Die Energiekosten entwickeln sich in Deutschland im Sommer 2026 in zwei unterschiedliche Richtungen. Während neue Gasverträge seit Anfang März in allen Bundesländern deutlich teurer geworden sind, zahlen Neukunden für Strom im Durchschnitt inzwischen etwas weniger, die monrose.de berichtet mit t-online.de.
Besonders auffällig ist der Anstieg beim Gaspreis in Deutschland. In einzelnen Bundesländern liegt der günstigste empfohlene Neukundentarif inzwischen mehr als 20 Prozent über dem Niveau vom März. Für Haushalte mit hohem Gasverbrauch kann daraus eine zusätzliche Belastung von mehreren Hundert Euro pro Jahr entstehen.
Gaspreise steigen in allen Bundesländern deutlich
Die aktuellen Tarifdaten zeigen bei Gas einen klaren Aufwärtstrend. Anfang März kostete der günstigste empfohlene Tarif im bundesweiten Durchschnitt noch 8,37 Cent Inzwischen werden durchschnittlich 9,88 Cent pro Kilowattstunde fällig.

Das entspricht einem Anstieg von 18,05 Prozent innerhalb weniger Monate. Regional sind die Unterschiede allerdings erheblich.
Am stärksten verteuerten sich die günstigsten Angebote in Rheinland-Pfalz. Dort beträgt der Anstieg 20,32 Prozent. Fast identisch ist die Entwicklung in Thüringen mit plus 20,30 Prozent.
Auch Mecklenburg-Vorpommern und Bayern liegen deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Im Saarland und in Schleswig-Holstein fällt der prozentuale Anstieg etwas geringer aus, bewegt sich aber immer noch bei rund 16 Prozent.
| Bundesland | Veränderung beim günstigsten Gastarif |
|---|---|
| Rheinland-Pfalz | +20,32 % |
| Thüringen | +20,30 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | +19,35 % |
| Bayern | +18,72 % |
| Schleswig-Holstein | +15,96 % |
| Saarland | +15,71 % |
Ein Anstieg um rund 20 Prozent klingt zunächst dramatischer, als es der absolute Centbetrag vermuten lässt. Entscheidend für Haushalte ist deshalb nicht nur der Prozentwert. Jahresverbrauch und Arbeitspreis zeigen wesentlich genauer, wie stark die tatsächliche Rechnung steigt.
Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt rund 300 Euro mehr
Der Unterschied zwischen 8,37 und 9,88 Cent beträgt rund 1,51 Cent pro Kilowattstunde. Weil das Ausgangsniveau relativ niedrig war, führt bereits dieser Aufschlag rechnerisch zu einem zweistelligen prozentualen Anstieg.
Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden ergibt sich eine erhebliche Differenz. Allein über den Arbeitspreis entstehen gegenüber dem März-Niveau ungefähr 300 Euro zusätzliche Kosten pro Jahr.
Für einen Haushalt sieht die Rechnung vereinfacht so aus:
- Jahresverbrauch: 20.000 kWh Gas
- Alter Durchschnittspreis: 8,37 Cent/kWh
- Neuer Durchschnittspreis: 9,88 Cent/kWh
- Preisunterschied: 1,51 Cent/kWh
- Zusätzliche Kosten: rund 302 Euro jährlich
Dabei handelt es sich um eine Modellrechnung. Die tatsächliche Rechnung hängt zusätzlich vom Grundpreis, dem individuellen Tarif und dem persönlichen Verbrauch ab.
Energieexperten weisen bei solchen Vergleichen regelmäßig darauf hin, dass Prozentwerte allein wenig über die Belastung eines Haushalts aussagen. Für Verbraucher sind die jährlichen Gesamtkosten und der tatsächliche Verbrauch entscheidender.
Grundversorgung bei Gas bleibt überraschend stabil
Während Neukundentarife deutlich teurer geworden sind, zeigt sich bei der Grundversorgung ein völlig anderes Bild. Bundesweit sank der durchschnittliche Preis sogar leicht von 13,44 auf 13,39 Cent je Kilowattstunde.
Das entspricht einem Rückgang von rund 0,40 Prozent. Die Gas-Grundversorgung bleibt damit zwar deutlich teurer als günstige Neukundenangebote, hat sich zuletzt aber kaum verändert.
Eine Ausnahme bildet Bremen. Dort verteuerte sich die Grundversorgung um 3,81 Prozent.
Für Verbraucher entsteht damit eine ungewöhnliche Situation: Der Abstand zwischen günstigen Sondertarifen und Grundversorgung ist kleiner geworden. Ein Wechsel kann trotzdem weiterhin sinnvoll sein, sollte aber nicht allein anhand eines niedrigen Arbeitspreises erfolgen.
Vertragslaufzeit, Grundpreis, Bonusbedingungen und Preisgarantie beeinflussen die Gesamtkosten ebenfalls.
Strompreise für Neukunden sinken leicht
Beim Strom zeigt die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Der bundesweit günstigste empfohlene Stromtarif für Neukunden ist in den vergangenen fünf Monaten im Durchschnitt um 3,6 Prozent günstiger geworden.
Im März lag der entsprechende Durchschnittspreis bei 25,47 Cent pro Kilowattstunde. Mittlerweile werden im Mittel 24,55 Cent verlangt.
Besonders deutlich fiel der Preis in Hamburg. Dort sank ein günstiger Tarif von 29,09 auf 26,55 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht einem Rückgang von 8,71 Prozent.
Weitere regionale Veränderungen:
- Hamburg: minus 8,71 Prozent
- Nordrhein-Westfalen: minus 4,30 Prozent
- Bremen: minus 3,81 Prozent
- Berlin: minus 2,48 Prozent
- Rheinland-Pfalz: minus 1,76 Prozent
Damit profitieren Strom-Neukunden derzeit zumindest teilweise von einer Entspannung auf dem Markt. Die Entwicklung fällt allerdings längst nicht in allen Bundesländern gleich stark aus.
Gas wird teurer, Strom etwas günstiger. Beide Märkte reagieren auf unterschiedliche Faktoren, obwohl sie miteinander verbunden sind. Für Haushalte bedeutet das, Strom- und Gasvertrag getrennt zu prüfen statt von einer einheitlichen Entwicklung der Energiepreise auszugehen.
Warum Gas und Strom 2026 unterschiedliche Wege gehen
Ein wesentlicher Grund für die höheren Gaspreise ist die angespannte Lage auf den internationalen Energiemärkten. Konflikte im Nahen Osten und Unsicherheiten bei wichtigen Transportrouten erhöhen das Risiko für die Versorgung und treiben die Großhandelspreise.
Gas reagiert besonders empfindlich auf solche geopolitischen Veränderungen. Händler kalkulieren mögliche Lieferausfälle, Transportprobleme und steigende Beschaffungskosten in ihre Preise ein.
Beim Strom wirkt zusätzlich ein anderer Mechanismus. Zwar kann teures Gas über das Merit-Order-Prinzip auch den Strommarkt beeinflussen, gleichzeitig drücken hohe Einspeisemengen aus erneuerbaren Energien die Börsenpreise zeitweise nach unten.

Wind- und Solarstrom haben keine Brennstoffkosten. Bei hoher Produktion können sie deshalb günstigere Kraftwerke an den Markt bringen und teure Gaskraftwerke zeitweise aus der Preisbildung verdrängen.
Energieökonomisch erklärt sich die unterschiedliche Entwicklung vor allem durch den Erzeugungsmix. Gas bleibt stark von internationalen Rohstoffmärkten abhängig, während beim Strom die zunehmende Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen Preisspitzen zumindest teilweise abfedern kann.
Das bedeutet nicht, dass Strom dauerhaft günstiger werden muss. Netzentgelte, Steuern, Umlagen, regionale Kosten und die Entwicklung an der Strombörse können den Endkundenpreis jederzeit in eine andere Richtung bewegen.
Strom-Grundversorgung bleibt für viele Haushalte teuer
Während günstige Neukundenangebote teilweise unter 25 Cent pro Kilowattstunde liegen, kostet die Grundversorgung vielerorts erheblich mehr.
Besonders hoch sind die Preise aktuell in Thüringen. Dort werden in der Strom-Grundversorgung durchschnittlich 47,08 Cent je Kilowattstunde genannt. Hamburg folgt mit 44,26 Cent.
Damit können zwischen Grundversorgung und einem günstigen Sondertarif Unterschiede von deutlich mehr als zehn Cent pro Kilowattstunde entstehen.
| Tarifart | Bundesweiter beziehungsweise regionaler Wert |
| Günstiger Stromtarif bundesweit im März | 25,47 Cent/kWh |
| Günstiger Stromtarif aktuell | 24,55 Cent/kWh |
| Strom-Grundversorgung Thüringen | 47,08 Cent/kWh |
| Strom-Grundversorgung Hamburg | 44,26 Cent/kWh |
Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch kann schon ein Preisunterschied von zehn Cent Mehrkosten von 350 Euro pro Jahr verursachen.
Preisgarantie wird bei neuen Verträgen wichtiger
Wer aktuell den Anbieter wechselt, sollte nicht ausschließlich nach dem niedrigsten angezeigten Monatspreis suchen. Bei stark schwankenden Energiepreisen 2026 kann eine Preisgarantie einen wesentlichen Unterschied machen.
Eine solche Garantie verpflichtet den Anbieter, bestimmte Bestandteile des vereinbarten Preises für einen festgelegten Zeitraum nicht zu verändern. Häufig entspricht dieser Zeitraum der Mindestvertragslaufzeit.
Verbraucher sollten dabei insbesondere auf folgende Punkte achten:
- Dauer der Preisgarantie
- Laufzeit des Vertrags
- Kündigungsfrist
- Höhe des Grundpreises
- Arbeitspreis pro Kilowattstunde
- Bedingungen für Neukundenboni
- automatische Vertragsverlängerung
Nicht jede Preisgarantie deckt sämtliche Kostenbestandteile ab. Staatlich veränderte Steuern, Abgaben oder Umlagen können je nach Vertragsbedingungen ausgenommen sein.
Ein sehr günstiger Tarif ohne ausreichende Preisabsicherung kann deshalb riskanter sein als ein geringfügig teureres Angebot mit stabilen Konditionen.
Wechseln oder noch abwarten?
Beim Gas ist die Entscheidung derzeit schwieriger als beim Strom. Die günstigsten Neukundentarife haben sich seit März deutlich verteuert, liegen im bundesweiten Durchschnitt aber weiterhin unter der klassischen Grundversorgung.
Wer kurzfristig einen neuen Gasvertrag benötigt, kann daher trotz des Preisanstiegs noch Einsparpotenzial gegenüber einem teuren Grundversorgungstarif haben. Gleichzeitig spricht die hohe Unsicherheit am Gasmarkt dafür, Vertragsbedingungen und Preisgarantie besonders genau zu prüfen.
Beim Strom ist die Situation günstiger. Sinkende Neukundenpreise erhöhen den Wettbewerb, während einige Grundversorgungstarife weiterhin mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde kosten.
Ein Tarifvergleich kann sich insbesondere für Haushalte lohnen, die seit längerer Zeit nicht gewechselt haben oder nach Ende eines alten Vertrags automatisch in teurere Konditionen geraten sind.
Was die aktuellen Energiepreise für Haushalte bedeuten
Die Zahlen vom Sommer 2026 zeigen keinen einheitlichen Trend. Gas ist für Neukunden seit März bundesweit spürbar teurer geworden, mit Anstiegen von mehr als 20 Prozent in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Im bundesweiten Durchschnitt stieg der günstigste empfohlene Gastarif von 8,37 auf 9,88 Cent pro Kilowattstunde.
Beim Strom bewegt sich der Markt derzeit in die andere Richtung. Günstige Neukundentarife sanken im Durchschnitt von 25,47 auf 24,55 Cent je Kilowattstunde, während manche Grundversorgungstarife weiterhin deutlich über 40 Cent liegen.
Für Verbraucher zählt deshalb weniger die allgemeine Schlagzeile über steigende oder fallende Energiekosten in Deutschland als der eigene Vertrag. Wer Arbeitspreis, Grundgebühr, Laufzeit und Preisgarantie miteinander vergleicht, kann schneller erkennen, ob ein Wechsel tatsächlich Geld spart.