Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat

Auf Ritter-Sport-Tafeln tauchen derzeit auffällige 100-g-Aufkleber auf. Sie verdecken eine Nachhaltigkeitsaussage, die der Hersteller vor dem Start neuer EU-Regeln von den Verpackungen entfernt. Gleichzeitig erinnert die Aktion an den Streit um nur 75 Gramm schwere Tafeln.

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Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat

Wer Mitte August 2026 eine Ritter-Sport-Tafel aus dem Supermarktregal nimmt, kann auf manchen Verpackungen eine ungewöhnliche Veränderung entdecken. Ein Aufkleber mit der Gewichtsangabe „100 g“ bedeckt eine Stelle, an der bislang mit dem Bezug von zu 100 Prozent zertifiziert nachhaltigem Kakao geworben wurde. Hinter der unscheinbaren Klebeaktion steckt nicht nur eine neue Verpackungsgestaltung, sondern eine bevorstehende Verschärfung der Regeln für Umweltwerbung in der Europäischen Union, die  monrose.de berichtet mit berliner-zeitung.de.

Für Ritter Sport kommt der Zeitpunkt besonders auffällig. Erst wenige Monate zuvor hatte das Unternehmen mit drei neuen 75-Gramm-Tafeln Diskussionen über Packungsgröße, Preis und mögliche Shrinkflation ausgelöst. Nun rückt ausgerechnet die Zahl „100 g“ auf anderen Tafeln prominent ins Blickfeld.

Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat
Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat

Warum Ritter Sport seine Verpackungen überklebt

Im Mittelpunkt steht die EmpCo-Richtlinie der Europäischen Union. Die Richtlinie (EU) 2024/825 soll Verbraucher besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen schützen. Die entsprechenden Regeln sind ab dem 27. September 2026 anzuwenden; Deutschland hat die Vorgaben bereits in nationales Recht übertragen.

Damit werden allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder vergleichbare Nachhaltigkeitsversprechen deutlich stärker reguliert. Entscheidend wird, ob eine Aussage ausreichend konkret ist und sich nach den vorgeschriebenen Kriterien belegen lässt. Auch bestimmte Nachhaltigkeitssiegel und Aussagen über Klimawirkungen geraten unter strengere Voraussetzungen.

Für Hersteller entsteht dadurch schon Wochen vor dem Stichtag Handlungsdruck. Lebensmittel, die jetzt produziert oder bereits ausgeliefert werden, können noch lange nach Ende September in Supermarktregalen liegen.

Eine Verpackung ist deshalb nicht nur Werbung für den heutigen Verkauf. Bei haltbaren Lebensmitteln muss ihre Kennzeichnung auch zu dem Zeitpunkt noch passen, an dem die Ware Wochen oder Monate später angeboten wird. Genau dieser zeitliche Effekt macht die EmpCo-Umstellung für Hersteller bereits im Sommer 2026 relevant.

Bei Ritter Sport Verpackungen betrifft das konkret den Hinweis auf den zertifizierten nachhaltigen Kakaobezug. Statt sofort sämtliche bereits bedruckten Verpackungsfolien zu entsorgen, wird die bisherige Aussage während der Übergangsphase überklebt. Die Lösung verhindert, dass vorhandenes Verpackungsmaterial allein wegen einer Änderung der Werbeaussage unbrauchbar wird.

Nachhaltiger Kakao verschwindet nicht aus der Schokolade

Der Sticker kann leicht einen falschen Eindruck erzeugen. Ritter Sport beendet mit der Änderung nicht automatisch den Bezug zertifizierten Kakaos. Entfernt wird zunächst eine Aussage auf der Vorderseite der Verpackung.

Das Unternehmen gibt weiterhin an, ausschließlich zertifizierten und segregierten Kakao für seine Schokolade zu beziehen. Auf der eigenen Darstellung zum Kakaobezug nennt Ritter Sport derzeit einen Mix aus Rainforest-Alliance-Kakao und Kakao aus dem Fairtrade Cocoa Program.

„100 Prozent zertifizierter Kakao“ bleibt nach Darstellung des Unternehmens Teil der Beschaffung. Geändert wird die Art, wie diese Information auf der Verpackung beworben wird.

Auf neuen Verpackungen soll die bisherige Aussage durch den Hinweis „ohne Zusatz von Aromen“ ersetzt werden. Die Veränderung zeigt damit einen entscheidenden Punkt der neuen Regeln: Ein Produkt kann seine Beschaffung oder Herstellung unverändert fortführen, während die Kommunikation darüber angepasst wird.

Das Thema nachhaltiger Kakao verschwindet also nicht zwangsläufig aus der Unternehmensstrategie. Sichtbar verschwindet zunächst das entsprechende Versprechen von einem besonders prominenten Platz auf der Tafel.

Warum auf dem Sticker ausgerechnet „100 g“ steht

Ritter Sport hätte die alte Aussage mit einem neutralen Feld verdecken können. Stattdessen steht auf dem Sticker gut sichtbar die Grammzahl der klassischen Tafel.

Diese Entscheidung bekommt durch eine andere Debatte eine zusätzliche Bedeutung. Im Frühjahr 2026 hatte Ritter Sport die neue Produktlinie „Edelkakao Klasse“ eingeführt. Die drei Tafeln „Die Vollmundige“, „Die Aromatische“ und „Die Intensive“ enthalten jeweils 75 Gramm. Ritter Sport führt sie auch aktuell als 75-Gramm-Produkte.

Die Unterschiede lassen sich knapp gegenüberstellen:

ProduktmerkmalKlassische TafelEdelkakao Klasse
Gewicht100 g75 g
Tafelformquadratischquadratisch
Verpackungsflächebekannte Standardgrößeähnlich große Frontfläche
Dicke der Tafeletwa 12 mmetwa 9 mm
Schwerpunktbreites Standardsortimenthoher Edelkakao-Anteil
Diskussion 2026100-g-Hinweis auf StickernKritik wegen geringerem Inhalt

Gerade deshalb wirkt der neue Aufkleber wie eine indirekte Antwort auf die vorangegangene Diskussion. Der Hersteller erklärte, während der Übergangsphase stärker auf die Grammatur hinweisen zu wollen. Die Gewichtsangabe übernimmt damit gleich zwei Aufgaben: Sie verdeckt die bisherige Nachhaltigkeitswerbung und stellt zugleich heraus, dass die betreffende Tafel 100 Gramm enthält.

75-Gramm-Tafeln lösten bereits im Mai Kritik aus

Seit Mai 2026 gehören drei 75-Gramm-Tafeln zur Edelkakao Klasse. „Die Vollmundige“ enthält 55 Prozent Kakao, „Die Aromatische“ 74 Prozent und „Die Intensive“ 81 Prozent. Die Produkte sind dünner als die klassischen Tafeln, während die quadratische Grundform erhalten bleibt.

Genau an diesem Punkt setzte die Verbraucherzentrale Hamburg mit ihrer Kritik an. Nach ihrer Berechnung lag der Verkaufspreis häufig bei 2,29 Euro. Wenn die neuen Produkte als faktischer Ersatz für frühere 100-Gramm-Varianten betrachtet werden, ergibt sich bei 25 Prozent weniger Inhalt ein deutlich höherer Preis je 100 Gramm. Die Verbraucherzentrale sprach deshalb von Anzeichen für Shrinkflation.

Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat
Ritter Sport ändert Verpackungen: Was die EmpCo-Richtlinie 2026 damit zu tun hat

„Aus unserer Sicht spricht vieles dafür“, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg zur Frage, ob bei der neuen Produktlinie Shrinkflation vorliegt.

Ritter Sport widerspricht dieser Interpretation. Nach Darstellung des Unternehmens handelt es sich nicht um verkleinerte alte Sorten, sondern um eine neue Produktgruppe mit eigenen Rezepturen und einem anderen Tafelformat. Der Hersteller verweist außerdem darauf, dass das Gewicht auf der Verpackung mehrfach angegeben werde.

Bei der Shrinkflation bei Ritter Sport treffen damit zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Verbraucherschützer vergleichen Menge und Preis mit der früheren Produktwelt. Ritter Sport argumentiert dagegen mit einer eigenständigen Produktlinie, verändertem Format und einer anderen Positionierung.

Weshalb 75 Gramm nicht einfach eine kleinere Tafel bedeuten

Die neue Edelkakao Klasse unterscheidet sich nicht nur beim Gewicht. Ritter Sport begründet das dünnere Format mit dem gewünschten Mundgefühl bei Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Eine kleinere quadratische Fläche hätte bei derselben Menge wieder eine dickere Tafel ergeben, während eine 100-Gramm-Version bei gleicher Dicke größer und nach Darstellung des Herstellers auch teurer geworden wäre.

Für Käufer bleibt trotzdem eine einfache Rechnung entscheidend: Nicht der Preis pro Packung, sondern der Grundpreis zeigt, wie teuer die gleiche Menge tatsächlich ist.

Beim Vergleich im Regal helfen vor allem diese Punkte:

  • Gewicht in Gramm kontrollieren und nicht nur auf die Größe der Vorderseite achten.
  • Grundpreis pro Kilogramm oder pro 100 Gramm vergleichen.
  • Alte und neue Sorten nicht allein anhand ähnlicher Farben oder Kakaoanteile gleichsetzen.
  • Bei Sondereditionen prüfen, ob Rezeptur, Gewicht und Produktlinie tatsächlich vergleichbar sind.
  • Änderungen der Tafeldicke berücksichtigen, weil eine ähnlich große Verpackungsfläche nicht automatisch dieselbe Menge bedeutet.

Die Debatte fällt in eine Zeit, in der Schokolade ohnehin deutlich teurer geworden ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise für Schokoladentafeln im Oktober 2025 um 30,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Dadurch fällt jede Änderung der Füllmenge stärker auf als in Jahren mit stabilen Preisen. Wer für eine Tafel bereits deutlich mehr bezahlt, reagiert sensibler auf 75 statt 100 Gramm. Die Grammzahl wird damit vom Kleingedruckten zum Verkaufsargument.

EmpCo verändert die Werbung im Supermarkt

Der Fall Ritter Sport dürfte kein Einzelfall bleiben. Ab dem 27. September 2026 greifen die neuen Vorgaben für grüne Werbung in der EU. Unternehmen müssen deshalb bestehende Verpackungen, Werbemittel und Produktclaims darauf prüfen, ob Umweltversprechen den neuen Anforderungen entsprechen.

Besonders betroffen sind pauschale Aussagen, die ein Produkt oder Unternehmen allgemein als ökologisch vorteilhaft erscheinen lassen, ohne dass die Aussage ausreichend spezifiziert werden kann. Gleichzeitig werden Nachhaltigkeitssiegel stärker reguliert, wenn dahinter kein entsprechendes Zertifizierungssystem oder keine staatliche Grundlage steht.

Für Verbraucher kann das zu sichtbaren Veränderungen führen:

  1. Allgemeine Umweltbegriffe können von Verpackungen verschwinden.
  2. Bestehende Aussagen werden durch präzisere Formulierungen ersetzt.
  3. Manche Siegel müssen überprüft oder entfernt werden.
  4. Unternehmen können stärker auf konkret messbare Produkteigenschaften ausweichen.
  5. Bereits gedruckte Verpackungen können vorübergehend mit Stickern korrigiert werden.

Ritter Sport liefert dafür schon vor dem Stichtag ein anschauliches Beispiel. Wo zuvor ein Nachhaltigkeitsversprechen stand, findet sich nun eine nüchterne Mengenangabe.

Die Verpackung wird zum rechtlichen Risiko

Für Hersteller ist eine Produktverpackung langfristiger als eine Online-Anzeige. Ein Werbebanner kann innerhalb weniger Minuten geändert werden. Bedruckte Folie dagegen wird in großen Mengen produziert, gelagert, verarbeitet und über Händler verteilt.

Genau das erklärt, warum Unternehmen nicht bis zum 27. September warten können. Ware mit langer Haltbarkeit kann schon im August produziert sein und noch Monate später angeboten werden. Die neuen Vorgaben müssen deshalb in Verpackungsplanung, Produktion und Logistik deutlich früher berücksichtigt werden.

Der Sticker ist in diesem Zusammenhang eine pragmatische Zwischenlösung. Vorhandenes Material kann weiter genutzt werden, während der problematische oder künftig nicht mehr gewünschte Claim für den Verkauf verdeckt wird.

Für Verpackungshersteller und Marken verschiebt sich damit die Aufgabe: Nachhaltigkeitskommunikation muss nicht nur attraktiv klingen, sondern künftig deutlich genauer darauf geprüft werden, welche Aussage tatsächlich belegt und rechtssicher verwendet werden kann.

Was Käufer bei Ritter Sport jetzt im Regal sehen können

In den kommenden Wochen können unterschiedliche Verpackungsvarianten parallel auftauchen. Manche Tafeln tragen noch ältere Gestaltungselemente, andere einen Sticker und später folgen neu bedruckte Folien.

Die Aufkleber bedeuten deshalb nicht, dass sich Rezeptur oder Kakaoeinkauf der betroffenen 100-Gramm-Tafel geändert haben. Sie markieren zunächst den Übergang zu einer anderen Kennzeichnung.

Gleichzeitig sorgt die prominente Gewichtsangabe dafür, dass die Diskussion über die Edelkakao Klasse wieder präsent wird. Während dort 75 Gramm ausdrücklich zum neuen Tafelformat gehören, hebt der Sticker auf den klassischen Produkten genau jene 100 Gramm hervor, die viele Käufer mit Ritter Sport verbinden.

Das macht die Verpackungsänderung aus Marketingsicht ungewöhnlich: Eine EU-Regel zwingt zum Entfernen einer Werbeaussage, und der frei werdende Platz wird ausgerechnet für eine Produkteigenschaft genutzt, die wenige Monate zuvor zum Gegenstand einer Preisdiskussion geworden war.

Was hinter der Ritter-Sport-Aktion wirklich steckt

Die überklebten Tafeln verbinden zwei Themen, die im Supermarkt 2026 besonders sichtbar sind. Die EmpCo-Regeln verändern, wie Unternehmen Nachhaltigkeit bewerben dürfen, während steigende Lebensmittelpreise den Blick der Kunden stärker auf Füllmengen und Grundpreise lenken.

Ritter Sport entfernt den Hinweis auf zertifizierten nachhaltigen Kakaobezug von der betroffenen Verpackungsfläche, ohne nach eigener Darstellung den zertifizierten Kakaoeinkauf aufzugeben. Gleichzeitig setzt der Hersteller mit „100 g“ bewusst eine Gewichtsangabe an die Stelle des bisherigen Claims.

Für Käufer bleibt damit eine praktische Regel: Bei Schokolade lohnt sich 2026 ein genauer Blick auf Grammzahl, Grundpreis und konkrete Produktlinie. Eine ähnlich große Verpackung sagt weder automatisch etwas über den Inhalt noch über den Preis je 100 Gramm aus, und ein verschwundener Nachhaltigkeitssatz bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich das Produkt selbst verändert hat.