Die Chancen auf Polarlichter in Deutschland steigen zum Ende dieser Augustwoche deutlich. Nach erhöhter Aktivität auf der Sonne sind mehrere Wolken aus geladenen Teilchen auf dem Weg in Richtung Erde. Besonders interessant ist nach den aktuellen Prognosen die Nacht von Freitag, 28. August, auf Samstag, 29. August 2026, die monrose.de berichtet mit merkur.de.
Eine Garantie für einen farbigen Himmel gibt es trotzdem nicht. Entscheidend sind neben der Stärke des Sonnensturms auch die genaue Ausrichtung des interplanetaren Magnetfelds, der Zeitpunkt des Eintreffens, die Bewölkung und die Lichtverschmutzung am Beobachtungsort. Norddeutschland hat klar bessere Voraussetzungen als der Süden.
Warum jetzt ein Sonnensturm die Erde erreicht
Auslöser der erhöhten Aktivität sind Eruptionen auf der Sonne. Dabei können sogenannte koronale Massenauswürfe entstehen. Große Mengen elektrisch geladener Teilchen werden ins All geschleudert und können nach einigen Tagen das Magnetfeld der Erde erreichen.

Genau ein solcher Vorgang ist für Ende August relevant. Die amerikanische Weltraumwetterbehörde NOAA rechnet in ihrem aktuellen Dreitagesausblick mit geomagnetischer Aktivität bis zur Stufe G2. Der prognostizierte Kp-Wert erreicht zeitweise etwa 5,67. Besonders auffällig ist das Zeitfenster vom späten Freitagabend bis in die frühen Morgenstunden des Samstags.
Ein G2-Ereignis wird als moderater geomagnetischer Sturm eingestuft. Das ist kein außergewöhnlich extremes Weltraumwetter, kann die Polarlichtzone aber zeitweise deutlich nach Süden verschieben.
Die entscheidende Größe ist nicht allein die Stärke der Sonneneruption. Erst wenn das Magnetfeld des eintreffenden Sonnenplasmas günstig zur Erde ausgerichtet ist, kann die geomagnetische Aktivität kräftig zunehmen.
Der Sonnensturm vom August 2026 dürfte deshalb vor allem kurzfristig für Spannung sorgen. Exakt vorhersagen lässt sich die Stärke eines solchen Ereignisses erst relativ kurz vor beziehungsweise nach dem Eintreffen der Teilchenwolke.
Wann Polarlichter in Deutschland möglich sind
Das aussichtsreichste Zeitfenster fällt nach der derzeitigen NOAA-Prognose in Deutschland ungefähr in die Nacht zum 29. August. Für den Zeitraum 21 bis 24 Uhr UTC am 28. August sowie 0 bis 3 Uhr UTC am 29. August wird zeitweise G2-Niveau erwartet. In Deutschland entspricht das während der Sommerzeit ungefähr 23 Uhr bis 5 Uhr.
Damit lohnt sich der Blick nach Norden vor allem rund um Mitternacht und in den ersten Stunden danach. Wer bereits am Freitagabend einen klaren Himmel hat, kann allerdings früher beginnen.
| Zeitraum in Deutschland | Erwartete Situation | Beobachtungschance |
|---|---|---|
| Freitagabend bis etwa 22 Uhr | Aktivität kann bereits zunehmen | eher gering bis mäßig |
| ca. 23 Uhr bis Mitternacht | G2-Niveau möglich | erhöht |
| 0 bis 2 Uhr | günstiges Zeitfenster | besonders interessant |
| 2 bis 5 Uhr | weiterhin erhöhte Aktivität möglich | je nach CME-Verlauf gut |
| Samstagmorgen | Aktivität voraussichtlich rückläufig | zunehmend schlechter |
Diese Zeitangaben sind kein genauer Fahrplan. Ein koronaler Massenauswurf kann früher oder später eintreffen als von Modellen berechnet.
Für Beobachter bedeutet das: Nicht nur fünf Minuten vor die Haustür gehen. Ein schwaches Polarlicht kann zunächst kaum auffallen und erst später stärker werden. Auch längere ruhige Phasen schließen einen erneuten Aktivitätsschub nicht aus.
Nord- und Ostsee haben die besten Chancen
Wer Polarlichter heute Nacht sehen möchte, hat im Norden Deutschlands die besten Karten. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie die Nord- und Ostseeküste liegen nicht nur weiter nördlich, sondern bieten vielerorts einen offenen Horizont.
Besonders günstig sind dunkle Küstenabschnitte, Felder oder Anhöhen mit freier Sicht in Richtung Norden. Große Städte sind dagegen problematisch.
Geeignete Bedingungen bieten vor allem:
- Küstenabschnitte an Nord- und Ostsee mit wenig künstlichem Licht;
- Inseln und ländliche Regionen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen;
- Mecklenburg-Vorpommern außerhalb größerer Städte;
- erhöhte und dunkle Standorte im Harz;
- Felder oder Anhöhen mit freiem nördlichem Horizont;
- Stadtränder, sofern keine hellen Industrie- oder Gewerbegebiete im Norden liegen.
Auch zwischen Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter sind Beobachtungen nicht ausgeschlossen. Dort dürfte bei mäßiger Aktivität jedoch häufig die Kamera mehr erkennen als das bloße Auge.
Im Ruhrgebiet sind die Bedingungen erheblich schwieriger. Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg und umliegende Ballungsräume erzeugen einen starken Lichtschein, der schwache Polarlichter überlagert.
Warum die Kamera oft mehr sieht als das menschliche Auge
Nicht jedes Polarlicht über Deutschland erscheint als spektakulärer grüner Vorhang. Bei schwächerer Aktivität und größerer Entfernung von der eigentlichen Polarlichtzone sind häufig diffuse rote, violette oder grünliche Strukturen tief über dem Nordhorizont zu erkennen.
Das menschliche Auge kann bei Dunkelheit Farben nur eingeschränkt wahrnehmen. Eine moderne Smartphone-Kamera sammelt während einer mehrsekündigen Belichtung wesentlich mehr Licht. Deshalb erscheinen Polarlichter auf Fotos oft kräftig rosa oder grün, obwohl am Himmel nur ein blasser Schimmer erkennbar war.
Für Polarlichter fotografieren reichen unter günstigen Bedingungen bereits relativ einfache Mittel:
- Einen dunklen Ort mit freiem Blick nach Norden suchen.
- Das Smartphone stabil aufstellen oder ein Stativ verwenden.
- Nachtmodus beziehungsweise Langzeitbelichtung aktivieren.
- Auf helle Straßenlaternen im Bild verzichten.
- Mehrere Aufnahmen mit einigen Sekunden Abstand machen.
- Zwischendurch auch den Himmel mit bloßem Auge beobachten.
Bei einer Kamera lassen sich zusätzlich ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, offene Blende und eine mehrsekündige Belichtungszeit nutzen. Zu lange Belichtungen können allerdings Sterne verwischen und schnell bewegte Polarlichtstrukturen verschmieren.

Für Astrofotografie gilt eine einfache Regel: Ein vermeintlich grauer oder rötlicher Schleier am Nordhorizont sollte testweise fotografiert werden. Der Kamerasensor kann schwache Aurora deutlich früher sichtbar machen als das Auge.
Wetter könnte die Sicht in Deutschland bremsen
Die Aktivität der Sonne ist nur die Hälfte der Rechnung. Ohne Wolkenlücken bleibt selbst ein kräftiges Polarlicht unsichtbar.
Genau hier gibt es für die kommenden Stunden Probleme. Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Freitag in mehreren Regionen wechselhaftes Wetter mit Regen, Schauern und teilweise kräftigen Gewittern. Besonders im Norden sind zeitweise Wolken und Niederschlag prognostiziert. In der Nacht zum Samstag sollen Gewitter zwar vielerorts allmählich nachlassen beziehungsweise ostwärts abziehen, vollständig klar wird der Himmel deshalb aber nicht automatisch.
Die tatsächlichen Chancen können dadurch innerhalb weniger Kilometer stark variieren. Ein Beobachter unter einer geschlossenen Wolkendecke sieht nichts, während 30 Kilometer entfernt eine größere Wolkenlücke den Blick auf den Nordhorizont freigibt.
Sicherheit geht zudem vor. Bei Gewittern sind offene Felder, exponierte Hügel und Aussichtspunkte kein geeigneter Aufenthaltsort.
Die Lage kann sich innerhalb einer Stunde komplett verändern. Zieht eine Wolkenlücke durch, reicht manchmal bereits ein kurzes Zeitfenster für eine Aufnahme. Bei Blitz und Donner sollte die Polarlichtsuche dagegen sofort beendet werden.
Auch der helle Mond erschwert schwache Polarlichter
Ein weiterer Störfaktor steht bereits am Himmel. Am 28. August findet eine sehr tiefe partielle Mondfinsternis statt, bei der mehr als 90 Prozent des Mondes in den Kernschatten der Erde gelangen. In Berlin begann die Finsternis am frühen Freitagmorgen; der Mond war zu dieser Zeit nahezu voll.
In der folgenden Nacht bleibt der Mond entsprechend sehr hell. Das kann schwache Nordlichter über Deutschland überstrahlen.
Kräftige Polarlichter lassen sich trotz Mondlicht beobachten. Feine Strukturen und blasse rote Bögen sind jedoch deutlich schwieriger zu erkennen. Deshalb wird ein möglichst dunkler Standort noch wichtiger.
Lichtverschmutzung, Mondlicht und Wolken wirken dabei gleichzeitig. Ein Standort fernab einer Stadt ist deshalb nicht automatisch perfekt, wenn der Nordhorizont bewölkt ist.
Wie gut sind die Chancen in verschiedenen Regionen?
Die größten Unterschiede ergeben sich aus geografischer Lage, künstlichem Licht und Wetter.
| Region | Grundsätzliche Chance | Wichtigster Faktor |
|---|---|---|
| Nordseeküste | gut | freie Wolkenlücken |
| Ostseeküste | gut | Blick nach Norden |
| Schleswig-Holstein | gut bis mäßig | Lichtverschmutzung |
| Mecklenburg-Vorpommern | gut bis mäßig | Gewitter und Wolken |
| Niedersachsen | mäßig | Standort möglichst weit nördlich |
| Harz | mäßig | freie Sicht und Höhenlage |
| Ruhrgebiet | eher gering | starke Lichtverschmutzung |
| Süddeutschland | gering | deutlich stärkere Aurora nötig |
Die Tabelle beschreibt keine garantierte Sichtbarkeit. Selbst innerhalb Norddeutschlands kann das Polarlicht komplett ausbleiben, wenn der geomagnetische Sturm schwächer als erwartet ausfällt.
Umgekehrt kann ein stärkerer Impuls die Situation innerhalb kurzer Zeit verändern.
Woran man Polarlichter am Himmel erkennt
In Deutschland sehen Polarlichter häufig anders aus als auf Bildern aus Norwegen, Island oder Finnland. Statt großer grüner Vorhänge kann zunächst nur ein ungewöhnlich heller Bereich über dem nördlichen Horizont erscheinen.
Typische Hinweise sind rötliche senkrechte Strukturen, ein schwacher grüner Bogen oder ein diffuser violetter Schimmer. Sterne bleiben dabei im Hintergrund sichtbar.
Wolken reflektieren dagegen häufig das gelbliche oder orange Licht von Städten und verändern ihre Position zusammen mit der allgemeinen Wolkenbewegung. Polarlichtstrukturen können ebenfalls wandern, wirken aber oft deutlich feiner und erscheinen auf Langzeitaufnahmen farbiger.
Wer unsicher ist, sollte mehrere Bilder im Abstand von wenigen Minuten aufnehmen. Entwickeln sich farbige Säulen oder Bögen, spricht das eher für Aurora als für gewöhnliche Wolken.
Die Nacht zum Samstag wird zum entscheidenden Zeitfenster
Der aktuelle Sonnensturm über Deutschland bietet eine reale, aber keineswegs sichere Chance auf Polarlichter. Der NOAA-Ausblick sieht zeitweise einen moderaten geomagnetischen Sturm der Kategorie G2 vor, wobei das interessanteste Zeitfenster für Deutschland nach aktuellem Stand ungefähr zwischen 23 Uhr am Freitag und 5 Uhr am Samstag liegt.
Am aussichtsreichsten bleibt der Norden mit möglichst freiem Blick über einen dunklen Nordhorizont. An Nord- und Ostsee sind die geografischen Voraussetzungen besonders günstig, während Ballungsräume wie das Ruhrgebiet durch ihre Lichtverschmutzung deutlich schlechter abschneiden.
Entscheidend werden am Ende drei Dinge: die tatsächliche Stärke des eintreffenden Sonnenplasmas, Wolkenlücken und ein dunkler Beobachtungsplatz. Wer in der Nacht zum 29. August klare Sicht nach Norden bekommt, sollte deshalb Smartphone oder Kamera bereithalten und den Himmel nicht nur für wenige Minuten beobachten.