranreichen. Die Transaktion würde zunächst nur zwischen den beteiligten Geräten stattfinden. Welche Daten später synchronisiert und wie lange sie gespeichert werden, gehört zu den Punkten, die technisch und gesetzlich präzise geregelt werden müssen.
| Thema | Geplanter Ansatz |
|---|---|
| Identifizierung | Über Bank oder zugelassenen Zahlungsdienstleister |
| Online-Zahlungen | Verarbeitung über technische Infrastruktur |
| Offline-Zahlungen | Direkte Übertragung zwischen Geräten |
| Betrugsschutz | Prüfungen und technische Ausgabenbegrenzung |
| Geldwäschekontrolle | Anwendung bestehender gesetzlicher Vorgaben |
| Datennutzung durch die EZB | Keine direkte Identifizierung der Nutzer vorgesehen |
Der Pilotversuch wird unter geltenden Datenschutz- und Zahlungsverkehrsregeln durchgeführt. Er beantwortet jedoch noch nicht jede Frage zur späteren Serienversion. Einzelheiten können sich durch die europäische Gesetzgebung und die Ergebnisse der Testphase ändern.
Warum der digitale Euro kein Bitcoin und kein Stablecoin ist
Der digitale Euro wäre keine Kryptowährung. Sein Wert würde immer einem regulären Euro entsprechen und vom Eurosystem garantiert. Es gäbe keine spekulativen Kursschwankungen gegenüber Bargeld oder Bankguthaben in Euro.
Auch eine öffentliche Blockchain ist nach dem bisher bekannten Modell nicht erforderlich. Die Infrastruktur wird von Zentralbanken und zugelassenen Zahlungsdienstleistern betrieben. Nutzer sollen ihre digitale Geldbörse über Banken, Apps oder möglicherweise eine Karte erreichen.
Der Unterschied lässt sich auf drei Punkte reduzieren: Der digitale Euro wäre Zentralbankgeld, hätte einen festen Wert von einem Euro und wäre für alltägliche Zahlungen vorgesehen. Bitcoin besitzt keinen staatlich garantierten Wechselkurs. Private Stablecoins versuchen zwar, einen festen Wert abzubilden, beruhen aber auf Reserven und der Zahlungsfähigkeit privater Herausgeber.
Der digitale Euro ist keine neue Währung neben dem Euro. Er ist eine zusätzliche Form derselben Währung. Ein digitaler Euro soll stets genau einem Euro entsprechen.
Wann die Einführung tatsächlich erfolgen könnte
Der Start des digitalen Euro wird frühestens für 2029 vorbereitet. Voraussetzung ist, dass die notwendige europäische Verordnung rechtzeitig beschlossen wird und der EZB-Rat anschließend eine endgültige Ausgabeentscheidung trifft.
Der bisherige Zeitplan sieht mehrere Etappen vor:
- 2026 beginnen Entwicklung, Integration und technische Vorbereitung.
- In der zweiten Jahreshälfte 2027 startet der zwölfmonatige Pilotversuch.
- 2028 sollen Ergebnisse ausgewertet und Systeme angepasst werden.
- 2029 könnte das Eurosystem technisch für eine erste Ausgabe bereit sein.
Der Praxistest bedeutet daher nicht, dass deutsche Verbraucher bereits 2027 regulär mit digitalem Zentralbankgeld bezahlen können. Die Testgruppe bleibt begrenzt. Eingesetzt wird eine Beta-Version, die zwar technisch nahe am geplanten Produkt liegen soll, aber kein gesetzliches Zahlungsmittel ist.
Auch der Termin 2029 ist keine verbindliche Markteinführung. Die EZB bereitet ihre Infrastruktur auf dieses Jahr vor. Die rechtliche und politische Entscheidung liegt zuvor bei den europäischen Institutionen und anschließend beim EZB-Rat.
Was jetzt für Deutschland zählt
Mit der Auswahl der 36 Zahlungsunternehmen wechselt das Projekt von der Konzeptarbeit zur praktischen Vorbereitung. Deutsche Banken, Händler und technische Anbieter erhalten damit einen konkreteren Rahmen für Apps, Offline-Zahlungen, Kassensysteme und Überweisungen zwischen Privatpersonen.
Für Verbraucher ändert sich zunächst nichts. Bargeld, Girokarten, Kreditkarten und bestehende Banking-Apps bleiben erhalten. Der Pilotversuch soll zeigen, ob der digitale Euro tatsächlich einfach, sicher und europaweit nutzbar werden kann.
Deutschland gehört durch die Beteiligung großer Finanzinstitute und der Bundesbank zu den zentralen Testmärkten. Ob daraus 2029 ein neues Zahlungsmittel für Millionen Menschen wird, hängt von der EU-Verordnung, den technischen Ergebnissen und der Akzeptanz bei Banken, Händlern und Kunden ab.