Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab

Die geplante Rentenreform stößt auf deutlichen Widerstand. Drei Viertel der Befragten wollen die sogenannte Rente mit 63 nicht abschaffen. Gleichzeitig bleibt die AfD in der Sonntagsfrage vor der Union, während Friedrich Merz einen persönlichen Tiefstand erreicht.

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Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab

Der Widerstand beschränkt sich dabei nicht auf Anhänger der Opposition. Unterschiedlich große Mehrheiten in allen politischen Lagern sprechen sich gegen die Abschaffung aus. Damit trifft die Bundesregierung ausgerechnet bei einem zentralen Projekt ihrer geplanten Rentenreform auf eine ungewöhnlich breite Ablehnung, die  monrose.de berichtet mit t-online.de.

Was die Bundesregierung bei der Rente mit 63 ändern will

Hinter dem bekannten Begriff „Rente mit 63“ steckt die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Sie ermöglicht Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren einen abschlagsfreien Renteneintritt vor der regulären Altersgrenze. Die Bezeichnung ist inzwischen allerdings nur noch historisch korrekt, weil das tatsächliche Eintrittsalter für jüngere Jahrgänge schrittweise gestiegen ist.

Die Alterssicherungskommission hat vorgeschlagen, den abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritt allein aufgrund der 45 Versicherungsjahre künftig zu streichen. Die Bundesregierung will diesen Teil der Empfehlungen im Rahmen ihrer großen Rentenreform aufgreifen.

Genau daran entzündet sich der Streit.

Für viele Beschäftigte ist die Debatte keine abstrakte Frage über Rentenformeln. Wer mit Anfang 20 ins Berufsleben eingestiegen ist und jahrzehntelang Beiträge gezahlt hat, verbindet mit der Regelung eine konkrete persönliche Planung. Eine Änderung kann deshalb unmittelbar die Erwartungen an den eigenen Ruhestand treffen.

Auch aus den Ländern kam bereits Kritik. Ministerpräsidenten aus CDU und SPD stellten die geplante Änderung infrage, obwohl beide Parteien auf Bundesebene die Regierung tragen.

„75 Prozent der Befragten sprechen sich gegen die geplante Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 aus.“

Die Zahl zeigt, wie schwer es für die Koalition werden dürfte, für die Reform gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen. Selbst eine fachlich begründete Änderung muss politisch erklären können, warum Menschen mit sehr langen Versicherungsbiografien künftig länger arbeiten sollen.

Rente mit 63 ist heute meist keine Rente mit 63 mehr

Der Name führt regelmäßig zu Missverständnissen. Ursprünglich konnten bestimmte besonders langjährig Versicherte tatsächlich mit 63 Jahren ohne Abschläge in Altersrente gehen. Für spätere Geburtsjahrgänge wurde die Altersgrenze jedoch schrittweise angehoben.

Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab
Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab

Wer 1964 oder später geboren wurde, erreicht die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren grundsätzlich erst mit 65 Jahren. Davon zu unterscheiden ist die Altersrente für langjährig Versicherte nach mindestens 35 Jahren. Sie kann früher beansprucht werden, allerdings mit dauerhaften Abschlägen.

RegelungVersicherungszeitGrundprinzip
Besonders langjährig Versichertemindestens 45 Jahrebisher früherer Renteneintritt ohne Abschläge
Langjährig Versichertemindestens 35 Jahrevorzeitige Rente mit Abschlägen möglich
Reguläre Altersrenteabhängig vom Jahrgangreguläres Rentenalter ohne vorzeitigen Bezug
Geplante Reformbetrifft die 45-Jahre-Regelabschlagsfreier früherer Eintritt soll entfallen

Für die politische Diskussion ist diese Unterscheidung relevant. Die geplante Reform bedeutet nicht, dass eine heute für alle Arbeitnehmer geltende pauschale „Rente mit 63“ gestrichen würde. Betroffen ist die besondere Regel für Menschen mit sehr langen Versicherungszeiten.

Politbarometer sieht AfD weiter vor CDU und CSU

Die Rentendebatte ist nicht die einzige schlechte Nachricht für die Regierungsparteien. In der aktuellen Sonntagsfrage bleibt die AfD mit 27 Prozent stärkste Kraft. Gegenüber der vorherigen Erhebung verliert sie einen Prozentpunkt.

CDU und CSU büßen ebenfalls einen Punkt ein und kommen gemeinsam auf 22 Prozent. Damit beträgt der Abstand zwischen AfD und Union fünf Prozentpunkte.

Die weiteren Werte:

  • SPD: 12 Prozent, unverändert
  • Grüne: 14 Prozent, plus ein Punkt
  • Linke: 12 Prozent, unverändert
  • FDP: 4 Prozent, unverändert
  • sonstige Parteien: zusammen 9 Prozent

Für die Bundesregierung besonders relevant: Eine Koalition aus Union und SPD hätte nach dieser Projektion weiterhin keine parlamentarische Mehrheit.

Die Zahlen sind eine Momentaufnahme und keine Wahlprognose für einen bereits feststehenden Wahlausgang. Politisch zeigen sie jedoch, unter welchem Druck die Regierungsparteien stehen, während gleichzeitig eine konfliktträchtige Rentenreform vorbereitet wird.

Friedrich Merz erreicht persönlichen Tiefstwert

Noch deutlicher fällt die Entwicklung beim Bundeskanzler aus. Friedrich Merz erreicht bei der Bewertung nach Sympathie und Leistung einen neuen persönlichen Negativrekord.

Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf kommt Merz auf minus 1,9. Ende Juli hatte sein Wert noch bei minus 1,5 gelegen. Damit verschlechtert sich seine persönliche Bewertung innerhalb weniger Wochen erneut.

An der Spitze des Politiker-Rankings steht Verteidigungsminister Boris Pistorius mit 1,3. Dahinter folgen Cem Özdemir mit 0,9 und Johann Wadephul mit 0,1. Alexander Dobrindt liegt mit minus 0,4 bereits im negativen Bereich.

Auch die allgemeine Bewertung der Arbeit des Kanzlers fällt schwach aus. 75 Prozent zeigen sich unzufrieden, nur 20 Prozent zufrieden.

Die Umfrage zeichnet damit nicht nur ein Problem der Koalition, sondern auch ein ausgeprägtes Vertrauensproblem des Kanzlers.

Die Lage wird zusätzlich dadurch verschärft, dass viele Befragte Zweifel am Rückhalt des CDU-Vorsitzenden in seiner eigenen Partei haben. 80 Prozent glauben nicht, dass die CDU geschlossen hinter Merz steht. Selbst unter Anhängern von CDU und CSU teilen 67 Prozent diese Einschätzung.

Auch die SPD-Spitze kämpft mit Zweifeln

Bei der SPD sieht die Lage nicht wesentlich stabiler aus. Lars Klingbeil und Bärbel Bas werden von großen Teilen der Befragten ebenfalls nicht als Parteivorsitzende wahrgenommen, hinter denen ihre Partei uneingeschränkt steht.

53 Prozent glauben, Klingbeil fehle die volle Unterstützung der SPD. Bei Bärbel Bas sind es 52 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass diese Zweifel auch innerhalb der eigenen Anhängerschaft vorhanden sind. Unter SPD-Anhängern gehen 57 Prozent davon aus, dass die Partei nicht vollständig hinter Klingbeil steht. Bei Bas liegt der entsprechende Wert bei 52 Prozent.

Die Regierung steht damit vor einer doppelten Aufgabe. Sie muss eine umstrittene Rentenreform 2026 politisch durchsetzen und zugleich verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Schwache persönliche Werte der Parteispitzen erschweren genau diese Vermittlungsarbeit.

Mehrheit lehnt AfD-Ministerpräsidenten ab

Das Politbarometer richtet den Blick auch auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland. Die Frage nach möglichen AfD-Regierungsbeteiligungen gewinnt dadurch zusätzlich an Bedeutung.

64 Prozent der Befragten würden es schlecht finden, wenn die AfD nach einer der Wahlen einen Ministerpräsidenten stellen würde. 23 Prozent bewerten ein solches Szenario positiv, elf Prozent wäre es egal.

Zwischen Ost und West gibt es erkennbare Unterschiede. Im Westen sehen 66 Prozent einen AfD-Ministerpräsidenten negativ, im Osten sind es 53 Prozent.

Auch die Erwartungen an eine mögliche Regierungsarbeit fallen mehrheitlich kritisch aus. 60 Prozent glauben, dass sich die Politik in einem Bundesland unter einer AfD-geführten Regierung verschlechtern würde. 17 Prozent erwarten eine Verbesserung, weitere 17 Prozent keinen großen Unterschied.

Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab
Rente mit 63 vor dem Aus? 75 Prozent lehnen die Abschaffung ab

CDU-Abgrenzung zu AfD und Linken wird unterschiedlich bewertet

Für die Union könnte nach den ostdeutschen Landtagswahlen eine schwierige Koalitionsfrage entstehen. Die CDU lehnt eine politische Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken grundsätzlich ab.

In der Bevölkerung werden beide Abgrenzungen jedoch sehr unterschiedlich beurteilt.

61 Prozent halten die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD für richtig. 37 Prozent sehen das anders. Bei der Linken kehrt sich das Bild um: Nur 34 Prozent unterstützen die Abgrenzung, während 62 Prozent sie für falsch halten.

Auch unter Unionsanhängern zeigt sich dieser Unterschied deutlich:

  1. 72 Prozent befürworten die Abgrenzung zur AfD.
  2. 26 Prozent der Unionsanhänger halten sie nicht für richtig.
  3. Die Abgrenzung zur Linken unterstützen 53 Prozent.
  4. 44 Prozent der CDU/CSU-Anhänger lehnen diese Position ab.

Damit könnte die Koalitionsstrategie der CDU nach den Landtagswahlen erneut zu einem zentralen innerparteilichen Thema werden.

Klimawandel und Hitze beschäftigen große Mehrheiten

Neben Rente und Parteipolitik wurden auch die Folgen des Klimawandels abgefragt. Hier zeigen sich über weite Teile der Bevölkerung hinweg klare Mehrheiten.

81 Prozent erwarten starke Schäden für Natur und Umwelt in Deutschland. 72 Prozent rechnen mit erheblichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, 69 Prozent sehen große wirtschaftliche Schäden.

Diese Einschätzung wird von Mehrheiten in allen Altersgruppen getragen. Auch in nahezu allen Parteianhängerschaften herrscht mehrheitlich die Erwartung, dass die Folgen des Klimawandels Deutschland stark belasten werden.

Noch kritischer fällt das Urteil über die Vorbereitung auf künftige Hitzewellen aus. Nur 19 Prozent glauben, dass die Politik ausreichende Maßnahmen für den Hitzeschutz in Deutschland ergreifen wird. 75 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt.

Damit erreicht die Skepsis gegenüber der politischen Vorbereitung einen ähnlich hohen Wert wie die Ablehnung der geplanten Änderungen bei der Rente.

Große Sorge vor russischer Einflussnahme

Ein weiterer Themenblock des Politbarometers betrifft den Versuch Russlands, durch Desinformation und Geheimdienstaktivitäten Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen.

79 Prozent betrachten diese Aktivitäten als Gefahr für Deutschland. 16 Prozent teilen diese Sorge nicht.

Auffällig ist erneut der Unterschied zwischen den Parteianhängerschaften. Unter AfD-Anhängern geben 48 Prozent an, sich wegen einer möglichen russischen Einflussnahme keine Sorgen zu machen.

Das Thema bleibt damit eng mit der Debatte über politische Polarisierung, Desinformation und Sicherheit verbunden.

Was die Umfrage für die Bundesregierung bedeutet

Die Erhebung wurde zwischen dem 17. und 19. August 2026 unter 1.319 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten durchgeführt. Befragt wurde telefonisch und online. Berücksichtigt wurden Festnetz- und Mobilfunkkontakte.

Für die Bundesregierung dürfte vor allem die Rente mit 63 zum kurzfristig brisantesten Ergebnis werden. Die Reform ist noch nicht abgeschlossen, doch bereits vor einem endgültigen Gesetz stößt einer ihrer bekanntesten Punkte auf Widerstand von drei Vierteln der Befragten.

Gleichzeitig liegt die Union in der Sonntagsfrage deutlich hinter der AfD, die SPD bleibt bei zwölf Prozent, und Kanzler Merz erreicht persönlich einen neuen Tiefpunkt. Das erhöht den Druck auf CDU und SPD, ihre Reformpläne nicht nur innerhalb der Koalition, sondern auch gegenüber der Bevölkerung überzeugender zu erklären.

Die Rentenfrage dürfte dabei besonders sensibel bleiben. Für Beschäftigte mit jahrzehntelangen Versicherungszeiten geht es nicht nur um das abstrakte Renteneintrittsalter, sondern um bereits geplante Lebensjahre zwischen Beruf und Ruhestand. Genau deshalb wird die Auseinandersetzung über die 45-Jahre-Regel zu einem der politischen Konfliktthemen der kommenden Monate.