Beim Notruf 110 oder 112 entscheidet vor allem die Art der Gefahr: 112 ist in Deutschland die Nummer für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 führt zur Polizei. Wer diese einfache Trennung kennt, muss bei einem Brand, einer schweren Verletzung, einem Einbruch oder einer akuten Bedrohung nicht erst nach der richtigen Telefonnummer suchen, die monrose.de berichtet.
Komplizierter wird es bei Verkehrsunfällen, medizinischen Beschwerden ohne Lebensgefahr oder Situationen, in denen Polizei und Rettungsdienst gleichzeitig benötigt werden. Genau dort hilft eine zweite Faustregel: Bei möglicher Lebensgefahr, Feuer oder schweren Verletzungen steht 112 an erster Stelle; bei unmittelbarer Gefahr durch Straftaten oder Gewalt ist 110 die passende Nummer.

Was bedeutet Notruf 110 oder 112?
Deutschland verfügt seit 1973 bundesweit über die einheitlichen Notrufnummern 110 und 112. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnet die 112 bundesweit Feuerwehr und Rettungsdienst zu. Der Polizeinotruf läuft dagegen über 110.
„Seitdem gilt die 112 bundesweit für Feuerwehr und Rettungsdienst.“
Die Notruf 112 ist damit die richtige Wahl, wenn Menschen medizinische Soforthilfe benötigen oder eine Brand- beziehungsweise vergleichbare Gefahrenlage besteht. Typische Beispiele sind Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot, Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls, erhebliche Verletzungen, Vergiftungen, Brände, Explosionen und starke Rauchentwicklung. Das staatliche Gesundheitsportal nennt 112 ausdrücklich für potenziell lebensbedrohliche Situationen und schwere Notfälle.
Wer Grundlagen für solche Situationen auffrischen möchte, findet im Monrose-Ratgeber zur Erste-Hilfe-Auffrischung 2026 weitere praktische Hinweise. Bei hohen Temperaturen zeigt außerdem der Beitrag zur Ersten Hilfe bei Hitzschlag, welche Warnzeichen einen sofortigen Rettungsdiensteinsatz erforderlich machen.
Die wichtigste Grenze lautet nicht „schlimm oder weniger schlimm“, sondern „akut lebensbedrohlich beziehungsweise zeitkritisch oder nicht“.
Wann ist 110 richtig?
Die Notruf 110 ist für dringende Polizeieinsätze bestimmt. Dazu gehören laufende oder unmittelbar drohende Straftaten, Gewalt, Einbruch, Raub, Bedrohungen und andere Situationen, in denen schnelles polizeiliches Eingreifen notwendig ist.
Die Bayerische Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre normalen Kontaktmöglichkeiten nicht für eilige Angelegenheiten gedacht sind und in dringenden Fällen 110 gewählt werden soll. Polizeiliche Einsatzzentralen nehmen die Notrufe rund um die Uhr entgegen und koordinieren die erforderlichen Kräfte.
„In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte über den Notruf 110 an Ihre Polizei.“
Nicht jede Anzeige gehört allerdings in den Polizeinotruf. Ein Fahrraddiebstahl, der Stunden zuvor entdeckt wurde, eine bereits abgeschlossene Sachbeschädigung oder ein nicht dringender Hinweis kann über eine Polizeidienststelle beziehungsweise die offizielle Onlinewache gemeldet werden. Bei Gewalt oder unmittelbar bestehender Gefahr soll dagegen nicht auf eine Onlineanzeige ausgewichen werden.
110 oder 112 im direkten Vergleich
Die häufigsten Situationen lassen sich relativ eindeutig zuordnen.
| Situation | Richtige Nummer | Warum? |
|---|---|---|
| Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot, Herzinfarktverdacht | 112 | Rettungsdienst wird sofort benötigt |
| Brand, starke Rauchentwicklung, Explosion | 112 | Feuerwehr beziehungsweise Rettungsdienst |
| Schwerer Verkehrsunfall mit Verletzten | 112 | Medizinische Versorgung hat höchste Priorität |
| Akute Gewalt oder Bedrohung | 110 | Sofortiger Polizeieinsatz erforderlich |
| Einbruch oder Raub findet gerade statt | 110 | Laufende Straftat und mögliche Gefahr |
| Unfall ohne Verletzte, aber akute Gefahr für den Verkehr | 110 | Polizeiliche Gefahrenabwehr kann erforderlich sein |
| Dringende Erkrankung ohne Lebensgefahr außerhalb der Sprechzeiten | 116117 | Ärztlicher Bereitschaftsdienst |
| Nicht dringende Anzeige nach einer abgeschlossenen Straftat | Kein Notruf | Polizeidienststelle oder Onlinewache nutzen |
Besonders häufig wird nach 112 oder 110 bei Unfall gesucht. Gibt es Verletzte, Bewusstlosigkeit, starke Schmerzen oder lässt sich die Schwere der Verletzungen nicht zuverlässig beurteilen, ist 112 die klare Wahl. Bei einem reinen Sachschaden ohne akute Gefahr muss dagegen nicht automatisch eine Notrufleitung belegt werden.
Ein Verkehrsunfall kann gleichzeitig ein medizinischer und ein polizeilicher Einsatz sein. Dann reicht es, die akute Lage vollständig zu schildern. Bei verletzten Personen steht die medizinische Versorgung im Vordergrund; die Leitstellen können weitere erforderliche Einsatzkräfte in die Lage einbeziehen.
Was gilt bei Gewalt mit Verletzten?
Ein Beispiel zeigt die Abgrenzung: In einer Wohnung schlägt eine Person auf eine andere ein, das Opfer blutet stark und die angreifende Person ist noch anwesend.
Hier bestehen zwei Gefahren gleichzeitig. Wegen des weiterhin aktiven Angreifers ist die Polizei dringend erforderlich. Wegen der erheblichen Verletzung braucht das Opfer zusätzlich medizinische Hilfe.
In solchen Mischlagen zählt nicht, zwei Notrufnummern möglichst schnell nacheinander anzurufen. Entscheidend ist eine präzise Schilderung: laufende Gewalt, Zahl der beteiligten Personen, mögliche Waffen, Verletzungen und genauer Aufenthaltsort. Die Leitstelle kann auf dieser Grundlage die weiteren Schritte koordinieren.
Bei möglicher Lebensgefahr sollte die Suche nach der „perfekten“ Nummer keine Hilfe verzögern.
So läuft ein Notruf richtig ab
Ein Notruf muss keine vorbereitete Rede sein. Leitstellendisponenten stellen gezielte Fragen und führen durch das Gespräch. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz nennt insbesondere Ort, Geschehen und Rückfragen als zentrale Punkte.
Sinnvoll ist folgende Reihenfolge:
- Den genauen Ort nennen. Dazu gehören Stadt, Straße, Hausnummer und bei Bedarf Etage, Gebäudeteil oder besondere Zufahrt. Auf Autobahnen helfen Autobahnnummer, Fahrtrichtung und ein möglichst genauer Streckenabschnitt.
- Kurz beschreiben, was passiert ist. „Person bewusstlos“, „Wohnung brennt“, „Mann bedroht Passanten mit einem Messer“ liefert mehr verwertbare Information als eine lange Vorgeschichte.
- Zahl der betroffenen Personen nennen. Bei medizinischen Fällen gehören sichtbare Verletzungen oder auffällige Symptome dazu.
- Fragen der Leitstelle beantworten. Die Reihenfolge kann je nach Situation anders sein als die bekannten klassischen W-Fragen.
- Nicht selbstständig auflegen. Das Gespräch endet, wenn die Leitstelle alle notwendigen Informationen hat beziehungsweise entsprechende Anweisungen gibt.
- Falls gefahrlos möglich, Erste Hilfe leisten oder Rettungskräfte einweisen. Eigenschutz geht vor.
Bei medizinischen Notfällen gehören Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zur Rettungskette. Wer beispielsweise nach einem Insektenstich, Unfall oder einer anderen Verletzung Erste-Hilfe-Fragen hat, findet auch im Monrose-Beitrag zu Erster Hilfe nach einem Zeckenbiss Orientierung für weniger dramatische Situationen.
Eine genaue Adresse spart Zeit. Trotzdem sollte ein Notruf nicht hinausgezögert werden, nur weil eine Hausnummer, ein Straßenname oder ein Kilometerstand gerade nicht sicher bekannt ist. Sichtbare Gebäude, Kreuzungen, Bahnhöfe, Geschäfte oder andere Orientierungspunkte können bei der Ortsbestimmung helfen.
112 funktioniert auch im EU-Ausland
Ein entscheidender Unterschied zwischen 110 und 112 zeigt sich auf Reisen. 112 ist die gemeinsame europäische Notrufnummer und kann überall in der Europäischen Union kostenlos über Festnetz und Mobiltelefon gewählt werden. Das offizielle EU-Portal Your Europe zur Notrufnummer 112 bestätigt, dass die Nummer EU-weit Zugang zu den Notdiensten ermöglicht.
110 ist dagegen eine deutsche nationale Polizeinotrufnummer. Wer beispielsweise in Frankreich, Spanien, Italien oder Polen unterwegs ist, kann sich deshalb 112 als gemeinsame Nummer merken.
„Die 112 ist jedoch die einzige Nummer, die Sie für den Zugang zu den Notdiensten in allen EU-Ländern nutzen können.“
In einzelnen Staaten bestehen zusätzlich nationale Telefonnummern. Die europäische 112 ersetzt diese nicht zwingend, bietet Reisenden aber eine Nummer, die nicht für jedes Land neu gelernt werden muss.
Für Reisen innerhalb der EU reicht daher eine Zahl als wichtigste Gedächtnisstütze: 112.
Wann 116117 statt 112 angerufen wird
Nicht jedes gesundheitliche Problem außerhalb der Sprechzeiten ist ein Rettungsdienstfall. Genau dafür existiert der 116117 Bereitschaftsdienst.
Die Nummer ist für Beschwerden gedacht, die ärztlich beurteilt werden sollten, aber nicht lebensbedrohlich erscheinen und normalerweise auch in einer Arztpraxis behandelt werden könnten. Dazu können beispielsweise stärkere Infekte, länger anhaltende Schmerzen oder andere akute Beschwerden gehören, bei denen ein Abwarten bis zum nächsten regulären Praxistermin problematisch wäre. Das Bundesgesundheitsportal nennt 116117 für medizinische Hilfe des ärztlichen Bereitschaftsdienstes insbesondere nachts, am Wochenende und an Feiertagen.
Die Abgrenzung lässt sich so merken:
- 112: möglicher medizinischer Notfall, Lebensgefahr, schwere Verletzung, Brand.
- 110: akute Gefahr, Gewalt oder andere dringende Polizeilage.
- 116117: dringende medizinische Behandlung ohne erkennbare Lebensgefahr.
- Hausarzt oder reguläre Praxis: Beschwerden, die bis zu einer normalen Sprechstunde warten können.
Auch der Apothekennotdienst 2026 ist davon zu unterscheiden. Eine dienstbereite Apotheke hilft bei der Arzneimittelversorgung außerhalb regulärer Öffnungszeiten, ersetzt aber weder Rettungsdienst noch ärztliche Untersuchung.
Bei plötzlich auftretender Atemnot, Bewusstlosigkeit, starken Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen oder einer ähnlich bedrohlichen Entwicklung ist 116117 nicht die richtige Zwischenstation. Dann gilt unmittelbar 112.
Häufige Fehler bei 110 und 112
Notrufleitungen sind für tatsächliche Notfälle reserviert. Nicht dringende Anliegen binden Personal, das möglicherweise gleichzeitig für eine akute Gefahrenlage benötigt wird.
Zu den typischen Fehlern gehören:
- 110 für allgemeine Auskünfte oder Verwaltungsfragen zu benutzen;
- 112 wegen leichter Beschwerden zu wählen, die regulär ärztlich behandelt werden können;
- bei lebensbedrohlichen Symptomen zunächst lange nach einer geöffneten Praxis oder Apotheke zu suchen;
- einen laufenden Einbruch lediglich über ein Onlineformular zu melden;
- während des Notrufs aufzulegen, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet;
- eine exakte Diagnose liefern zu wollen, statt beobachtbare Symptome zu beschreiben;
- aus Angst vor einer vermeintlich „falschen“ Nummer bei einer eindeutigen Notsituation überhaupt keinen Notruf abzusetzen.
Absichtlicher Missbrauch ist außerdem keine Bagatelle. § 145 Strafgesetzbuch erfasst den wissentlichen oder absichtlichen Missbrauch von Notrufen sowie das Vortäuschen einer Notlage. Möglich sind Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.
„Wer absichtlich oder wissentlich Notrufe oder Notzeichen mißbraucht“, kann nach § 145 StGB bestraft werden.
Ein echter Irrtum in einer unübersichtlichen Gefahrenlage ist davon zu unterscheiden. Wer ernsthaft von einem Notfall ausgeht, sollte die Situation sachlich schildern und die Fragen der Leitstelle beantworten.

Barrierefreier Notruf mit der nora-App
Für Menschen mit eingeschränkter Sprach- oder Hörfähigkeit gibt es neben dem telefonischen Notruf weitere Möglichkeiten. Das BBK nennt unter anderem Notruf-Fax und die offizielle nora-Notruf-App.
nora ist das offizielle Notruf-App-System der Bundesländer und ermöglicht in Deutschland die Kontaktaufnahme mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Die App ist insbesondere für Menschen hilfreich, die einen gesprochenen Telefonanruf nicht oder nur eingeschränkt nutzen können.
Die klassische 110 beziehungsweise 112 bleibt trotzdem bestehen. Eine App sollte bei einem unmittelbar lebensbedrohlichen Ereignis nicht erst installiert und eingerichtet werden, wenn ein normaler Sprachnotruf möglich ist.
FAQ zu den Notrufnummern in Deutschland
Wann ruft man 110 und wann 112?
110 ist für dringende Polizeieinsätze vorgesehen, beispielsweise bei laufender Gewalt, Bedrohung, Raub oder Einbruch. 112 gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst, insbesondere bei medizinischen Notfällen, schweren Unfällen und Bränden.
Welche Nummer bei einem medizinischen Notfall?
Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen, Schlaganfallzeichen, schweren Verletzungen oder vergleichbaren akuten Situationen wird 112 gewählt. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos.
Welche Nummer bei einem Verkehrsunfall?
Bei Verletzten oder möglicher Lebensgefahr gilt 112. Besteht keine Verletzung, aber eine akute Gefahr, die polizeiliches Eingreifen notwendig macht, kommt 110 infrage. Ein kleiner Sachschaden ohne dringende Gefahr ist nicht automatisch ein Fall für den Notruf.
Ist 112 auch die Polizeinummer?
In Deutschland ist 112 primär die Nummer für Feuerwehr und Rettungsdienst, während der Polizeinotruf über 110 läuft. EU-weit ist 112 die gemeinsame Notrufnummer, über die grundsätzlich Notdienste erreicht werden können.
Kostet ein Anruf bei 110 oder 112 Geld?
Notrufverbindungen über 110 und 112 sind kostenlos. Für 112 bestätigt dies auch die Europäische Union ausdrücklich für Festnetz- und Mobiltelefone in allen EU-Mitgliedstaaten.
Was im Ernstfall zählt
Die wichtigsten Notrufnummern Deutschlands lassen sich auf drei Situationen reduzieren: 112 bei medizinischer Lebensgefahr, schweren Verletzungen oder Feuer, 110 bei dringender Polizeigefahr und 116117 bei akutem ärztlichem Behandlungsbedarf ohne Lebensgefahr. Wer zusätzlich weiß, wie ein Notruf abläuft und grundlegende Erste Hilfe beherrscht, verliert in einer Ausnahmesituation weniger Zeit; dafür bietet der Monrose-Ratgeber zur Erste-Hilfe-Auffrischung 2026 einen passenden nächsten Einstieg.