Die Deutsche Telekom baut ihr Geschäft in Polen mit einer milliardenschweren Übernahme aus. Der Konzern hat sich mit den bisherigen Eigentümern auf den Erwerb von Fiberhost und Inea geeinigt und will damit T-Mobile Polska deutlich stärker im Festnetz- und Glasfasergeschäft positionieren. Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei rund einer Milliarde Eurо, die monrose.de berichtet mit deraktionaer.de.
Hinter dem Kauf steckt mehr als eine reine Erweiterung des Kundenbestands. Fiberhost bringt ein eigenes Glasfasernetz mit, das mehr als 1,4 Millionen Haushalte erreicht, während Inea über 300.000 Kunden beisteuert. Damit erhält T-Mobile Polska zusätzliche Infrastruktur, statt beim Ausbau konvergenter Angebote ausschließlich auf Netzzugänge anderer Anbieter angewiesen zu sein.
Deutsche Telekom zahlt rund eine Milliarde Euro
Die Vereinbarung umfasst die vollständige Übernahme von Fiberhost sowie den Erwerb von Inea. Verkäufer sind der von Macquarie Asset Management verwaltete Macquarie European Infrastructure Fund 5 und weitere Minderheitsgesellschafter. Für beide Unternehmen zusammen wurde eine Unternehmensbewertung von ungefähr einer Milliarde Euro genannt.
Für Deutsche Telekom in Polen ist die Transaktion ein weiterer Schritt weg von einem Geschäftsmodell, das bei T-Mobile Polska lange stark vom Mobilfunk geprägt war. Der polnische Ableger soll Mobilfunk, Festnetz, Glasfaser, TV und weitere digitale Dienste stärker aus einer Hand anbieten können.

Das Prinzip ist aus anderen europäischen Telekommunikationsmärkten bekannt. Wer sowohl Mobilfunk als auch die Infrastruktur für Festnetzanschlüsse kontrolliert, kann Kombitarife einfacher entwickeln und ist bei Kapazitäten sowie Investitionen weniger von externen Netzbetreibern abhängig.
| Bereich | Fiberhost | Inea |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Glasfaser-Infrastruktur | Internet- und TV-Dienste |
| Bedeutung für Telekom | eigenes FTTH-Netz | bestehender Kundenstamm |
| Reichweite | über 1,4 Mio. Haushalte | Netzzugang für mehrere Mio. Haushalte |
| Kundenstruktur | Wholesale-Anbieter | mehr als 300.000 Kunden |
| Rolle nach der Transaktion | Teil des T-Mobile-Polska-Umfelds | Teil des T-Mobile-Polska-Umfelds |
Der Kauf verändert damit vor allem die technische Ausgangslage von T-Mobile Polska. Das Unternehmen bekommt erstmals ein eigenes FTTH-Netz dieser Größenordnung. Gleichzeitig kommt ein etablierter Festnetz- und TV-Anbieter mit einem bestehenden Kundenstamm hinzu.
Fiberhost bringt Glasfaser für 1,4 Millionen Haushalte
Besonders wertvoll für die Telekom ist die Fiberhost Übernahme wegen der bereits vorhandenen Infrastruktur. Das Unternehmen betreibt ein offenes FTTH-Netz, das aktuell mehr als 1,4 Millionen Haushalte in Polen passiert. Das Netz erstreckt sich über acht der 16 polnischen Regionen und erreicht mehr als 9.700 Städte, Orte und Dörfer. Rund 60 Prozent der erschlossenen Gebiete befinden sich im ländlichen Raum.
Fiberhost arbeitet dabei nach dem Open-Access-Prinzip. Das Unternehmen stellt seine Infrastruktur verschiedenen Telekommunikationsanbietern zur Verfügung, statt die Anschlüsse ausschließlich für einen eigenen Endkundendienst zu reservieren.
Nach Angaben des bisherigen Eigentümers hat sich die Zahl der Dienstanbieter, die das Netz nutzen, auf mehr als 160 erhöht. Neben großen nationalen Unternehmen greifen auch kleinere lokale Anbieter darauf zu. Fiberhost verbindet zudem rund 3.000 Schulen mit der nationalen Telekommunikationsinfrastruktur.
Die Deutsche Telekom will dieses Modell nach der Übernahme grundsätzlich fortführen. Bestehende und potenzielle Internetanbieter sollen weiterhin transparenten und diskriminierungsfreien Zugang zur Fiberhost-Infrastruktur erhalten.
Dominique Leroy, Europa-Vorständin der Deutschen Telekom, beschreibt den Zusammenschluss sinngemäß als nächsten Wachstumsschritt für T-Mobile Polska: Mobilfunk- und Glasfaserkompetenz sollen künftig enger miteinander verbunden werden.
Inea bringt mehr als 300.000 Kunden mit
Während Fiberhost vor allem die Netzinfrastruktur liefert, bringt Inea mit mehr als 300.000 Kunden die Endkundenseite in den Konzern ein. Das Unternehmen ist insbesondere im Breitband- und TV-Geschäft aktiv und hat eine starke Stellung in Westpolen.
Die heutige Struktur von Fiberhost und Inea geht auf eine Aufteilung im Jahr 2021 zurück. Damals wurden Infrastruktur und Telekommunikationsdienste organisatorisch voneinander getrennt. Fiberhost konzentrierte sich anschließend auf das offene Glasfasernetz, Inea auf Produkte und Dienstleistungen für Endkunden.
Unter dem Dach der Deutschen Telekom treffen diese beiden Bereiche nun wieder auf einen Konzern, der zusätzlich über das Mobilfunkgeschäft von T-Mobile Polska verfügt. Genau diese Kombination dürfte für die strategische Bewertung des Deals entscheidend sein.
Für T-Mobile Polska ergeben sich dadurch unter anderem folgende Möglichkeiten:
- eigene Mobilfunk- und Glasfaserangebote stärker miteinander kombinieren
- bestehende Inea-Kunden mit zusätzlichen Telekommunikationsdiensten erreichen
- weniger stark von fremder Festnetzinfrastruktur abhängig sein
- die Präsenz außerhalb des klassischen Mobilfunkgeschäfts vergrößern
- Geschäftskunden und Privatkunden umfassendere Pakete anbieten
- bei Breitbandprodukten direkter mit integrierten Netzbetreibern konkurrieren
T-Mobile Polska wird zum konvergenten Anbieter
Die Telekom bezeichnet die Übernahme als weiteren Schritt bei der Umwandlung von T-Mobile Polska von einem früher überwiegend mobilfunkorientierten Unternehmen zu einem vollständig konvergenten Telekommunikationsanbieter. Erste Wholesale-Vereinbarungen für Festnetzzugänge hatte T-Mobile bereits 2018 abgeschlossen. Seitdem wurde das Festnetzangebot über Kooperationen mit Infrastrukturpartnern ausgebaut.
Mit dem Kauf ändert sich dieser Ansatz teilweise. T-Mobile Polska erhält nun direkten Zugriff auf ein großes eigenes Glasfasernetz in Polen.
Das ist strategisch relevant, weil Mobilfunk und Festnetz zunehmend gemeinsam vermarktet werden. Haushalte buchen Internet, Mobilfunk, TV und teilweise zusätzliche digitale Dienste als Paket. Betreiber mit eigener Infrastruktur haben bei solchen Angeboten mehr Kontrolle über Ausbau, Kapazitäten und Produktgestaltung.
Andreas Maierhofer, CEO von T-Mobile Polska, sieht in der eigenen FTTH-Infrastruktur vor allem die Chance, das bestehende Portfolio aus kombinierten Mobilfunk- und Festnetzangeboten deutlich auszubauen.
Für Kunden bedeutet die Eigentümerstruktur allerdings nicht, dass Fiberhost künftig nur T-Mobile zur Verfügung stehen soll. Das Open-Access-Modell soll weitergeführt werden. Damit bleibt das Fiberhost Glasfasernetz auch für andere Anbieter relevant.
Macquarie hatte Fiberhost und Inea seit 2018 ausgebaut
Macquarie war seit 2018 an Inea beteiligt und unterstützte in den folgenden Jahren den Ausbau des Glasfasergeschäfts. Eine wichtige Veränderung folgte 2021 mit der Trennung der Infrastrukturaktivitäten vom eigentlichen Telekommunikationsgeschäft. Daraus entstand Fiberhost in seiner heutigen Form.
In acht Jahren stieg die Reichweite des Netzes nach Angaben von Macquarie von etwa 500.000 auf 1,4 Millionen erreichbare Haushalte. Ein Teil des Ausbaus wurde durch das europäische Programm „Digital Poland“ unterstützt.
Der Ausbau konzentrierte sich nicht nur auf die größten Städte. Ein beträchtlicher Teil der Anschlüsse befindet sich in Regionen, die für rein kommerzielle Glasfaserprojekte zuvor weniger attraktiv waren.
Genau dieser Punkt macht Fiberhost für einen internationalen Netzbetreiber interessant. Die Telekom kauft nicht erst Ausbaupläne, sondern eine bereits weit entwickelte Infrastruktur. Für weiteres Wachstum kann sie deshalb auf einem bestehenden Netz und funktionierenden Wholesale-Beziehungen aufbauen.
Warum Polen für die Deutsche Telekom wichtiger wird
Polen ist einer der großen Telekommunikationsmärkte Europas und befindet sich beim Glasfaserausbau bereits auf einem hohen Niveau. Nach den von Macquarie genannten Daten waren im September 2025 rund 83,1 Prozent der polnischen Haushalte von einem Glasfasernetz erreichbar. Der genannte europäische Vergleichswert lag bei 76,8 Prozent.
Für die Deutsche Telekom geht es deshalb nicht darum, einen völlig unerschlossenen Markt zu betreten. Vielmehr soll T-Mobile Polska im Wettbewerb mit Unternehmen gestärkt werden, die bereits über umfangreiche eigene Festnetzinfrastruktur verfügen.
Die Strategie lässt sich in drei Ebenen einteilen:
- T-Mobile Polska behält seine starke Position im Mobilfunk als Basis.
- Fiberhost liefert eigene FTTH-Infrastruktur in erheblicher Größenordnung.
- Inea erweitert das Geschäft um mehr als 300.000 bestehende Breitband- und TV-Kunden.
Aus diesen Bausteinen soll ein Anbieter entstehen, der mehrere Anschlussarten und Dienste innerhalb einer Unternehmensgruppe abdecken kann.

Der Milliarden-Deal ist noch nicht abgeschlossen
Trotz der Einigung zwischen Käufern und Verkäufern ist die Transaktion noch nicht endgültig vollzogen. Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt der üblichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen in Polen.
Damit ist der Deutsche-Telekom-Milliarden-Deal zunächst vereinbart, aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Einen konkreten Termin für das Closing nennt das Unternehmen bislang nicht.
Für die weitere Entwicklung sind vor allem mehrere Fragen relevant: Wie schnell können Fiberhost und Inea in die Strategie von T-Mobile Polska eingebunden werden? Welche neuen Kombitarife entstehen? Und in welchem Umfang nutzt die Telekom die bestehende Infrastruktur für weiteres Wachstum im polnischen Festnetzmarkt?
Die Übernahme ist jedenfalls deutlich mehr als der Kauf zweier kleiner Beteiligungen. Mit rund einer Milliarde Euro Unternehmenswert, einem FTTH-Netz für mehr als 1,4 Millionen Haushalte und über 300.000 Inea-Kunden verschiebt die Deutsche Telekom die Gewichte ihres Polen-Geschäfts klar in Richtung Festnetz und konvergente Angebote. Entscheidend ist nun die regulatorische Freigabe: Erst danach können Fiberhost und Inea tatsächlich unter dem Dach von T-Mobile Polska zusammengeführt werden.