Der Rheinpegel in Köln ist am Dienstag, dem 11. August 2026, auf einen neuen historischen Tiefstand gefallen. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes meldete am Nachmittag einen Pegelstand von nur noch 55 Zentimetern. Damit liegt der Wert deutlich unter dem bisherigen historischen Minimum von 69 Zentimetern aus dem Oktober 2018, die monrose.de berichtet mit stern.de.
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Die aktuellen Berechnungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde sehen für Köln bis Freitagabend einen weiteren Rückgang auf etwa 47 Zentimeter vor. Auch an anderen Messstellen in Nordrhein-Westfalen werden außergewöhnlich niedrige Werte registriert.
Der neue Tiefstand ist nicht nur eine auffällige Zahl am Pegel. Er verändert bereits die Bedingungen für Güter- und Fahrgastschiffe. Bleibt ergiebiger Regen aus, dürfte sich die Situation in den kommenden Tagen weiter zuspitzen.

Köln unterschreitet den Rekord von 2018 deutlich
Noch vor wenigen Jahren galt der Oktober 2018 als außergewöhnliches Niedrigwasserjahr. Damals wurden am Pegel Köln 69 Zentimeter gemessen, die lange als niedrigster bekannter Wert geführt wurden. Anfang August 2026 fiel der Pegel zunächst auf 67 Zentimeter und unterschritt diese Marke erstmals. Inzwischen ist der Wasserstand noch einmal deutlich zurückgegangen.
Am 11. August zeigte die offizielle Messstation gegen 14 Uhr nur noch 55 Zentimeter. Die Tendenz bleibt negativ: Für Mittwoch und Donnerstag werden Werte um 51 bis 49 Zentimeter erwartet, am Freitag könnte der Pegel nach der aktuellen Abschätzung bis auf 47 Zentimeter sinken.
| Pegel Köln | Wasserstand |
|---|---|
| bisheriger Rekord 2018 | 69 cm |
| 1. August 2026 | etwa 67 cm |
| 11. August 2026, 14 Uhr | 55 cm |
| Prognose 12. August | etwa 51 cm |
| Prognose 14. August | bis etwa 47 cm |
Die Dimension wird auch im langfristigen Vergleich sichtbar. Der mittlere niedrigste Wasserstand für den Zeitraum von November 2010 bis Oktober 2020 liegt am Pegel Köln bei 114 Zentimetern. Der aktuelle Wert erreicht damit nicht einmal die Hälfte dieses Referenzwertes.
„Das Besondere ist einfach dieser extreme Niedrigwasserstand“, erklärte Wasserbaumeister Mario Kurtenbach vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein bereits während der Vermessungsarbeiten Anfang August.
Auch Düsseldorf, Duisburg und Emmerich melden Extremwerte
Das Niedrigwasser am Rhein betrifft nicht nur Köln. Entlang des nordrhein-westfälischen Rheinabschnitts zeigen nahezu alle wichtigen Pegel sehr niedrige Werte.
Am Dienstag gegen 14 Uhr lag Düsseldorf bei nur 10 Zentimetern. Duisburg-Ruhrort meldete 140 Zentimeter, in Emmerich stand der Pegel sogar bei minus 10 Zentimetern.
| Messstelle | Pegelstand am 11. August 2026 |
| Köln | 55 cm |
| Düsseldorf | 10 cm |
| Duisburg-Ruhrort | 140 cm |
| Emmerich | -10 cm |
| Kaub | 14 cm |
Die Zahlen dürfen allerdings nicht direkt miteinander verglichen werden. Jeder Pegel besitzt einen eigenen lokalen Nullpunkt. Ein negativer Wert in Emmerich bedeutet deshalb nicht, dass dort kein Wasser mehr vorhanden ist. Er zeigt lediglich, dass die Wasseroberfläche unterhalb des festgelegten Pegelnullpunkts liegt. Die Fahrrinne kann weiterhin deutlich tiefer sein.
Ein Pegel von 55 Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein in Köln nur 55 Zentimeter tief ist. Pegelstand und tatsächliche Wassertiefe sind zwei unterschiedliche Größen. Für die Schifffahrt zählt vor allem, welche nutzbare Fahrrinnentiefe an einer konkreten Stelle verbleibt.
Warum der Rhein trotz Rekordtief nicht trockenfällt
Für Spaziergänger am Rheinufer entsteht derzeit leicht der Eindruck, der Fluss könne vollständig austrocknen. Große Kies- und Sandflächen werden sichtbar, Buhnen ragen weit aus dem Wasser und Uferbereiche, die normalerweise überspült sind, liegen trocken.
Trotzdem bedeutet ein niedriger Pegel nicht automatisch das Ende der Schifffahrt. Der Flussboden verläuft nicht auf Höhe des Pegelnullpunkts. Die Fahrrinne befindet sich vielerorts deutlich darunter und wird gezielt für den Schiffsverkehr freigehalten.
Bei extremem Niedrigwasser verändert sich jedoch der mögliche Tiefgang eines Schiffes. Ein Frachter, der normalerweise mit voller Ladung unterwegs wäre, muss deutlich weniger Güter aufnehmen, damit sein Rumpf nicht zu tief ins Wasser reicht.
Die wichtigsten Folgen sind:
- Frachtschiffe können weniger Ladung transportieren,
- für dieselbe Gütermenge werden mehr Fahrten benötigt,
- Transportkosten steigen,
- einzelne Strecken werden für große Schiffe unwirtschaftlich,
- Fahrgast- und Kreuzfahrtschiffe können Fahrpläne ändern,
- Häfen und Industrieunternehmen müssen alternative Transporte organisieren.
Während des Niedrigwassers Anfang August berichtete der WDR, dass manche Schiffe zeitweise nur noch mit einem Bruchteil ihrer üblichen Ladung verkehren konnten. Weniger Fracht je Schiff verteuert Transporte von Mineralöl, Chemikalien, Baustoffen und anderen Massengütern.
Besonders kritisch wird die Lage bei Kaub
Für die deutsche Binnenschifffahrt ist nicht Köln allein entscheidend. Einer der wichtigsten Punkte befindet sich weiter südlich am Mittelrhein bei Kaub zwischen Mainz und Koblenz.
Dieser Abschnitt gilt als natürliche Engstelle. Felsen und eine vergleichsweise geringe Fahrrinnentiefe machen die Passage bereits unter normalen Bedingungen anspruchsvoller. Am 11. August wurden am Pegel Kaub nur noch 14 Zentimeter gemessen.
Für Freitag gingen Prognosen zuletzt von einem Wert im niedrigen einstelligen Bereich aus. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt warnt deshalb davor, dass der gewerbliche Güterverkehr an diesem Abschnitt praktisch zum Erliegen kommen könnte.
„Wir haben jetzt eine wirklich dramatische Situation“, sagte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen zur Entwicklung am Mittelrhein.
Sollte Kaub für größere Frachtschiffe wirtschaftlich nicht mehr passierbar sein, hätte das Auswirkungen weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Transporte zwischen den großen Nordseehäfen und Süddeutschland könnten nicht mehr wie gewohnt durchgehend über den Rhein abgewickelt werden.
Niedrigwasser wird zum Problem für Industrie und Verbraucher
Der Rhein 2026 ist weiterhin eine der bedeutendsten europäischen Transportachsen. Über den Fluss gelangen unter anderem Mineralölprodukte, Kohle, Erze, Chemierohstoffe, Baustoffe und Container zu Industrie- und Logistikstandorten.
Sinkt die mögliche Ladungsmenge eines Schiffes, steigen die Kosten pro transportierter Tonne. Unternehmen können zusätzliche Schiffe einsetzen, auf Bahn und Lkw ausweichen oder Lieferungen verschieben. Keine dieser Lösungen steht jedoch unbegrenzt zur Verfügung.
Besonders empfindlich reagieren Branchen mit großen Mengen schwerer Rohstoffe. Chemieunternehmen, Stahlwerke, Raffinerien und Baustoffproduzenten nutzen den Rhein gerade deshalb intensiv, weil Binnenschiffe große Mengen vergleichsweise effizient bewegen können.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hatte bereits Anfang August vor wirtschaftlichen Folgen gewarnt und darauf hingewiesen, dass geringere Schiffsladungen Transporte verteuern.
Für Verbraucher können solche Belastungen indirekt relevant werden. Höhere Transportkosten können sich beispielsweise bei Treibstoffen oder Baustoffen bemerkbar machen, wenn Unternehmen die zusätzlichen Logistikkosten weitergeben.
Warum sich die Lage bisher kaum verbessert
Hinter dem extrem niedrigen Wasserstand steht vor allem ein länger anhaltendes Niederschlagsdefizit. Den Flüssen fehlt kontinuierlicher Zufluss aus den Einzugsgebieten, während hohe Temperaturen zusätzlich die Verdunstung erhöhen.

Einzelne Schauer lösen das Problem nicht. Damit sich ein großer Fluss wie der Rhein nachhaltig erholt, muss über ein großes Gebiet über längere Zeit ausreichend Regen fallen. Genau das zeigen die Wettermodelle kurzfristig bislang nicht.
Hinzu kommt der ungewöhnliche Zeitpunkt. Extreme Niedrigwasserstände wurden in Deutschland bisher häufig eher im Spätsommer oder Herbst beobachtet. 2026 erreichte der Rhein bereits Anfang August Rekordmarken. Dadurch bleibt noch ein erheblicher Teil des Sommers, in dem weitere trockene und heiße Perioden auftreten können.
Die Wasserstraßenverwaltung nutzt die außergewöhnliche Situation inzwischen auch für Vermessungsarbeiten. Mehrere Schiffe haben Abschnitte des Rheins untersucht, um zusätzliche Informationen über Wasseroberfläche und Flussbett zu sammeln. Solche Daten können später für Vorhersagemodelle und Maßnahmen an der Fahrrinne verwendet werden.
Was die nächsten Tage für Köln bringen
Für den Rheinpegel Köln aktuell zeigt die offizielle Vorhersage zunächst weiter nach unten. Nach 55 Zentimetern am Dienstagnachmittag soll sich der Wert am Mittwoch in Richtung 51 Zentimeter bewegen. Für Donnerstag werden rund 49 bis 50 Zentimeter abgeschätzt, am Freitag sind zeitweise nur noch etwa 47 bis 48 Zentimeter möglich.
Damit würde der erst Anfang August aufgestellte Rekord innerhalb weniger Tage mehrfach deutlich unterboten. Auch Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Emmerich bleiben auf außergewöhnlich niedrigem Niveau.
Eine leichte Veränderung einzelner Pegel bedeutet dabei noch keine nachhaltige Entspannung. Entscheidend sind größere Niederschlagsmengen im gesamten Einzugsgebiet des Rheins. Solange diese ausbleiben, bleiben niedrige Fahrrinnentiefen, reduzierte Schiffsladungen und höhere Transportkosten ein Problem.
Der Blick richtet sich deshalb nicht nur auf die markante Pegellatte am Kölner Rheinufer. Wirtschaftlich entscheidender wird sein, ob kritische Engstellen wie Kaub weiter passierbar bleiben. Mit nur 55 Zentimetern in Köln am 11. August und einer Prognose von rund 47 Zentimetern für Freitag hat das Niedrigwasser jedenfalls eine Dimension erreicht, die den bisherigen Rekord von 2018 deutlich hinter sich lässt.