Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufig erst spät entdeckt. Der neue Bluttest Panxeon kombiniert drei biologische Marker und konnte in einer internationalen Studie frühe Tumoren mit hoher Sensitivität identifizieren. Für ein allgemeines Screening ist das Verfahren allerdings noch nicht bereit.

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Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen

Bauchspeicheldrüsenkrebs bereitet der Medizin seit Jahrzehnten ein besonderes Problem: In einem frühen Stadium verursacht die Erkrankung häufig keine eindeutigen Beschwerden. Wird der Tumor schließlich entdeckt, kann er bereits so weit fortgeschritten sein, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Ein neuer Bluttest gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs setzt genau an dieser diagnostischen Lücke an, die  monrose.de berichtet mit welt.de.

Das Verfahren mit dem Namen Panxeon sucht nicht nach einem einzigen verdächtigen Wert. Es kombiniert mehrere biologische Signale im Blut und berechnet daraus einen Risikoscore. In einer internationalen Untersuchung mit fast 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erreichte der Test bei Bauchspeicheldrüsenkrebs der Stadien 1 und 2 eine Sensitivität von knapp 87 Prozent. Die Resultate wurden im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen

Warum Bauchspeicheldrüsenkrebs häufig so spät erkannt wird

Das Pankreas liegt tief im Oberbauch und übernimmt wichtige Aufgaben bei Verdauung und Stoffwechsel. Veränderungen des Organs sind von außen nicht tastbar. Gleichzeitig können frühe Tumoren über längere Zeit unauffällig bleiben.

Beschwerden wie Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder eine neu auftretende Gelbsucht können bei Pankreaskrebs vorkommen. Sie sind jedoch nicht ausschließlich für diese Erkrankung typisch. Gerade frühe Veränderungen lassen sich deshalb anhand von Symptomen allein kaum zuverlässig identifizieren.

Das ist einer der Gründe, weshalb die Früherkennung von Pankreaskrebs für die Forschung eine hohe Bedeutung hat. Bei einem kleinen und lokal begrenzten Tumor bestehen grundsätzlich mehr therapeutische Möglichkeiten als nach einer Ausbreitung auf andere Organe.

„Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nach wie vor so tödlich, weil er oft erst dann diagnostiziert wird, wenn sich das Zeitfenster für eine Heilung bereits zu schließen beginnt“, erklärte Studienautor Ajay Goel.

Die Suche nach einem unkomplizierten Test für frühe Krankheitsstadien läuft deshalb schon lange. Ein Bluttest wäre besonders attraktiv, weil eine Blutentnahme vergleichsweise einfach durchzuführen ist und sich prinzipiell wiederholen lässt.

Panxeon kombiniert drei unterschiedliche biologische Signale

Das Besondere an Panxeon liegt in der Kombination. Statt sich auf einen einzelnen Tumormarker zu verlassen, verarbeitet der Test Informationen aus drei verschiedenen Quellen.

Untersucht werden frei im Blut zirkulierende microRNAs, microRNAs aus sogenannten Exosomen sowie das Protein CA19-9. Aus diesen Messwerten entsteht ein gemeinsamer Risikoscore.

MicroRNAs sind kurze RNA-Moleküle, die an der Regulation von Genen beteiligt sind. Bestimmte Veränderungen ihrer Konzentration können mit Krankheiten und Tumorprozessen zusammenhängen. Exosomen wiederum sind winzige, von Zellen abgegebene Partikel, die verschiedene Moleküle transportieren und dadurch zusätzliche Informationen über biologische Vorgänge liefern können.

CA19-9 ist in der Diagnostik von Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits bekannt. Allein eignet sich der Marker jedoch nicht als zuverlässiger Screening-Test für die gesamte Bevölkerung. Er kann bei manchen Menschen trotz Krebs unauffällig sein und bei anderen Erkrankungen erhöht auftreten.

Panxeon versucht deshalb, die Schwächen einzelner Marker durch deren Kombination auszugleichen.

„Die meisten Biomarker liefern nur einen Teil der Geschichte. Die Kombination mehrerer biologischer Signale ermöglicht uns ein klareres Bild davon, was in der Bauchspeicheldrüse vor sich geht“, erläutert Goel den Ansatz.

Studie umfasst fast 1.800 Menschen aus mehreren Regionen

Für die Untersuchung wurde der Test nicht nur an einer kleinen Patientengruppe eines einzelnen Krankenhauses erprobt. Die Forschenden werteten Daten von fast 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den USA, Europa und Asien aus.

Diese internationale Zusammensetzung ist relevant. Diagnostische Verfahren müssen auch dann funktionieren, wenn Menschen unterschiedliche genetische Hintergründe, Lebensbedingungen und Begleiterkrankungen mitbringen.

Besonders im Fokus standen die frühen Krankheitsstadien. Genau dort könnte ein Bluttest zur Krebsfrüherkennung langfristig den größten praktischen Nutzen entfalten.

Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich so einordnen:

Untersuchte SituationErgebnis des Panxeon-Tests
Pankreaskrebs Stadium 1 und 2knapp 87 % Sensitivität
Hochgradige Dysplasienmehr als 64 % erkannt
Personen mit niedrigem Risikoetwa 3 % falsch positive Resultate
Verwendete SignalemicroRNAs, Exosomen-microRNAs und CA19-9
Studienumfangfast 1.800 Teilnehmer
UntersuchungsregionenUSA, Europa und Asien

Sensitivität beschreibt dabei, wie viele tatsächlich Erkrankte von einem Test korrekt erkannt werden. Eine Sensitivität von knapp 87 Prozent bedeutet nicht, dass der Test insgesamt zu 87 Prozent „sicher“ ist. Für die Bewertung eines diagnostischen Verfahrens spielen zusätzlich Spezifität, falsch positive Resultate und die Häufigkeit der Erkrankung in der untersuchten Bevölkerung eine Rolle.

Ein positives Testergebnis wäre deshalb noch keine Krebsdiagnose. Ein negativer Befund könnte eine Erkrankung ebenfalls nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Genau diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn aus einer Forschungsstudie später ein medizinischer Routinetest werden soll.

Test erkennt auch bestimmte Krebsvorstufen

Eine weitere Beobachtung der Studie betrifft auffällige Zellveränderungen, die noch nicht einem invasiven Tumor entsprechen müssen. Panxeon konnte hochgradige Dysplasien in mehr als 64 Prozent der untersuchten Fälle identifizieren.

Das könnte insbesondere für Menschen relevant werden, bei denen bereits bestimmte Veränderungen oder Zysten der Bauchspeicheldrüse bekannt sind. Nicht jede Zyste entwickelt sich zu Krebs. Einige Veränderungen werden deshalb lediglich beobachtet, während bei anderen eine intensivere Kontrolle oder Behandlung notwendig sein kann.

Ein zusätzlicher Blutwert könnte künftig dabei helfen, innerhalb solcher Risikogruppen genauer zu unterscheiden. Ob Panxeon diese Aufgabe im klinischen Alltag tatsächlich zuverlässig erfüllen kann, muss jedoch separat geprüft werden.

Die potenziellen Einsatzmöglichkeiten wären beispielsweise:

  • Überwachung von Menschen mit bestimmten Pankreaszysten,
  • zusätzliche Kontrolle bei familiär erhöhtem Erkrankungsrisiko,
  • Ergänzung bestehender bildgebender Untersuchungen,
  • Auswahl von Personen, die eine weiterführende Diagnostik benötigen,
  • Beobachtung auffälliger Veränderungen über einen längeren Zeitraum.

Ein allgemeiner jährlicher Bluttest für jeden Erwachsenen lässt sich aus den bisherigen Daten dagegen nicht ableiten.

Falsch positive Ergebnisse bleiben eine wichtige Hürde

Ein Früherkennungstest muss zwei Dinge gleichzeitig leisten: möglichst viele Erkrankte finden und möglichst wenige Gesunde unnötig alarmieren. Gerade bei seltenen Erkrankungen ist diese Balance schwierig.

Bei Menschen mit niedrigem Ausgangsrisiko lieferte Panxeon laut den Studienergebnissen bei ungefähr drei Prozent ein falsch positives Resultat. Drei Prozent wirken zunächst wenig. Wird ein solcher Test jedoch auf Millionen gesunde Menschen angewendet, kann daraus eine sehr große Zahl auffälliger Befunde entstehen.

Betroffene müssten anschließend weiter untersucht werden. Denkbar wären bildgebende Verfahren wie MRT oder Endosonografie und, abhängig vom Befund, zusätzliche diagnostische Schritte.

Das verursacht nicht nur Kosten. Ein auffälliger Krebstest kann für Betroffene psychisch belastend sein, selbst wenn sich später herausstellt, dass kein Tumor vorhanden ist.

Bei Hochrisikogruppen fiel die Rate falsch positiver Ergebnisse in der Untersuchung höher aus. Die Wissenschaftler sehen Panxeon daher derzeit nicht als Ersatz für etablierte diagnostische Verfahren.

Warum ein Bluttest die Bildgebung nicht ersetzen kann

Ein Laborwert kann einen Verdacht liefern, aber er zeigt nicht präzise, wo ein Tumor liegt, wie groß er ist oder welche umliegenden Strukturen betroffen sind. Dafür bleiben bildgebende Untersuchungen notwendig.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten – ein neuer Bluttest soll frühe Tumoren zuverlässiger erkennen

Bei einem auffälligen Panxeon-Bluttest könnte die eigentliche Stärke deshalb in der Auswahl der nächsten diagnostischen Schritte liegen. Menschen mit einem erhöhten Risikoscore könnten gezielter untersucht werden, während andere möglicherweise weiterhin regulär überwacht werden.

Der mögliche Ablauf sähe vereinfacht so aus:

  1. Blutprobe wird entnommen.
  2. Die drei Markergruppen werden analysiert.
  3. Aus den Ergebnissen entsteht ein Risikoscore.
  4. Bei einem auffälligen Wert folgt eine gezielte diagnostische Abklärung.
  5. Bildgebung und gegebenenfalls weitere Verfahren klären, ob tatsächlich eine verdächtige Veränderung vorhanden ist.

Damit wäre Panxeon eher eine vorgeschaltete Entscheidungshilfe als ein alleinstehendes Diagnoseinstrument.

87 Prozent bedeuten noch keinen fertigen Screening-Test

Hohe Prozentwerte aus medizinischen Studien sorgen schnell für große Erwartungen. Für die praktische Bewertung sind sie allein jedoch nicht ausreichend.

Ein Test kann eine hohe Sensitivität besitzen und trotzdem für ein bevölkerungsweites Screening ungeeignet sein. Entscheidend ist beispielsweise, wie häufig die gesuchte Erkrankung in der getesteten Gruppe tatsächlich vorkommt. Je seltener eine Krankheit ist, desto stärker fallen falsch positive Ergebnisse ins Gewicht.

Hinzu kommt eine noch wichtigere Frage: Verbessert die frühere Diagnose am Ende tatsächlich die Behandlungsergebnisse?

Es reicht nicht, einen Tumor einige Monate früher zu entdecken. Ein Früherkennungsprogramm muss idealerweise zeigen, dass durch diesen Zeitgewinn mehr Menschen erfolgreich behandelt werden können oder länger leben. Für Panxeon stehen solche Nachweise noch aus.

Die bisherigen Daten zeigen vor allem, dass sich mit der Kombination verschiedener Biomarker frühe Tumorsignale im Blut erfassen lassen. Ob daraus ein messbarer Überlebensvorteil entsteht, ist eine eigene wissenschaftliche Frage.

Für wen könnte der Test zuerst interessant werden?

Sollten weitere Studien die Ergebnisse bestätigen, dürfte ein Einsatz in klar definierten Risikogruppen naheliegender sein als ein sofortiges Screening der gesamten Bevölkerung.

Dazu könnten Menschen gehören, in deren Familie Bauchspeicheldrüsenkrebs gehäuft auftritt. Auch bestimmte erbliche Veränderungen und Erkrankungen können das Risiko erhöhen. Hinzu kommen Patientinnen und Patienten mit ausgewählten zystischen Veränderungen des Pankreas, die bereits medizinisch überwacht werden.

In solchen Gruppen ist die Wahrscheinlichkeit einer relevanten Veränderung höher. Dadurch verändert sich auch der diagnostische Wert eines positiven Testergebnisses.

Für Menschen ohne besondere Risikofaktoren ist die Situation anders. Dort muss sehr genau untersucht werden, ob der Nutzen eines Screenings mögliche Nachteile durch Fehlalarme, Folgeuntersuchungen und Überdiagnosen überwiegt.

Was die Forschung jetzt klären muss

Panxeon liefert einen Ansatz für eines der schwierigsten Probleme in der Krebsmedizin. Von einem vielversprechenden Studienergebnis bis zu einem etablierten Screeningverfahren ist der Weg allerdings länger.

Weitere Untersuchungen müssen unter anderem zeigen,

  • wie zuverlässig der Test in großen Bevölkerungsgruppen funktioniert,
  • welche Risikogruppen am stärksten profitieren,
  • wie häufig falsch positive Ergebnisse im Versorgungsalltag auftreten,
  • in welchen Abständen eine Blutuntersuchung sinnvoll wäre,
  • wie auffällige Resultate anschließend abgeklärt werden sollten,
  • ob die frühere Erkennung tatsächlich die Überlebenschancen verbessert.

Auch praktische Fragen spielen eine Rolle. Dazu gehören Kosten, Laboraufwand, Standardisierung und die Frage, wie reproduzierbar die Ergebnisse zwischen verschiedenen medizinischen Zentren sind.

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, lässt sich beurteilen, welchen Platz das Verfahren in der regulären Versorgung bekommen könnte.

Ein vielversprechender Ansatz mit klaren Grenzen

Panxeon zeigt, wie sich moderne Krebsdiagnostik verändern könnte. Statt auf einen einzelnen Tumormarker zu setzen, kombiniert der Test unterschiedliche molekulare Hinweise und versucht, daraus ein genaueres Risikoprofil zu erstellen. Besonders die Erkennung früher Stadien macht die Ergebnisse medizinisch interessant.

Gleichzeitig ist der Test noch kein Ersatz für MRT, Endosonografie oder andere etablierte Untersuchungen. Ein positiver Blutbefund beweist keinen Bauchspeicheldrüsenkrebs, und ein negatives Ergebnis kann ihn nicht absolut ausschließen.

Die knapp 87-prozentige Sensitivität bei frühen Tumoren ist deshalb vor allem ein Ausgangspunkt für weitere Forschung. Sollte sich in größeren Studien zeigen, dass eine frühere Diagnose von Pankreaskrebs tatsächlich zu mehr rechtzeitig behandelbaren Tumoren und besseren Überlebenschancen führt, könnte ein solcher Bluttest künftig vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko eine neue diagnostische Option eröffnen.