Honor hat aus einem der ungewöhnlichsten Smartphone-Konzepte der vergangenen Monate ein kommerzielles Produkt gemacht. Das Honor Robot Phone wurde am 12. August 2026 offiziell vorgestellt und kombiniert ein High-End-Android-Smartphone mit einem motorisierten Kameramodul, das sich aus dem Gehäuse herausbewegen kann. Der Verkaufsstart in China folgt am 18. August, die monrose.de berichtet mit gamestar.de.
Der ausfahrbare Arm ist dabei weit mehr als ein auffälliger Designtrick. Honor nutzt ihn als mechanischen Gimbal für stabilisierte Videoaufnahmen, automatische Motivverfolgung und KI-gestützte Interaktionen. Im Inneren stecken zugleich typische Flaggschiff-Komponenten: Snapdragon 8 Elite Gen 5, bis zu 1 TB Speicher, ein 7.060-mAh-Akku und ein Kamerasystem mit zwei 200-Megapixel-Sensoren.
Für deutsche Interessenten bleibt allerdings eine entscheidende Frage offen. Honor nennt bislang keinen konkreten Verkaufstermin und keinen offiziellen Euro-Preis für Deutschland. Der chinesische Preis zeigt dennoch, dass das Gerät deutlich oberhalb gewöhnlicher Mittelklasse-Smartphones positioniert ist.

Honor Robot Phone wird vom Konzept zum echten Produkt
Die Grundidee hatte Honor bereits vor der eigentlichen Markteinführung gezeigt. Das Robot Phone sollte nicht einfach eine weitere rechteckige Smartphone-Generation mit größerem Kamerahügel werden, sondern Bewegung als zusätzliche Bedien- und Aufnahmefunktion erhalten. Auf dem Mobile World Congress 2026 präsentierte Honor das Gerät bereits als reale Entwicklung und nicht mehr nur als Designstudie.
Jetzt steht die endgültige Hardware fest. Im Kamerabereich sitzt ein kompakter Mechanismus aus mehr als 100 Präzisionskomponenten. Der sogenannte Titanium Agile Gimbal kann die Kamera aus ihrer Ruheposition bewegen und ermöglicht eine schnelle motorisierte Ausrichtung. Honor spricht von einem 4-DoF-System, wobei die eigentliche Bildstabilisierung über einen mechanischen Drei-Achsen-Gimbal erfolgt.
Damit kann sich die Kamera beispielsweise während eines Videos auf eine Person ausrichten, ihr folgen oder Bewegungen ausgleichen. Das Smartphone wird dadurch teilweise zu seinem eigenen Kameramann.
Die auffällige Konstruktion verändert einen grundlegenden Punkt bei Smartphone-Kameras. Normalerweise bewegt sich der Nutzer um das Telefon oder richtet das komplette Gerät neu aus. Beim Robot Phone kann sich erstmals das Kameramodul selbst deutlich sichtbar im Raum orientieren.
So funktioniert der Roboterarm mit Kamera
Das Herzstück des Geräts ist der mechanische Kameraarm. Honor hat den Antrieb so verkleinert, dass die Konstruktion vollständig in ein Smartphone-Gehäuse integriert werden kann. Der Titan-Gimbal-Motor wiegt nach Herstellerangaben nur 2,6 Gramm und ermöglicht Bewegungen mit bis zu 360 Grad pro Sekunde.
Im Alltag soll der Mechanismus mehrere Aufgaben übernehmen:
- automatische Verfolgung von Personen und anderen Motiven
- stabilisierte Videoaufnahmen beim Gehen oder Bewegen
- selbstständiges Schwenken während Videoanrufen
- Steuerung der Kameraposition über Gesten
- FPV- und vertikale FPV-Aufnahmemodi
- automatische Drehbewegungen für dynamische Videos
- körperähnliche Bewegungen als Teil der KI-Interaktion
Die Kamera kann beispielsweise während eines Vlogs auf eine Person gerichtet bleiben, auch wenn diese ihre Position verändert. Honor kombiniert dafür die Motorsteuerung mit Motivtracking und der Erkennung von Sprachquellen. Bei unterstützten Funktionen lässt sich der Arm außerdem ohne direkte Berührung des Displays aktivieren.
Honor beschreibt das Robot Phone nicht nur als Kamera-Smartphone, sondern als Gerät mit „verkörperter“ KI. Bewegungen des Kameramoduls sollen dabei zu einer zusätzlichen Form der Interaktion werden.
Das reicht bis zu eher spielerischen Funktionen. Der bewegliche Kamerakopf kann nicken, den Kopf schütteln, sich zur Musik bewegen oder auf bestimmte Situationen mit einer sichtbaren Bewegung reagieren. Technisch interessant wird das Konzept vor allem dort, wo diese Beweglichkeit tatsächlich einen funktionalen Nutzen hat, etwa beim Filmen und bei Videoanrufen.
Zwei 200-MP-Kameras und Technik von ARRI
Beim Kamerasystem setzt Honor auf ungewöhnlich hohe Auflösungen. Die Hauptkamera des Gimbals arbeitet mit 200 Megapixeln und einem 1/1,28 Zoll großen Sensor. Die Blende liegt bei f/1.6. Ergänzt wird sie durch eine 200-MP-Periskop-Telekamera mit 1/1,4-Zoll-Sensor und 2,7-fachem optischem Zoom. Eine 50-MP-Ultraweitwinkelkamera mit einem Blickwinkel von 122 Grad vervollständigt das System.
Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit dem deutschen Kameraspezialisten ARRI. Honor integriert ausgewählte Technologien aus dessen professioneller Bildverarbeitung und Filmproduktion. Dazu zählen ARRI LogC3, Wide Gamut 3 und verschiedene ARRI Looks. Die 200-MP-Hauptkamera kann im ARRI-CINEMA-Modus 10-Bit-LogC3-Video aufnehmen.
Damit richtet sich Honor sichtbar an Nutzer, die Videos nicht nur aufnehmen und sofort veröffentlichen, sondern das Material anschließend bearbeiten möchten. Log-Aufnahmen erhalten mehr Informationen in hellen und dunklen Bildbereichen und geben bei Farbkorrekturen einen größeren Spielraum.
ARRI-Produktchef David Bermbach stellte bei der Kooperation die Kontrolle über das Bild in den Mittelpunkt. Nicht allein eine immer höhere Pixelzahl, sondern die Möglichkeiten für Filmschaffende seien entscheidend.
Honor verbindet diesen professionellen Ansatz mit KI-Verarbeitung. Die interne Bildpipeline verarbeitet Videodaten laut Hersteller mit hoher Farbtiefe, während KI-Verfahren unter anderem Bildrauschen reduzieren und den Dynamikumfang optimieren sollen.
Honor Robot Phone: technische Daten im Überblick
Trotz der außergewöhnlichen Kamera bleibt das Gerät technisch ein klassisches High-End-Smartphone. Als Prozessor kommt Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen 5 zum Einsatz. Die Plattform ist für Premium-Android-Geräte ausgelegt und kombiniert eine Oryon-CPU mit leistungsfähiger Grafik- und KI-Verarbeitung.
| Ausstattung | Honor Robot Phone |
|---|---|
| Display | 6,31 Zoll LTPO OLED |
| Bildwiederholrate | adaptiv 1 bis 120 Hz |
| Prozessor | Snapdragon 8 Elite Gen 5 |
| Arbeitsspeicher | 12 GB oder 16 GB |
| Speicher | 512 GB oder 1 TB |
| Hauptkamera | 200 MP, 1/1,28 Zoll, f/1.6 |
| Telekamera | 200 MP, 2,7x optischer Zoom |
| Ultraweitwinkel | 50 MP, 122 Grad |
| Akku | 7.060 mAh |
| Laden per Kabel | bis 120 Watt |
| Kabelloses Laden | bis 50 Watt |
| Betriebssystem | MagicOS |
Das OLED-Display misst 6,31 Zoll und arbeitet mit einer adaptiven Bildwiederholrate zwischen 1 und 120 Hertz. Honor nennt zudem eine Spitzenhelligkeit von bis zu 6.800 Nits und 4.320-Hz-PWM-Dimming. Geschützt wird das Panel durch das hauseigene NanoCrystal Shield.
Der 7.060-mAh-Akku muss auch den Motor versorgen
Eine bewegliche Kamera benötigt zusätzliche Energie, gleichzeitig beanspruchen Videoaufnahme, Display, Bildverarbeitung und KI-Funktionen den Akku. Honor verbaut deshalb einen vergleichsweise großen 7.060-mAh-Akku auf Silizium-Kohlenstoff-Basis.
Geladen wird kabelgebunden mit bis zu 120 Watt. Kabellos unterstützt das Smartphone bis zu 50 Watt. Honor hat außerdem ein eigenes Kühlsystem integriert, das bei längeren Aufnahmephasen Leistungseinbrüche durch hohe Temperaturen reduzieren soll.
Gerade bei einem Gerät mit mechanischen Komponenten wird die Alltagserfahrung jedoch von mehr abhängen als von Prozessor und Akkugröße. Langfristig interessant sind etwa die Robustheit des Arms, der Energieverbrauch bei häufigem Tracking und die Frage, wie gut der Mechanismus nach Monaten intensiver Nutzung funktioniert.
Honor selbst verweist auf mehr als 60 Fertigungsschritte und über 100 Patente für die Konstruktion. Das Unternehmen gibt an, das System im Vergleich zu herkömmlichen Gimbal-Lösungen erheblich verkleinert und zugleich strukturell verstärkt zu haben.
KI soll dem Smartphone eine Art Körpersprache geben
Honor verbindet die Hardware mit dem YOYO Robot Mode in MagicOS. Die Software kombiniert Wahrnehmung, Kontextverständnis, Gestenerkennung und die Bewegung des Kameramoduls. Dadurch soll die KI nicht nur über Text, Sprache oder Displayelemente reagieren.
Das Smartphone kann beispielsweise während eines Videoanrufs automatisch die Person verfolgen. Dreht sie sich oder bewegt sich im Raum, schwenkt die Kamera nach. Honor spricht dabei von „All-angle AI Video Calling“.
Ein zweiter Teil betrifft den KI-Agenten selbst. YOYO Auto Execution soll komplexere Aufgaben über unterstützte Anwendungen und Systemeinstellungen hinweg erledigen können. Entwickler sollen über eine offene Schnittstelle Funktionen erstellen können, die auf Gimbal, Sensorik und die Bewegung des Robot Phone zugreifen.

Hier entscheidet sich, ob der Roboterarm langfristig mehr als ein spektakulärer Hingucker bleibt. Automatisches Tracking und freihändiges Filmen liefern bereits einen klaren praktischen Nutzen. Bewegungen als emotionale Reaktion der KI müssen dagegen erst im Alltag zeigen, ob Nutzer darin echten Mehrwert oder vor allem Unterhaltung sehen.
Honor Robot Phone: Preis startet bei 9.999 Yuan
Honor bringt das Gerät zunächst in zwei Konfigurationen auf den Markt. Die kleinere Version kombiniert 12 GB Arbeitsspeicher mit 512 GB internem Speicher und kostet in China 9.999 Yuan. Das Spitzenmodell bietet 16 GB RAM und 1 TB Speicher für 12.999 Yuan.
| Variante | Speicher | Preis in China |
| Basismodell | 12 GB + 512 GB | 9.999 Yuan |
| Topmodell | 16 GB + 1 TB | 12.999 Yuan |
Vorbestellungen in China starteten bereits am Abend des 12. August 2026. Der reguläre Verkauf beginnt dort am 18. August um 10:08 Uhr Ortszeit. Zum Paket gehören nach Angaben von Honor zusätzliche Zubehörartikel wie ein magnetischer Standfuß, ein Trageband und ein 120-Watt-Ladegerät.
Damit positioniert sich das Robot Phone bereits auf seinem Heimatmarkt als ausgesprochen teures Premiumgerät. Ein direkter Umrechnungskurs liefert allerdings keinen verlässlichen Hinweis darauf, welchen Preis Honor bei einem möglichen europäischen Marktstart verlangen würde. Steuern, Vertrieb, Garantiebedingungen und regionale Preisstrategien können den Endpreis erheblich verändern.
Wann kommt das Honor Robot Phone nach Deutschland?
Für Käufer hierzulande ist die Verfügbarkeit in Deutschland der größte offene Punkt. Honor spricht zwar über eine internationale Entwicklung des Projekts und führt das Robot Phone inzwischen auf seiner globalen Produktseite. Einen deutschen Verkaufsstart mit Termin und offizieller unverbindlicher Preisempfehlung hat der Hersteller bislang jedoch nicht angekündigt.
Damit lassen sich derzeit drei Dinge sicher voneinander unterscheiden:
- Das Robot Phone ist kein bloßes Konzept mehr, sondern ein offiziell vorgestelltes kommerzielles Produkt.
- Preis und Verkaufsstart für China stehen fest.
- Ein konkreter Termin und Preis für Deutschland sind am 14. August 2026 noch offen.
Ein möglicher Import aus China ist nicht dasselbe wie ein regulärer deutscher Marktstart. Bei Importgeräten können Mobilfunkfrequenzen, Software, Dienste, Garantieabwicklung und Reparaturmöglichkeiten von einer offiziellen europäischen Version abweichen.
Warum das Robot Phone mehr Aufmerksamkeit bekommt als normale Flaggschiffe
Smartphones unterscheiden sich seit Jahren häufig durch schnellere Prozessoren, neue Kamerasensoren und kleinere Änderungen an Display oder Gehäuse. Honor verändert mit seinem Roboterarm dagegen sichtbar die physische Konstruktion des Geräts.
Das schafft neue Möglichkeiten, bringt aber gleichzeitig neue Fragen mit sich. Ein bewegliches Kamerasystem hat mehr mechanische Teile als ein festes Kameramodul. Käufer werden deshalb nicht nur Kameraqualität, Akkulaufzeit und Geschwindigkeit bewerten, sondern auch Stabilität, Geräuschentwicklung, Reparierbarkeit und Haltbarkeit des Gimbals.
Für Videoproduktion ist der Ansatz besonders interessant. Ein separates Smartphone-Gimbal kann sperrig sein und muss zusätzlich transportiert, geladen und eingerichtet werden. Beim Robot Phone steckt ein Teil dieser Technik bereits im Gehäuse.
Honor-CEO James Li ordnete die Kamera bei der Präsentation deshalb nicht allein über Auflösung ein. Die Kombination aus Hardware, Algorithmen und Bildgestaltung soll nach seiner Darstellung stärker bestimmen, wie professionell Smartphone-Aufnahmen wirken.
Ein ungewöhnliches Smartphone mit einer großen offenen Frage
Das Honor Robot Phone gehört 2026 zu den wenigen neuen Smartphones, bei denen sich die wichtigste Neuerung bereits von außen erkennen lässt. Der ausfahrbare Gimbal kann Motive verfolgen, Videoaufnahmen stabilisieren, sich bei Videoanrufen selbst ausrichten und als sichtbarer Teil der KI-Interaktion bewegen. Dazu kommen zwei 200-MP-Kameras, Snapdragon 8 Elite Gen 5, bis zu 1 TB Speicher und ein 7.060-mAh-Akku.
Mit 9.999 beziehungsweise 12.999 Yuan ist das Gerät in China klar im oberen Preissegment angesiedelt. Der dortige Verkaufsstart am 18. August 2026 ist bestätigt.
Für Deutschland bleibt dagegen Geduld nötig. Honor führt das Smartphone global, hat aber bislang weder einen deutschen Preis noch einen konkreten Termin für den hiesigen Handel genannt. Erst eine entsprechende Ankündigung wird zeigen, ob aus einem der ungewöhnlichsten Smartphones des Jahres auch ein regulär verfügbares Modell für deutsche Käufer wird.