Google erweitert seinen Kartendienst im August 2026 um Funktionen, die weit über Navigation und die klassische Suche nach Orten hinausgehen. Google Maps Ask Maps soll mit Hilfe von Gemini mehrstufige Aufgaben übernehmen, beispielsweise ein passendes Essen für den Heimweg suchen, Hotelangebote vergleichen oder Veranstaltungen in der Umgebung finden,die monrose.de berichtet mit t-online.de.
Neu sind außerdem eine freiwillige Verbindung mit Gmail, gespeicherte Unterhaltungen und aktuelle Informationen zu Verspätungen im öffentlichen Verkehr. Google hatte Ask Maps im März 2026 zunächst als dialogbasierte Suche eingeführt. Mit dem aktuellen Ausbau wird daraus zunehmend ein Assistent, der aus einer Anfrage konkrete Aktionen vorbereitet.
Google Maps soll nicht mehr nur den Weg zeigen
Wer Google Maps bisher öffnete, wollte meist eine Adresse suchen, eine Route berechnen oder prüfen, welches Restaurant in der Nähe geöffnet ist. Die neue Strategie geht deutlich weiter. Nutzer sollen eine Aufgabe in natürlicher Sprache beschreiben können, während die Anwendung selbst mehrere erforderliche Schritte miteinander verbindet.
Ein Beispiel betrifft das Abendessen nach der Arbeit. Statt zuerst nach Restaurants zu suchen, anschließend Öffnungszeiten zu vergleichen, die Speisekarten zu öffnen und danach zu einem Bestelldienst zu wechseln, kann eine Anfrage künftig deutlich konkreter formuliert werden.

Google nennt als Beispiel sinngemäß den Wunsch nach einem bestimmten scharfen Nudelgericht mit Meeresfrüchten, das auf dem Heimweg abgeholt werden soll. Maps berücksichtigt dabei geöffnete Lokale entlang der Strecke und kann auch gespeicherte Orte oder Ernährungspräferenzen einbeziehen. Nach der Auswahl legt das System das gewünschte Gericht in den Warenkorb.
Den letzten Schritt behält der Nutzer selbst in der Hand. Die Bestellung wird nicht automatisch ohne Kontrolle abgeschickt.
Google Maps trifft damit nicht einfach nur eine Empfehlung. Die App bereitet eine konkrete Aktion vor. Bezahlen und endgültig bestätigen muss der Nutzer weiterhin selbst.
Essen bestellen mit Google Maps funktioniert zunächst nur begrenzt
Für Essen bestellen mit Google Maps arbeitet Google zum Start unter anderem mit Square und Toast zusammen. Uber Eats soll später hinzukommen. Die dafür benötigten sogenannten agentischen Funktionen werden vorerst in den USA eingeführt.
„Agentisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die KI nicht nur eine einzelne Antwort erzeugt. Sie zerlegt ein Ziel in mehrere Schritte, sucht passende Informationen und bereitet die gewünschte Handlung möglichst weit vor.
Der typische Ablauf könnte so aussehen:
- Nutzer beschreibt Gericht, Ort und gewünschten Zeitpunkt.
- Maps sucht nach passenden geöffneten Restaurants.
- Die Route und persönliche Präferenzen können berücksichtigt werden.
- Nach der Auswahl wird das gewünschte Gericht in den Warenkorb gelegt.
- Der Nutzer kontrolliert Bestellung und Preis.
- Erst danach erfolgt die endgültige Bestellung.
Damit unterscheidet sich die Funktion von einer gewöhnlichen Restaurantsuche. Bisher lieferte Google Maps vor allem Informationen und Verweise. Nun soll die App einen größeren Teil des Prozesses selbst erledigen.
Miriam Daniel, Vice President und General Manager von Google Maps, bezeichnet Ask Maps als die größte Veränderung des Kartendienstes seit mehr als einem Jahrzehnt.
Hotels und Veranstaltungen werden Teil der KI-Suche
Auch die Reiseplanung soll einfacher werden. Bei Google Maps Hotels kann Ask Maps künftig komplexe Wünsche berücksichtigen, statt nur eine Liste von Unterkünften in einem bestimmten Gebiet auszugeben.
Eine Anfrage kann beispielsweise ein preislich angemessenes, gut bewertetes Hotel für eine Konferenz verlangen, das gleichzeitig in Gehweite eines Fitnessstudios und mehrerer Restaurants liegt. Nach Angaben von Google vergleicht Maps dafür aktuelle Preise und prüft die Verfügbarkeit.
Das ist vor allem für Suchanfragen interessant, bei denen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt werden sollen. Ein klassischer Filter kann zwar Preis, Bewertung oder Entfernung berücksichtigen, versteht aber nicht immer die gesamte Absicht hinter einer frei formulierten Anfrage.
Bei Veranstaltungen verfolgt Google ein ähnliches Prinzip. Ask Maps soll Konzerte, Comedy-Shows und andere Events in der Nähe anzeigen und entsprechende Möglichkeiten zum Ticketkauf präsentieren. Die neuen Funktionen für Essensbestellungen sowie die erweiterte Suche nach Hotels und Events starten zunächst in den USA.
| Funktion | Was Ask Maps übernimmt | Verfügbarkeit zum Start |
|---|---|---|
| Restaurants | passende Lokale und Gerichte suchen, Warenkorb vorbereiten | zunächst USA |
| Hotels | Preise und Verfügbarkeit vergleichen | zunächst USA |
| Veranstaltungen | Events finden und Ticketmöglichkeiten anzeigen | zunächst USA |
| Gmail-Verknüpfung | Reise- und Reservierungsinformationen berücksichtigen | dort, wo Funktion ausgerollt wird |
| ÖPNV | aktuelle Abfahrten und Verspätungen anzeigen | in unterstützten Ask-Maps-Märkten |
| Gesprächsverlauf | frühere Unterhaltungen fortsetzen | bei aktiviertem Verlauf |
Gmail liefert auf Wunsch persönliche Informationen
Mit Personal Intelligence wird Maps noch stärker mit anderen Google-Diensten verknüpft. Nutzer können Ask Maps freiwillig Zugriff auf relevante Informationen aus Gmail geben. Kalenderdaten sollen später ebenfalls eingebunden werden.
Ein typischer Anwendungsfall ist eine Reise. Liegt in Gmail bereits eine Hotelbestätigung und ist für den folgenden Tag ein Flug gebucht, kann Ask Maps diese Informationen berücksichtigen. Der Nutzer müsste dann nicht erneut Hoteladresse, Abflugzeit und andere Rahmendaten eintippen.
Eine Anfrage wie „Was kann ich morgen vor meinem Flug noch in der Nähe meines Hotels unternehmen?“ könnte dadurch personalisierte Vorschläge liefern. Maps kann dabei den gebuchten Aufenthaltsort berücksichtigen und außerdem einschätzen, wann die Fahrt zum Flughafen beginnen sollte.
Die Verbindung zu Gmail ist laut Google standardmäßig deaktiviert. Nutzer müssen sie selbst einschalten. Google betont außerdem, dass Anwender entscheiden können, welche Dienste mit dem System verbunden werden.
Die Funktion verändert vor allem den Kontext einer Maps-Suche. Statt jede Reiseinformation erneut einzugeben, kann die KI vorhandene Buchungen berücksichtigen. Wer das nicht möchte, muss Gmail nicht mit Ask Maps verbinden.
Frühere Gespräche können später fortgesetzt werden
Eine weitere Neuerung betrifft den Verlauf. Sind die entsprechenden Verlaufseinstellungen aktiviert, kann Ask Maps auf frühere Unterhaltungen zurückgreifen.
Das ist vor allem bei längerfristiger Reiseplanung praktisch. Wer sich einige Tage zuvor Ausflugsziele für Seattle oder eine andere Stadt vorschlagen ließ, kann später nach diesen Empfehlungen fragen, ohne die gesamte Unterhaltung neu beginnen zu müssen.
Das Prinzip ähnelt damit stärker einem persönlichen Assistenten als einer traditionellen Kartenabfrage. Maps versucht nicht nur, aktuelle Orte auf einer Karte darzustellen, sondern behält auf Wunsch den Zusammenhang einer früheren Planung.
Für Nutzer entsteht dadurch allerdings eine neue Entscheidung: Komfort gegen Datenzugriff. Je mehr persönliche Informationen die Anwendung kennen darf, desto genauer können Vorschläge auf bestehende Pläne zugeschnitten werden.
Aus Produktsicht liegt der größte Unterschied nicht in einer einzelnen neuen Schaltfläche. Ask Maps verbindet Standortdaten, aktuelle Informationen und auf Wunsch persönliche Planung zu einer gemeinsamen Anfrage.
Busse und Bahnen bekommen Live-Anzeigen
Eine der praktischsten Neuerungen betrifft Live-Verkehrsdaten für öffentliche Verkehrsmittel. Ask Maps kann aktuelle Abfahrten und Verzögerungen von Bus, Bahn, U-Bahn und Fähre in einer neuen Ansicht darstellen.
Fragt ein Nutzer beispielsweise nach der nächsten geeigneten Fährverbindung, kann Maps mehrere Möglichkeiten auf einer Art digitaler Abfahrtstafel zusammenfassen. Verspätet sich eine Verbindung, soll sich auch die angezeigte Wartezeit laufend ändern.
Google Maps verarbeitet bereits Echtzeitinformationen zu Verkehrsstörungen auf Straßen. Ask Maps kann unter anderem Auskunft über Baustellen, Unfälle oder die aktuelle Auslastung bestimmter Orte geben. Die Integration von Live-Daten des öffentlichen Verkehrs erweitert dieses Konzept nun auf weitere Verkehrsmittel.
Für Pendler ist das möglicherweise relevanter als die spektakuläreren KI-Funktionen zum Bestellen oder Buchen. Eine direkt in die Unterhaltung eingebundene Information über die nächste Bahn reduziert den Wechsel zwischen Routenansicht, Abfahrtsplan und separaten Suchanfragen.
Nutzer können Änderungen per Unterhaltung melden
Google verändert auch die Art, wie Informationen zu Orten aktualisiert werden. Nutzer sollen Änderungen künftig direkt im Gespräch mit Ask Maps melden können.

Hat ein Geschäft beispielsweise neue Öffnungszeiten, kann ein Nutzer darauf hinweisen. Sogar ein Foto eines Schildes soll ausreichen: Maps erkennt die darauf sichtbaren Zeiten, bittet um eine Bestätigung und bereitet anschließend den Änderungsvorschlag vor.
Auch praktische Hinweise können auf diese Weise eingereicht werden. Ein Beispiel wäre die Information, dass sich zusätzliche Parkplätze hinter einem Gebäude befinden.
Google überprüft solche Beiträge weiterhin mit seinen bestehenden Schutzsystemen. Eine KI-Eingabe bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Änderung sofort öffentlich sichtbar wird.
Was ist von den neuen Google-Maps-Funktionen in Deutschland verfügbar?
Für Google Maps Deutschland ist die Lage derzeit zweigeteilt. Ask Maps wird inzwischen in zahlreichen Ländern und Regionen auf Englisch ausgerollt. Die besonders weitgehenden Funktionen zum Bestellen von Essen, zur Hotelsuche mit den neuen agentischen Fähigkeiten, zur Eventsuche und zu dialogbasierten Änderungsvorschlägen beschränkt Google zum aktuellen Start jedoch auf die USA.
Einen konkreten Termin für den vollständigen Deutschland-Start dieser Funktionen nennt das Unternehmen bislang nicht.
Das bedeutet auch: Berichte, nach denen deutsche Nutzer bereits flächendeckend direkt über Ask Maps Essen bestellen oder den kompletten neuen Hotelprozess verwenden können, greifen zu kurz. Google kündigt eine schrittweise internationale Erweiterung an, nennt dafür jedoch noch keinen festen deutschen Starttag.
Andere Bestandteile wie aktuelle Verkehrsinformationen, stärker personalisierte Antworten und das Fortsetzen früherer Gespräche werden breiter in den Märkten eingeführt, in denen Ask Maps verfügbar ist. Sprach- und Länderfreigaben können sich dabei unterscheiden.
Google Maps verändert seinen eigentlichen Zweck
Die aktuelle Erweiterung zeigt, wohin Google mit Maps will. Die App soll nicht mehr nur beantworten, wo sich ein Ort befindet oder wie lange die Fahrt dorthin dauert. Sie soll zunehmend verstehen, was ein Nutzer erledigen möchte, und möglichst viele Zwischenschritte selbst übernehmen.
Restaurantsuche, Reiseplanung und öffentliche Verkehrsmittel sind dafür naheliegende Bereiche, weil Maps bereits über Standortinformationen, Öffnungszeiten, Bewertungen, Routen und Verkehrsdaten verfügt. Gemini verbindet diese vorhandenen Daten nun stärker mit frei formulierten Anfragen.
Der Unterschied lässt sich einfach formulieren: Früher fragte man Google Maps nach einem Restaurant. Künftig kann die Anfrage lauten, welches passende Restaurant auf dem Heimweg geöffnet hat, das gewünschte Gericht anbietet und bestimmte Ernährungswünsche berücksichtigt.
Damit entwickelt sich Google Maps mit KI vom digitalen Stadtplan zum aktionsorientierten Assistenten. In Deutschland dürften Nutzer vorerst allerdings nur einen Teil der neuen Möglichkeiten sehen. Wann Essenbestellung, erweiterte Hotelaktionen und Eventfunktionen hier vollständig verfügbar werden, hat Google noch nicht angekündigt.