Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen

Eine massive Sturzflut hat die Grenzregion zwischen Nepal und Tibet getroffen. Mindestens 98 Menschen kamen ums Leben, Hunderte gelten als vermisst. Unter den Vermissten befinden sich zahlreiche ausländische Touristen.

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Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen

Mindestens 403 Menschen werden nach schweren Überschwemmungen in Nepal vermisst. Unter ihnen befinden sich nach Angaben der Tourismusbehörde 341 ausländische Staatsangehörige, darunter auch Reisende aus Deutschland. Die Wassermassen trafen vor allem die Gebirgsregion nahe der Grenze zu Tibet und hinterließen zerstörte Siedlungen, beschädigte Brücken und eine schwer zugängliche Landschaft aus Schlamm und Geröll, die  monrose.de berichtet mit bild.de.

Mindestens 98 Menschen überlebten die Naturkatastrophe nicht. Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten, während zahlreiche Straßenverbindungen unterbrochen sind und Hubschrauber in die betroffenen Regionen geschickt werden. Für viele Familien und Reisegruppen bleibt unklar, wo sich Angehörige und Teilnehmer organisierter Trekkingtouren befinden.

Sturzflut trifft Rasuwa-Tal mit enormer Wucht

Die Katastrophe entwickelte sich am frühen Mittwochmorgen. Große Mengen Wasser, Schlamm und Geröll bewegten sich durch das Rasuwa-Tal in Zentralnepal und trafen Siedlungen mit kaum vorstellbarer Geschwindigkeit.

Besonders betroffen ist die Region rund um Rasuwa nahe der Grenze zu Tibet. Dort verlaufen Flüsse durch enge Täler und Schluchten, was plötzlich anschwellendes Wasser zusätzlich beschleunigen kann. Mehrere Orte wurden überflutet oder teilweise weggespült.

Die Wassermassen beschädigten außerdem Brücken und Kraftwerksanlagen. Fahrzeuge wurden mitgerissen, Gebäude standen innerhalb kurzer Zeit im Schlamm. In einigen Bereichen brachen wichtige Verkehrsverbindungen zusammen, wodurch Rettungs- und Suchmannschaften nur schwer in die abgelegenen Orte gelangen können.

Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen
Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen

„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen“, berichtete der Lehrer Suman Chalise aus dem Bezirk Nuwakot.

Seine Schilderung verdeutlicht die Kraft der Flut. Selbst schwere Fahrzeuge boten den Wassermassen offenbar kaum Widerstand.

Innerhalb kurzer Zeit verwandelten sich bewohnte Täler in breite Schlammflächen. Straßen verschwanden unter Geröll, Häuser wurden beschädigt oder fortgerissen. Für Rettungsteams zählt deshalb jede Stunde.

Mehr als 400 Menschen gelten als vermisst

Besonders groß ist die Sorge um Urlauber und Trekkinggruppen. Nach Angaben aus Nepal werden mindestens 403 Menschen vermisst, davon sollen 341 ausländische Staatsangehörige sein.

Das Gebiet gehört zu den Regionen des Himalaja, die regelmäßig internationale Besucher anziehen. Trekkingrouten, Berglandschaften und die Nähe zu Tibet machen die Gegend für Reisende aus zahlreichen Ländern interessant. Genau diese internationale Zusammensetzung spiegelt sich nun in den Vermisstenlisten wider.

Unter den Betroffenen befinden sich nach bisherigen Angaben unter anderem Reisende aus:

  • Deutschland,
  • Indien,
  • Großbritannien,
  • den USA,
  • Australien,
  • Südkorea,
  • Spanien,
  • Südafrika.

Bei mehreren Nationalitäten liegen bereits genauere Zahlen vor. Genannt wurden unter anderem 105 vermisste Touristen aus Indien, zwölf aus Großbritannien, drei aus den USA und vier aus Südafrika. Bei deutschen Staatsangehörigen wurde zunächst keine konkrete Zahl veröffentlicht.

Bekannter StandAngaben
Vermisste insgesamtmindestens 403
Vermisste Ausländer341
Todesopfermindestens 98
Vermisste aus Indien105
Vermisste aus Großbritannien12
Vermisste aus den USA3
Vermisste aus Südafrika4

Die Zahlen können sich im Verlauf der Suchaktionen verändern, weil Menschen aus abgeschnittenen Gebieten zunächst als vermisst gelten können, obwohl sie sich an einem sicheren Ort befinden. Gleichzeitig erschweren ausgefallene Kommunikationsverbindungen den Behörden die schnelle Zusammenführung der Daten.

Auch Deutsche unter den Vermissten

Nach Angaben eines leitenden Vertreters des Nepal Tourism Board befinden sich auch deutsche Staatsangehörige unter den vermissten Reisenden. Wie viele Menschen aus Deutschland betroffen sind, blieb zunächst offen.

Viele der vermissten Ausländer waren nach den bisherigen Informationen als Touristen oder Teilnehmer organisierter Trekkingtouren unterwegs. Für Reiseveranstalter und Behörden entsteht dadurch zusätzlich die Aufgabe, Teilnehmerlisten, Hotelmeldungen und geplante Routen miteinander abzugleichen.

Die Suche nach vermissten Touristen ist in einer Gebirgsregion besonders kompliziert. Mobilfunknetze können ausfallen, Straßen sind nach Erdrutschen nicht passierbar und einzelne Gruppen ändern auf Trekkingtouren kurzfristig ihre Route. Eine fehlende Verbindung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Person unmittelbar von der Flut erfasst wurde.

Gleichzeitig bleibt die Lage ernst. Dort, wo ganze Siedlungen und Straßenabschnitte von den Wassermassen getroffen wurden, suchen Rettungskräfte systematisch nach Überlebenden.

Nepal schickt Hubschrauber ins Katastrophengebiet

Die nepalesischen Behörden haben umfangreiche Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Die Regierung erklärte die besonders betroffene Region für drei Monate zum Katastrophengebiet. Damit sollen Rettungsarbeiten, Evakuierungen und der Wiederaufbau wichtiger Infrastruktur erleichtert werden.

Die Armee soll 14 Hubschrauber zur Unterstützung einsetzen. Sie werden benötigt, weil mehrere Straßen und Brücken beschädigt oder vollständig unpassierbar sind. In schwer zugänglichen Bereichen des Himalaja können Luftrettungen die einzige Möglichkeit sein, Verletzte schnell herauszubringen.

Zu den dringendsten Aufgaben der Einsatzkräfte gehören derzeit:

  • Suche nach Vermissten in zerstörten Siedlungen,
  • Evakuierung eingeschlossener Menschen,
  • medizinische Versorgung von Verletzten,
  • Transport von Trinkwasser und Lebensmitteln,
  • Wiederherstellung wichtiger Verkehrswege,
  • Kontrolle beschädigter Brücken und Kraftwerke.

Die Geografie erschwert jeden dieser Schritte. Steile Berghänge, enge Flusstäler und große Mengen instabilen Gerölls erhöhen das Risiko für Helfer.

Rettungskräfte konzentrieren sich zunächst darauf, Menschen aus abgeschnittenen Gebieten zu erreichen und mögliche Überlebende zu lokalisieren.

Flut zerstört Brücken und beschädigt Kraftwerke

Die Schäden betreffen nicht nur Wohnhäuser. Mindestens zwei Kraftwerke und mehrere Brücken wurden nach bisherigen Angaben von den Wassermassen beschädigt.

Gerade Brücken sind in der Bergregion von zentraler Bedeutung. Viele Täler verfügen nur über wenige Straßenverbindungen. Wird eine Brücke zerstört, können ganze Orte vom normalen Straßenverkehr abgeschnitten sein.

Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen
Sturzflut in Nepal: 403 Menschen vermisst, darunter Hunderte ausländische Touristen

Das beeinflusst auch die Energieversorgung. Wasserkraft hat für Nepal große Bedeutung, und Anlagen liegen naturgemäß häufig direkt an Flüssen oder in engen Tälern. Eine Sturzflut im Himalaja kann deshalb gleichzeitig Wohngebiete, Verkehrswege und Energieinfrastruktur treffen.

An der Grenze zu China zeigen Videoaufnahmen, wie sich die Flutwelle durch den Bereich eines Grenzübergangs bewegt. Menschen flüchteten vor dem schnell steigenden Wasser. Auch auf tibetischer Seite wurden Opfer und Vermisste gemeldet.

Eislawine könnte Fluss blockiert haben

Die genaue Ursache der Katastrophe ist noch nicht abschließend geklärt. Fachleute untersuchen mehrere mögliche Auslöser.

Der Klimaforscher Rijan Bhakta Kayastha von der Kathmandu University verwies auf Hinweise, wonach eine Eislawine zunächst den Lhende-Fluss blockiert haben könnte. Dadurch könnte sich Wasser aufgestaut haben, bevor die natürliche Barriere brach und große Wassermengen talwärts schossen.

„Es gibt Informationen, dass eine Eislawine von der nepalesischen Seite den Fluss Lhende zunächst blockiert hat.“

Nahezu gleichzeitig wurde auf tibetischer Seite ein Erdbeben registriert. Ob und wie dieses Ereignis mit der Flut zusammenhängt, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Ausbruch eines Gletschersees. In der Hochgebirgsregion befinden sich mehrere größere Seen, die durch Gletscher, Eis und natürliche Ablagerungen begrenzt werden. Bricht eine solche Barriere plötzlich, können enorme Mengen Wasser innerhalb sehr kurzer Zeit in tiefer gelegene Täler gelangen.

Warum Gletscherseen im Himalaja ein Risiko darstellen

Gletscherseen entstehen häufig dort, wo sich Gletscher zurückziehen und Schmelzwasser in natürlichen Senken sammelt. Manche dieser Seen werden lediglich durch Eis, Geröll oder instabile Moränen begrenzt.

Kommt es zu einem Felssturz, einer Lawine oder einer anderen starken Belastung, kann Wasser über die natürliche Barriere schwappen. Im schlimmsten Fall bricht der Damm. Daraus kann sich eine Flutwelle entwickeln, die Geröll, Schlamm und große Felsbrocken mitreißt.

Fachleute müssen deshalb nun rekonstruieren, welche Ereignisse unmittelbar vor der Katastrophe stattfanden. Dabei spielen Satellitendaten, seismologische Messungen und Beobachtungen der betroffenen Flüsse eine Rolle.

Ein Gletschersee-Ausbruch unterscheidet sich von einem normalen Hochwasser nach langem Regen. Die Wassermenge kann sich sehr plötzlich lösen. Für Orte in engen Tälern bleibt dann nur wenig Zeit zur Evakuierung.

Ob dieses Szenario tatsächlich die aktuelle Katastrophe ausgelöst hat, muss allerdings noch geklärt werden.

Grenzregion zu Tibet besonders schwer getroffen

Die Nepal-China-Grenze ist nicht nur für den regionalen Handel relevant. Sie wird auch von Touristen und Pilgergruppen genutzt, die in der Himalaja-Region unterwegs sind.

Die Flut hat diese Verkehrsachse schwer getroffen. Beschädigte Straßen und Brücken erschweren sowohl Reisen als auch Hilfslieferungen. Gleichzeitig müssen Behörden auf beiden Seiten der Grenze nach Vermissten suchen.

Die nepalesische Regierung versucht nun, Rettungskräfte in die am stärksten betroffenen Gebiete zu bringen. Priorität haben Orte, aus denen nach der Flut kaum Informationen vorliegen.

Auch für internationale Vertretungen beginnt die schwierige Arbeit der Identifizierung. Wenn Reisepässe, Telefone oder persönliche Dokumente verloren gegangen sind, kann die Zuordnung von Geretteten und Vermissten zusätzliche Zeit beanspruchen.

Rettungsarbeiten bleiben ein Wettlauf gegen die Zeit

Für die Helfer besteht die größte Herausforderung darin, die tatsächliche Zahl der Betroffenen festzustellen. Meldelisten von Hotels, Reisegruppen und lokalen Behörden müssen abgeglichen werden. Gleichzeitig erreichen neue Informationen aus entlegenen Bergregionen die Einsatzleitungen teilweise erst mit Verzögerung.

Die Zahl von mindestens 403 Vermissten zeigt das Ausmaß der Katastrophe. Besonders die hohe Zahl ausländischer Reisender macht die Sturzflut zu einem internationalen Notfall, bei dem auch Botschaften und Reiseveranstalter in die Suche nach Betroffenen eingebunden sind.

In den kommenden Stunden und Tagen dürfte sich das Bild weiter präzisieren. Entscheidend ist nun, abgeschnittene Siedlungen zu erreichen, Überlebende zu bergen und festzustellen, ob eine Eislawine, ein Gletschersee oder eine Kombination mehrerer Ereignisse die verheerende Flut ausgelöst hat. Für die Menschen im Rasuwa-Tal steht zunächst jedoch die Suche nach den Vermissten im Mittelpunkt.